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Syrien (Teil 2)

Seit mehr als einem Jahr gehen weite Teile des syrischen Volkes gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad auf die Strasse. Inzwischen ist aus dem Volksaufstand ein blutiger Bürgerkrieg geworden, der mehr als 15'000 Menschenleben gefordert hat. Hunderttausende Syrer sind auf der Flucht.
Karte: Syrien

Hier geht's zum Teil 1 der Chronologie (März 2011 - Juni 2012)

Wie die Uno am 22. Juni 2012 mitteilt, sind in Syrien inzwischen mehr als 1,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Noch im März 2012 war die Uno von rund 1 Million Hilfsbedürftigen ausgegangen. Allerdings gestaltet sich den Angaben zufolge die Versorgung der Menschen im Land als schwierig, weil sich der Aufstand immer mehr zu einem Bürgerkrieg ausweitet und die Gewalt weiter zunimmt.

Türkisches Militärflugzeug abgeschossen
Am 22. Juni schiessen die syrischen Streitkräfte in internationalen Gewässern ein türkisches Militärflugzeug ab. Die Piloten werden vermisst. Nach übereinstimmenden Angaben beider Länder war das Kampfflugzeug kurzzeitig in den syrischen Luftraum eingedrungen. Die Piloten seien vom türkischen Flugkontrollzentrum gewarnt worden, dass sie sich im syrischen Luftraum befänden. Daraufhin hätten sie den Kurs sofort geändert.

Es sei kein feindlicher Akt gegen das Nachbarland gewesen, sagt der syrische Aussenminister, Syrien habe nur seine Souveränitätsrechte gegen ein unbekanntes Flugzeug verteidigt. Nach türkischen Angaben war das Flugzeug auf einem Übungsflug. Es sollte die Radar- und Verteidigungssysteme der Türkei testen. Es sei unbewaffnet gewesen, sagt der türkische Aussenminister.

Die Türkei ruft wegen des Abschusses am 24. Juni den Nato-Rat an. Artikel 4 des Nato-Vertrages sieht vor, dass die Verbündeten beraten, wenn einer von ihnen der Auffassung ist, dass seine territoriale Integrität, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht ist.Daraufhin drohen Ankara und Nato Damaskus mit schwerwiegenden Folgen, sollte ähnliches nochmals passieren.

Assad spricht erstmals von «Krieg»
Am 26. Juni spricht Präsident Assad erstmals von Krieg im eigenen Land. Bislang hatte er den Volksaufstand als Rebellion von durch das Ausland bezahlter Kämpfer dargestellt. Sein neu ernanntes Kabinett wies er an, sich mit aller Kraft für die Niederschlagung des Aufstands einzusetzen.

Gleichentags wird von Oppositionellen von den bislang schwersten Kämpfen im Grossraum Damaskus berichtet, bei denen mehr als 100 Menschen getötet worden seien. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien in Stellung gegangen.

Uno-Bericht: Lage in Syrien verschärft sich massiv
Eine von der Uno beauftragte internationale Untersuchungskommission kommt am 27. Juni zum Schluss, dass Syrien ohne das entschlossene Einschreiten des Uno-Sicherheitsrates unaufhaltsam in einen Bürgerkrieg abrutscht. Die Kämpfe seien in den letzten Wochen «dramatisch eskaliert». Auch gebe es immer mehr Anzeichen dafür, dass «Opfer wegen ihrer Religionszugehörigkeit angegriffen wurden».

Wer konkret für die Massaker in der syrischen Region Hula mit mehr als 100 Toten verantwortlich ist, konnte die Kommission nicht ermitteln. Sie geht aber nach umfangreichen Ermittlungen davon aus, dass die Täter zum Regierungslager gehören. Die Uno geht inzwischen von mindestens 15'000 Todesopfer aus, die der Aufstand seit Beginn letzten Jahres gefordert hat.

Annans Pläne für eine Übergangsregierung
Am 28. Juni informiert Kofi Annan über einen Plan zur Installation einer Übergangsregierung in Syrien. Sie soll aus Vertretern aus Regierung und Opposition bestehen. Der Plan soll an einem Treffen in Genf am 2. Juli debattiert werden. Den Informationen zufolge stehen alle fünf Uno-Vetomächte - auch Russland - hinter dem Plan. Die syrische Opposition ihrerseits lässt verlauten, zuerst müsse Assad zurücktreten, erst dann könne eine Übergangsregierung allenfalls ein Thema sein.

Im Land gehen derweil die Kämpfe weiter, allein in den letzten 7 Tagen sollen 900 Menschen umgekommen sein. Nach Rebellen-Berichten haben sich die Kämpfe vor allem ins Umland von Damaskus verlagert. Die Türkei ihrerseits verschiebt nach dem Abschuss eines ihrer Flugzeuge durch die syrische Luftabwehr Panzer und eigene Flugabwehr an die syrische Grenze.

Magere Ergebnisse nach Treffen in Genf
In Genf findet am 30. Juni eine Syrien-Konferenz statt, an der neben den Uno-Vetomächten und Sondervermittler Kofi Annan auch die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sowie mehrere Staaten der Arabischen Liga teilnehmen. Das Ergebnis auch dieser Konferenz ist mager: Die Teilnehmer fordern die Bildung einer Übergangsregierung in Syrien, damit soll der Weg für freie Wahlen vorbereitet werden. Es bleibt aber völlig unklar, wer vom alten Regime an der Macht beteiligt bleiben soll.

Die Opposition in Syrien zeigt sich enttäuscht und kündigt eine weitere Intensivierung des bewaffneten Kampfes an. Laut einem führenden Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrats haben die Deserteure bereits 60 Prozent des Staatsgebiets unter ihre Kontolle gebracht. Tatsächlich gehen die Kämpfe weiter, täglich werden Dutzende Tote gemeldet.

Oppositions-Treffen in Kairo endet im Chaos
Am 2. Juli stellt sich die Arabische Liga vollends auf die Seite der syrischen Opposition. Bei einem Treffen mit 200 syrischen Oppositionellen in Kairo sagt Liga-Präsident al-Arabi, Schuld an dem blutigen Konflikt sei das Regime von Assad. Er fordert von der internationalen Gemeinschaft rasch einen Zeitplan für ein Ende der Gewalt und einen Machtwechsel.

Das Treffen zeigt aber auch auf, wie zerstritten die Opposition ist: Die Zusammenkunft endet in einem Chaos. Delegierte verprügeln einander und beschimpfen sich derart wüst, dass Frauen im Saal zu weinen beginnen. Auslöser der Unruhe ist die Entscheidung der syrischen Kurden, das Treffen zu verlassen. Vertreter der ethnischen Minderheit seien gegangen, weil die Konferenz ihren Status nicht habe anerkennen wollen, sagt ein Kurdenvertreter. Die Spaltung der Regierungsgegner gilt als einer der Gründe, warum sich Assad trotz des seit mehr als 16 Monaten andauernden Volksaufstands immer noch an der Macht halten kann.

Immer mehr hohe Militärs desertieren
Gleichentags setzen sich Dutzende syrische Soldaten in die Türkei ab, darunter auch ranghohe Offiziere mit ihren Familien. Insgesamt sind bislang mehr als 30'000 Syrer ins Nachbarland geflohen. Auch in den folgenden Tagen wird von ranghohen Überläufern berichtet, darunter soll auch General Manaf Tlass aus dem innersten Führungszirkel um Assad sein.

Einmal mehr wirft die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch dem syrischen Regime am 3. Juli systematische Folter vor. HRW listet 27 Gefängnisse des Geheimdienstes auf, in denen regelmässig auf grausamste Weise gefoltert wird.

Eine weitere Konferenz der Freunde Syriens am 6. Juli in Paris fordert erneut den Rückzug von Machthaber Assad. Während US-Aussenministerin Clinton verlangt, der Uno-Sicherheitsrat müsse dem Regime mit Gewalt drohen, weist Russland die Kritik an seiner Syrien-Politik einmal mehr zurück, auch China nennt die Kritik «völlig inakzeptabel». Die Fronten bleiben verhärtet, eine scharfe Uno-Resolution ist in weiter Ferne.

Kofi Annan gibt nicht auf
Trotzdem gibt Sondervermittler Annan nicht auf und reist ein weiteres Mal nach Damaskus, wo er am 9. Juli Assad trifft. Details werden keine bekannt, Annan aber teilt mit, er habe sich mit Assad auf ein Vorgehen zur Beendigung der Gewalt im Land verständigt. Annan reist danach nach Teheran und Bagdad weiter. Seiner Meinung nach muss Iran in eine Lösung miteinbezogen werden. Derweil fordert Russland die Weiterführung der Uno-Beobachtgermission.

Neues Massaker fordert über 150 Tote
Am 13. Juli wird ein neues Massaker bekannt: in der Ortschaft Tremseh (Provinz Hama) sollen mindestens 150 Menschen zu Tode gekommen sein. Offenbar wurde die Ortschaft zunächst mit Granaten und Bomben eingedeckt, beovor Assad-treue Milizionäre das Dorf stürmten und zahlreiche Menschen töteten. Laut den Aussagen von Aktivisten sollen die meisten Toten Rebellen gewesen seien.

Einmal mehr geben sich Regierung und Opposition gegenseitig die Schuld an der Bluttat. Uno-Sondervermittler Annan bestätigt die «Anwendung schwerer Waffen wie Artillerie, Panzer und Helikopter.» Darüber aber verfügen nur die Assad-Truppen. In offiziellen syrischen Medien wird berichtet, bei dem Angriff auf Rebellen in Tremseh seien 37 Widerstandskämpfer getötet worden.

Drei Tage später berichtet auch die Uno, der Angriff der Armee habe wohl Rebellenkämpfern gegolten. Uno-Beobachter konnten zuvor den Ort des Blutbades inspizieren.

Schwere Kämpfe auch in Damaskus
Die Kämpfe zwischen Rebellen der Freien Syrischen Armee und den Assad-Truppen verschieben sich Mitte Juli auch nach Damaskus. Am 16. Juli meldet die Opposition, in der Hauptstadt sei es in der Nacht zu so heftigen Kämpfen gekomen wie noch nie seit Beginn des Aufstands vor 17 Monaten. Die oppositionellen Kämpfer seien bis ins Stadtzentrum vorgedrungen, die Armee habe im Gegenzug schwere Waffen eingesetzt.

Die Aufständischen wittern nun Morgenluft: Einen Tag später verkünden sie eine landesweite Offensive gegen die Assad-Getreuen an. Jeder Armee- und Milizposten solle angegriffen werden, heisst es. Derweil gehen laut Berichten der Opposition die Kämpfe auch in Teilen von Damaskus weiter. Dabei setze die Armee auch Kampfhelikopter ein, heisst es.

Derweil gehen die internationalen Vermittlungsbemühungen weiter: Uno-Generalsekretär Ban reist nach Peking, Sondervermittler Annan nach Moskau. Sie wollen die chinesische und die russische Regierung mit ins Boot für eine Uno-Resolution holen.

Tödlicher Angriff auf den innersten Machtzirkel
Am 18. Juli reisst eine Bombenexplosion in Damaskus Verteidigungsminster Daud Radja, den für seine Brutalität berüchtigten Schwager von Präsident Bashar Assad, Asef Shawkat, sowie General Hassan Turkmani in den Tod. Shawkat war stellvertretender Kommandant der Streitkräfte. Zudem wird Innenminister Mohammed Ibrahim al-Shaar schwer verletzt.

Sowohl eine islamistische Gruppierung als auch die Freie Syrische Armee wollen den Anschlag verübt haben. Insgesamt sterben bei dem Anschlag fünf Menschen, mehrere weitere werden verletzt. In der Folge intensivieren sich die Kämpfe in Damaskus und im Land. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London meldet allein für den Tag des Anschlags mehr als 200 Todesopfer bei Kämpfen im ganzen Land.

Drittes Veto aus Russland und China
Die beiden Veto-Mächte Russland und China blockieren am 19. Juli zum dritten Mal eine Syrien-Resolution. Die beiden ständigen Mitglieder stoppen damit einen Vorstoss des Westens. Der Entwurf sah Sanktionen gegen das Assad-Regime vor, wenn das syrische Militär nicht den Einsatz schwerer Waffen beendet und aus den Städten abzieht.

Dramatische Zuspitzung in Syriens Metropolen
Nachdem schon seit Tagen schwere Kämpfe in Damaskus toben, nehmen die Auseinandersetzungen in der nordsyrischen Stadt Aleppo am 20. Juli an Intensität zu. In Aleppo hat sich der Widerstand gegen Präsident Assad erst in den vergangenen Monaten gebildet. Es war hier nach Beginn der Revolte im März 2011 lange Zeit ruhig geblieben. Nun sprechen Beobachter davon, dass in Damaskus und Aleppo die Entscheidungsschlachten zwischen dem Regime und der Opposition ausgetragen werden.

Syrer flüchten vor Gefechten
Die schweren Kämpfe schlagen immer mehr Menschen in die Flucht. Die Uno schätzt am 24. Juli, dass schon 115'000 Syrer ihr Land verlassen haben. 42'000 suchen Zuflucht in der Türkei, je zwischen 30'000 und 34'000 in Jordanien und in Libanon sowie 8000 im Irak. In den umliegenden Ländern werden Zeltstädte für weitere Flüchtlinge errichtet. Die EU bereitet sich ebenfalls auf eine Flüchtlingsansturm vor.

Uno schickt Syrien-Beobachter nach Hause
Angesichts der blutigen Kämpfe holen die Vereinten Nationen am 25. Juli 150 ihrer unbewaffneten Beobachter aus dem Land. Damit ist die Uno-Mission UNSMIS auf die Hälfte ihrer Leute reduziert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Einsatz im April ins Leben gerufen und erst eine Woche zuvor um vier Wochen verlängert. Wegen der gefährlichen Situation war die Arbeit der Beobachter aber schon vor einiger Zeit auf Eis gelegt worden.

Die Schlacht um Aleppo
Am 28. Juli beginnt die Armee-Offensive in Aleppo. Nachdem Beobachter in den vorangegangenen Tagen von einer Massierung der Kräfte beider Seiten berichtet haben, wird befürchtet, die Kämpfe in der Millionenstadt könnten in einem Blutbad enden. Die meisten der aufständischen Kämpfer stammen offenbar aus dem Umland Aleppos. Bei der Militäroffensive setzt die Armee auch Helikopter und Panzer ein. Tausende Bewohner flüchten oder verschanzen sich in den Kellern.

Während Tagen wird in den südlichen und östlichen Quartieren Aleppos gekämpft, aber die Armee Assads kann trotz Einsatzes von Helikoptern, Granatwerfern und offenbar auch Kampfflugzeugen vorerst keine Geländegewinne verbuchen. Auf Seiten der Aufständischen sollen Dutzende Jihadis aus Ländern wie Tschetschenien, Libyen, Marokko oder Katar kämpfen. Es wird von Hinrichtungen und Massakern auf beiden Seiten berichtet.

Helfer schätzen am 31. Juli, dass in Aleppo 200'000 Menschen vor den Kämpfen in den Quartieren geflüchtet sind. Viele von ihnen fliehen in christliche Quartiere, in denen es offenbar noch ruhig ist, oder in Parks, wo sie sich notdürftig einrichten. Aleppo hat rund drei Millionen Einwohner.

Uno-Sondervermittler Annan gibt auf
Am 2. August kündigt Kofi Annan seinen Rücktritt vom Amt des Syrien-Sondervermittlers per Ende Monat an. In seinem Rücktrittsschreiben wird klar, dass er über die Uneinigkeit der Internationalen Gemeinschaft und insbesondere der Veto-Mächte im Uno-Sicherheitsrat frustriert ist. Damit sind die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung der blutigen Krise in Syrien vorerst gescheitert.

Die Uno-Vollversammlung verurteilt Syrien am gleichen Tag und fordert indirekt den Rücktritt von Assad. Allerdings ist die Resolution nicht bindend, also wirkungslos. Während die Kämpfe in Aleppo und anderen Städten weitergehen, wird am 3. August bekannt, dass eine Regierungsdelegation aus Syrien in Moskau um konkrete Hilfe angefragt hat. Offenbar geht dem Regime Assad wegen den Sanktionen langsam das Kerosin aus.

48 Iraner von Rebellen entführt
Eine Gruppe von 48 Iranern wird am 4. August in der Nähe von Damaskus von einer Aufständischen-Gruppe entführt. Teheran spricht von einer 48-köpfigen Pilgergruppe, die gekidnappt worden sei. Laut den Rebellen, die dem Sender al-Arabia ein Video mit den Entführten zukommen lassen, handelt es sich bei den Männern aber zumindest teilweise um Angehörige der iranischen Revolutionsgarde. Tage später werden mehrere der Entführten durch Granatenbeschuss der Armee getötet. Offenbar wurde das Gebäude bombardiert, in dem die Iraner festgehalten werden.

Assads Premier setzt sich ins Ausland ab
Am 6. August flieht der syrische Ministerpräsident, Riad Hijab, nach Jordanien. Seine Familie kann den Schergen Assads ebenfalls entkommen. In einer Erklärung schliesst sich Hijab der Opposition an. Er habe sich losgesagt vom «mörderischen und terroristischen Regime», lässt er über seinen Sprecher verlauten. Dieser sagt auch, der Sunnit Hijab sei vor zwei Monaten dazu gezwungen worden, im Regime des Alawiten Assad den Posten des Ministerpräsidenten zu übernehmen.

Offensive um Aleppo offenbar begonnen
Nach tagelangem Beschuss mehrerer Quartiere in Aleppo beginnt die Armee am 8. August ihre Bodenoffensive in der Millionenstadt. Sie dringt zunächst mit Panzern in den Stadtteil Salaheddin ein, der bislang als Hochburg der Aufständischen galt. Angaben von Beobachtern zufolge sollen den bis zu 25'000 Soldaten rund 6000  bis 8000 Aufständische in der Stadt gegenüberstehen.

Am gleichen Tag veröffentlicht Amnesty International Satellitenbilder, die 600 Krater von grosskalibrigen Geschossen in Aleppo zeigen. Ziel der Menschenrechtsorganisation ist es, «die Verantwortlichen» dereinst zur Verantwortung zu ziehen. Durch den Beschuss aus Mörsern, Panzern, Helikoptern und Kampfflugzeugen starben Oppositionsangaben zufolge Dutzende Menschen. Tausende flüchteten aus ihren Häusern.

Rückzug aus dem Stadtteil Salaheddin
Am 9. August ziehen sich die Aufständischen aus dem umkämpften Stadtteil Salaheddin in Aleppo zurück. Die Regime-Truppen ihrerseits rücken in das weitgehend durch den Granatenbeschuss zerstörte Quartier vor. Die Kämpfe verlagern sich danach auch in andere Quartiere Aleppos, so wird am 12. August der Beschuss der nordöstlichen Stadtteile Hananu und Al-Shaar gemeldet. Auch aus Damaskus wird von neuen Kämpfen berichtet.

Derweil wird von Rebellenseite der Ruf nach Durchsetzung einer Flugverbotszone über den «befreiten» syrischen Gebieten durch westliche Luftwaffen immer lauter. Offenbar ziehen eine solche auch die USA als Möglichkeit des weiteren Vorgehens in Betracht.

Ex-Premier Hijab meldet sich zu Wort
Während die Kämpfe in Aleppo, Homs, Damaskus und anderen Städten und Provinzen unvermindert weitergehen und täglich von Dutzenden Todesopfern berichtet wird, verständigen sich die Aussenminster aus mehreren westlichen Ländern wie den USA, Frankreichs und der Türkei, ihre Unterstützung für die Opposition besser abzustimmen.

Am 14. August meldet sich der nach Jordanien geflohene Ex-Premierminister Hijab erstmals nach seiner Flucht zu Wort. Laut seinen Aussagen steht das Regime Assad vor dem Zusammenbruch. Es kontrolliere nur noch 30 Prozent des Staatsgebiets. Derweil treibt der Bürgerkrieg in Syrien immer mehr Menschen in die Flucht: Laut der Uno sind 1 Million Syrer Vertriebene im eigenen Land, mehr als 140'000 flohen ausser Landes. Laut Uno-Nothilfekoordinatorin sind inzwischen 2,5 Millionen Menschen in Syrien auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Ein Bericht zu Handen des Uno-Menschenrechtsrats bestätigt am 15. August die schon lange kolportierten Berichte aus Syrien: Regimetruppen und mit ihnen verbündete Shabbiha-Milizen begehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und zwar systematisch und auf Anordnung von «höchster Stelle» in Armee und Staat. Auch auf Seiten der Aufständischen würden Verbrechen wie willkürliche Tötungen und Folter begangen, wenn auch «weniger anhaltend und umfangreich» wie von Seiten der Regierungskräfte, steht in dem Bericht. Grundlage der Untersuchung bilden Gespräche mit 1000 Augenzeugen und Betroffenen der Gewalt.

Gleichentags suspendiert der Zusammenschluss der islamischen Länder (OIC) Syriens Mitgliedschaft in der Organisation. Dem Beschluss gingen offenbar hitzige Debatten hinter verschlossenen Türen voraus, der Entscheid fiel aber mit grossem Mehr.

Dutzende Tote nach Bombenabwurf
Am 16. August bestätigt Human Rights Watch Angaben der Opposition, dass in der nordsyrischen Stadt Asas bei einem Bombenangriff am Vortag mindestens 40 Zivilisten getötet werden. Ein ganzer Häuserblock ist durch mindestens zwei Bomben in Trümmer gelegt worden, so die Menschenrechtsorganisation. Der Häuserblock liegt offenbar in der Nähe des Hauptquartiers der Freien Syrischen Armee. Die Rebellen kontrollieren die Stadt an der Grenze zur Türkei seit mehreren Wochen.

UNSMIS geht zu Ende
Ebenfalls am 16. August ordnet der Uno-Sicherheitsrat das Ende der Beobachtermission in Syrien an. Es sei angesichts der andauernden Gewalt unmöglich den Auftrag auszuführen. Am darauffolgenden Wochenende brechen die Mitarbeiter der UNSMIS-Mission ihre Zelte in Syrien ab.

Annan-Nachfolge geregelt
Am 17. August wird Lakhdar Brahimi offiziell zum Nachfolger von Kofi Annans als neuer Uno-Sondervermittler für Syrien benannt. Der frühere algerische Aussenminister ist als erfahrener Krisenmanager bekannt. Trotzdem ist fraglich, ob dem 78-Jährigen gelingt, woran sein Vorgänger scheiterte.

Er selbst hält einen Kompromiss für möglich: «Ich bin optimistisch, dass es eine Lösung in Syrien geben kann. Aber ich bin nicht optimistisch, dass es eine einfache Lösung sein kann», sagte er schon im Juni. «Der Weg wird lang und teuer sein.»

Konflikt weitet sich auf Nachbarstaaten aus
An den Grenzen zur Türkei und zum Libanon dröhnen schon seit Wochen syrische Fliegerbomben und Artilleriegeschütze. Am 23. August kommt es offenbar auch zu einem Zwischenfall an der Grenze zum Irak. Ein Flugzeug der syrischen Luftwaffe sei in den irakischen Luftraum eingedrungen, um dort Aufständische zu beschiessen.

Am 19. August schlagen in Jordanien nahe der Grenze vier Granaten der syrischen Armee ein. Ein fünf Jahre altes Mädchen wird dabei verletzt.

In Libanon heizt der Syrienkonflikt den seit Jahren schwelenden Unmut zwischen Sunniten und Alawiten an. In der Stadt Tripoli liefern sich verfeindete Gruppen im August tagelange Kämpfe. Auch das libanesische Militär kann die Auseinandersetzungen nicht beenden.

Internationale Fronten verhärten sich weiter
US-Präsident Barack Obama droht am 20. August offen wie nie zuvor mit einer Militäraktion, falls chemische oder biologische Waffen zur Gefahr für Verbündete wie Israel werden.

Syrien und seine Verbündeten ihrerseits warnen daraufhin den Westen erneut eindringlich vor einem Militäreinsatz. Der russische Aussenminister Lawrow betont, das Völkerrecht dürfe unter keinen Umständen verletzt werden. Darin bestehe auch Einigkeit mit China.

Flüchtlingsstrom wächst rasant
Das UNHCR spricht am 24. August von mehr als 230'000 Menschen, die Schutz in der Türkei, in Libanon, dem Irak und Jordanien suchen. Das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung Syriens. Allein im August seien über 100'000 Menschen aus dem Bürgerkriegsland geflohen.

Brahimi verbreitet keine Hoffnung
Der neue internationale Syrien-Gesandte, Lakhdar Brahimi, hat kurz nach seinem Amtsantritt die Erwartungen gebremst. Er hält seine Aufgabe für unlösbar. Das Land erlebt denn auch weitere blutige Explosionen. In der Hauptstadt Damaskus sterben bei Bombenanschlägen über ein Dutzend Menschen am Wochenende vom 1. September.

Bäckereien unter Beschuss
Nach Angaben von Aufständischen zerstört die Armee in der zentralen Rebellenhochburg Kusseir Anfang September die letzte Bäckerei, die noch Brot verkauft. Die Truppen von Präsident Assad nehmen die Stadt in der Provinz Homs offenbar unter heftigen Beschuss.

In der Stadt war zuvor bereits eine der drei dortigen Bäckereien zerstört worden. Eine weitere wird von der Armee besetzt gehalten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft den Regierungstruppen vor, gezielt Bäckereien anzugreifen, um den Rebellen die Ernährungsgrundlage zu entziehen.

Option militärischer Eingriff
Russland und China haben bislang drei Syrienresolutionen gegen die Mehrheit des Sicherheitsrates blockiert. Wegen der Blockade wird es jetzt wahrscheinlicher, dass einzelne Länder - etwa nach dem Vorbild der Aktion im Kosovo 1999 - am Ende auch ohne Uno-Billigung militärisch eingreifen. Laut dem französischen Aussenminister Laurent Fabius und seinem britischen Amtskollegen William Hague liegt inzwischen auch diese Option auf dem Tisch.

IKRK-Chef bei Assad
IKRK-Präsident Peter Maurer wird am 4. September in Damaskus vom syrischen Machthaber Bashar al-Assad empfangen. In dem Gespräch unterstreicht Maurer den Wunsch seiner Organisation, ungehinderten Zugang zu notleidenden Menschen und zu Häftlingen in den Gefängnissen zu erhalten.

Assad erklärt nach Darstellung des staatlichen syrischen Fernsehens, dass seine Regierung die Arbeit des Roten Kreuzes unterstützen werde, so lange dieses «unparteiisch und unabhängig» bleibe.

Fragliche Rolle Irans im Syrienkonflikt
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi fordert am 5. September Bashar al-Assad offen zum Rücktritt auf. «Es ist Zeit für einen Wechsel, denn Sie werden ohnehin nicht länger an der Macht bleiben», sagt Mursi auf einem Treffen der Arabischen Liga in Kairo. Er kündigt ausserdem die Bildung eines Quartetts aus Saudi-Arabien, der Türkei, Ägypten und Iran an, um über die Krise in Syrien zu beraten.

Allerdings ist fraglich, wie die ungleichen Partner zur Lösung des Konflikts beitragen sollen. Iran wird weiter verdächtigt, das Assad-Regime aktiv zu unterstützen.

Die «New York Times» schreibt davon, dass Teheran die Assad-Truppen mit Militärgütern versorgen. Trotz Protesten der USA in Bagdad werde diese Versorgung über den irakischen Luftraum abgewickelt. Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte US-Regierungsbeamte.

Am 17. September spricht ein Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Jafari, bei einer seltenen Medienkonferenz davon, dass Mitglieder der Eliteeinheit Kuds-Brigaden in Syrien und in Libanon als Berater tätig seien. Es ist das erste Mal, dass ein Vertreter der Iraner öffentlich die Anwesenheit von Kuds-Kämpfern in den beiden Ländern bestätigt. Kurz darauf bezeichnet die politische Führung in Teheran die Äusserungen als falsch.

Ban Ki Moon findet starke Worte
Am 6. September kritisiert Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den Sicherheitsrat wegen Untätigkeit im Syrien-Konflikt. Die Lähmung des Sicherheitsrates schade nicht nur dem syrischen Volk sondern auch der Reputation des Gremiums selbst. Zugleich schwäche sie das Konzept zum Schutz von Zivilisten in Konfliktgebieten, sagt Ban.

Wenige Tage später fordert er, dass die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien juristisch verfolgt werden.

Grausamkeiten von Videos dokumentiert
Um den 11. September herum nimmt die Grausamkeit an den verschiedenen Fronten offenbar weiter zu. In Oppositionskreisen sorgt ein Video für Diskussionsstoff, in dem getötete Soldaten zu sehen sind. Das Video, das von der in London ansässigen Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter veröffentlicht wurde, soll in der Provinz Aleppo aufgenommen worden sein.

Es zeigt mehrere bewaffnete Männer, die einer Brigade der Revolutionstruppen angehören sollen. Vor ihnen liegen an einer Bordsteinkante etwa 20 Leichen von Männern, die offensichtlich aus nächster Nähe erschossen wurden. Ihre Hände sind gefesselt.

Brahimi erstmals in Syrien
Am 13. September bricht Der neue Uno-Sondervermittler Lakhdar Brahimi zu seiner ersten Syrien-Reise seit Übernahme des Amtes an. Er spricht mit Präsident Assad, aber auch mit den Oppositionellen

Brahimi bezeichnet die Krise in Syrien als «sehr ernst und gefährlich». Die Lage habe sich «verschärft und bedroht das syrische Volk, die Region und die Welt», resümiert er. Tatsächlich sterben jeden Tag Dutzende Menschen im Bürgerkrieg in Syrien.

Diverse Medien berichten Mitte September, dass die syrische Armee Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet haben soll. Zu den Tests sollen iranische Offiziere per Helikopter eingeflogen worden sein, schreibt etwa «der Spiegel».

Immer mehr ausländische Jiahdisten
Die Uno beklagt am 17. September in einem neuen Bericht, in Syrien würden immer mehr militante Islamisten aus dem Ausland mitkämpfen. Diese trügen zu einer weiteren Radikalisierung des Konflikts bei. Zugleich prangert die Uno-Menschenrechtsbeauftragte Pillay die weiter zunehmende Brutalisierung der Kämpfe auf beiden Seiten an.

Drei Tage später berichtet die Opposition von einem Luftangriff auf eine Tankstelle im Norden Syriens. Dabei sollen mehr als 50 Menschen umgekommen und Dutzende verletzt worden sein. In dem Gebiet hatten die Rebellen laut eigenen Angaben ihre Position in den vergangenen Tagen gestärkt.

Angeblich 30'000 Tote im syrischen Bürgerkrieg
Nach Angaben der Opposition sollen seit Beginn des Aufstandes im Februar 2011 beinahe 30'000 Syrer getötet worden sein. Die Zählung der Toten beruhe auf Aussagen von Zeugen und medizinischem Personal, so die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle. Aufgenommen worden seien nur Opfer, die mittels ihres Namens oder auf Grundlage von Videoaufnahmen hätten bestätigt werden können.

Am 22. September gibt die Freie Syrische Armee bekannt, dass sie ihr Kommando aus der Türkei nach Syrien verlegt habe. Die Türkei ihrerseits verlegt schwere Waffen an die Grenze zu Syrien, nachdem bei einem neuen Grenzzwischenfall erneut mehrere Personen in der Türkei durch Geschosse aus Syrien verletzt wurden.

Brahimi: «Bedrohung für den Frieden der Welt»
Zwei Tage später berichtet der Syrien-Sondergesandte Brahimi dem Uno-Sicherheitsrat,. Er spricht von einer deprimierenden Situation und sie werde immer schlechter. «Es sieht sehr, sehr düster aus. Die Krise ist eine Bedrohung für die gesamte Region und auch für den Frieden der Welt», so der Algerier.

Die Syrien-Krise beherrscht am 25. September auch den Auftakt der diesjährigen Uno-Vollversammlung. Obama, Hollande oder Ban prangern das brutale Vorgehen des Regimes Assad gegen das syrische Volk an. Am 27. September berichtet die Opposition, allein am Vortag seien im Land mehr als 370 Menschen bei Angriffen und Kämpfen getötet worden. Wenn die Zahl stimmt, wurden seit Ausbruch des Aufstands an einem einzigen Tag noch nie so viele Menschen getötet.

Das UNHCR seinerseits berüchtet, dass sich die Zahl der aus Syrien geflüchteten Menschen bis Ende Jahr auf bis zu 700'000 verdoppeln könnte.

Historischer Basar in Brand
Bei Kämpfen rund um Aleppo am 30. September ist der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende überdachte Basar in Brand geraten. Der historische Basar galt als einer der besten erhaltenden in der gesamten Region.

Seit Beginn einer Rebellenoffensive im August kontrolliert jede der Konfliktparteien etwa eine Hälfte der strategisch wichtigen Handelsmetropole Aleppo. Wiederholte Versuche beider Seiten, auch die andere Hälfte einzunehmen, sind bisher gescheitert.

Die Türkei schiesst zurück
Am 3. Oktober verüben Islamisten mehrere Bombenanschläge auf Gebäude von Sicherheitskräften im umkämpften Aleppo. Mindestens 50 Menschen sterben, Dutzende weitere werden verletzt. Zu der Autobomben-Serie bekennt sich die radikalislamistische al-Nusra-Front. Sie steht der al-Qaida nahe. Beobachter sehen darin einen weiteren Beweis, dass immer mehr ausländische Jihadisten in Syrien mitkämpfen.

Am gleichen Tag sterben in der Türkei an der Grenze zu Syrien eine Mutter und ihre vier Kinder durch eine syrische Granate. Rund ein Dutzend weitere Türken wird verletzt. Die türkische Armee schiesst zurück, offenbar wurde der Angriff von einem syrischen Armeestützpunkt aus abgefeuert.

Die Nato tritt eiligst zusammen und verurteilt den syrischen Beschuss. Am 4. Oktober verabschiedet das türkische Parlament ein Gesetz, das Armeeeinsätze im Ausland zulässt. Auch der Uno-Sicherheitsrat verurteilt den Beschuss der türkischen Grenzstadt Akcakale durch die syrische Armee. Auch in den folgenden Tagen kommt es mehrmals zu Granaten-Einschlägen in der Türkei, diese schiesst zurück.

Immer mehr Bombenattentate von Extremisten
Immer öfter explodieren in Syrien nun Autobomben, welche Ziele des Assad-Regimes anvisieren. Meist bekennt sich die al-Nusra-Front zu den blutigen Attentaten. Die Gruppe gilt als islamistisch bis salafistisch und kämpft für einen Gottesstaat.

Auch 9. Oktober detonieren vor einem Geheimdienstgebäude der Luftwaffe in Damaskus zwei Autobomben, die von Selbstmordattentätern ausgelöst werden. Laut der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sterben dabei Dutzende Menschen. Die Art der Anschläge erinnert an den Irak.

Ankara holt syrische Maschine auf den Boden
Einen Tag darauf zwingt die türkische Luftwaffe ein syrisches Verkehrsflugzeug zur Landung. Die Maschine kommt aus Moskau und hat laut türkischen Angaben Munition für das syrische Regime an Bord. Moskau dementiert dies, die Türkei beschlagnahmt die Fracht. In der Folge rüstet die Türkei an der Grenze zu Syrien weiter auf und bringt weitere Kampfjets sowie Panzer in Stellung.

Derweil gehen die Kämpfe zwischen Rebellen und Assad-Truppen in Syrien weiter, jeden Tag wird von Dutzenden Getöteten berichtet. Am 14. Oktober wirft Human Rights Watch Assad vor, bei den Gefechten auch Streubomben einzusetzen. Derweil beklagt die Uno, zu wenig Spenden für die Versorgung der Hunderttausenden syrischen Flüchtlingen erhalten zu haben. Am 16. Oktober gibt die Uno bekannt, dass sie nun ebenfalls von mindestens 30'000 Toten im Zuge des syrischen Bürgerkriegs ausgeht.

Autobombe in Beirut – im Auftrag Assads?
Am 19. Oktober detoniert im Zentrum von Beirut eine Autobombe. Sie tötet den Syrien-kritischen libanesischen Geheimdienstmann General Wissam al-Hassan sowie weitere sieben Menschen. Dutzende werden verletzt. Im Verdacht für das Attentat gerät rasch das syrische Regime von Assad. In der Folge kommt es in mehreren libanesischen Städten zu Schiessereien zwischen Gegnern und Unterstützern Assads. Die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg im Nachbarland Syriens wächst.

Am 23. Oktober nennt das UNHCR neue Flüchtlingszahlen: Insgsamt sollen im Zuge des Bürgerkriegs 358'000 Syrerinnen und Syrer das Land verlassen haben. Mehr als 100'000 von ihnen flohen nach Libanon. Die Uno geht davon aus, dass sich die Zahl der Vertriebenen bis Ende Jahr verdoppeln könnte. Aus Moskau wird derweil gemeldet, die Aufständischen in Syrien verfügten nun über Flugabwehr-Raketen, darunter auch Stinger aus US-Produktion. Unklar bliebt, wie die Waffen in die Hände der Rebellen gelangten.

Feuerpause ohne jede Wirkung
Nach tagelangem Hin und Her stimmen sowohl Regierung wie auch Rebellen einer Waffenruhe während des viertägigen islamischen Opferfestes Ende Oktober zu. Doch die von Vermittler Brahimi eingefädelte Feuerpause wird nicht eingehalten, das Töten und Sterben geht auf beiden Seiten weiter.

Allein in den vier Tagen des Opferfestes sollen mehr als 500 Menschen getötet worden sein. So wird von schweren Luftangriffen und Artilleriebeschüssen durch die Armee berichtet. Auch wurden mehrere Autobomben gezündet. Auch in den folgenden Tagen gehen die schweren Kämpfe im Land unvermindert weiter.

Opposition sucht Einigung in Katar
Ab dem 4. November treffen sich hunderte syrische Oppositionelle in Katar, um gemeinsame Positionen, auch für die Zeit nach Assad, zu finden. Zugleich gehen die heftigen Kämpfe in Syrien weiter, auch werden jetzt fast täglich Autobomben zur Explosion gebracht. Hinter den Anschlägen wird meist die islamistische, al-Qaida-nahe Nusra-Front vermutet. Die Rebellen melden vermehrt Luftangriffe durch syrische Kampfflugzeuge.

Nach sechs Tagen Beratungen einigt sich die zersplitterte Oppostion in Katar doch noch: Die neue Allianz heisst «Nationale Koalition der Kräfte der syrischen Revolution und Opposition». Die Plattform soll künftig die gesamte syrische Opposition vertreten und nach einem Sturz von Präsident Assad eine Übergangsregierung bilden.

Prediger wird Vorsitzender der Oppositions-Allianz
Der Zusammenschluss kommt allerdings nur auf Drängen von Staaten aus der Gruppe der Freunde Syriens - vor allem Katar und den USA - zustande. Widerstand leistete offenbar vor allem der bisher als Vertreter der syrischen Revolution geltende Syrische Nationalrat, der vorwiegend aus Exil-Syrern besteht. Vorsitzender der neuen Allianz wird der als gemässigt geltende islamische Prediger Ahmed Muas Al-Chatib.

Am 11. November feuert die israelische Armee mehrere Warnschüsse auf Syrien ab, nachdem syrische Granaten die von Israel besetzten Golanhöhen getroffen haben. Zugleich reicht Israel eine Beschwerde bei den auf den Hügelzügen zwischen Israel und Syrien stationierten Uno-Truppen ein. Darin hiess es, die Schüsse aus Syrien würden nicht toleriert «und mit aller Härte beantwortet».

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