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Porträt: Wer ist Mohammed Tantawi?

Die Karriere des langjährigen Verteidigungsministers und seit der Revolution starken Mannes in Ägypten, Mohammed Hussein Tantawi, ist aufs Engste an Hosni Mubarak geknüpft. Tantawi ist Leiter des regierenden Militärrats und führt das Land bis zur Machtübergabe an den neuen Präsidenten - und wohl auch darüber hinaus.

Protegiert vom früheren Staatspräsidenten Mubarak stieg der Infanterist Tantawi zum einflussreichsten Militär seines Landes auf. Mubaraks Vertrauter war in den vergangenen 20 Jahren Verteidigungsminister und Oberkommandierender der Streitkräfte.

USA: Tantawi ist «reformresistent»

Nach offiziellen Angaben ist der asketisch wirkende Tantawi 76 Jahre alt. In von Wikileaks veröffentlichten US-Depeschen wird sein Alter aber auch mit 82 Jahren angeben. Die US-Diplomaten charakterisieren darin Tantawi als «reform-resistent, charmant und vornehm».

«Mubaraks Pudel»
Ebenso wie Mubarak halte er am Status quo fest. «Sie haben einfach nicht die Energie, die Neigung oder die Weltsicht, um irgendetwas zu ändern», hiess es in einem Bericht, der noch vor der Revolution Anfang 2011 verfasst worden war. In den Reihen der Armee wurde Tantawi wegen seiner Treue zum Präsidenten laut Medienberichten auch «Mubaraks Pudel» genannt.

Mit Armeekappe auf dem Tahrir-Platz
Die Weltöffentlichkeit nahm von Tantawi Kenntnis, als er am 4. Februar 2011 auf dem Kairoer Tahrir-Platz mit Armeekappe vor die Demonstranten trat. Der Minister gab sich volksnah und sprach in Dialekt zu den Regimegegnern. Mit eindringlichen Worten wies der General damals die Rücktrittsforderungen an die Adresse Mubaraks noch zurück und warb für einen sanften Machtwechsel mit einer Wahl im September.

Nach Mubaraks Rücktritt am 11. Februar 2011 übernahm Tantawi als Leiter des Obersten Militärrats die Führung des Staates Ägypten bis zur Neuwahl eines Staatspräsidenten.

Enger Kontakt mit den USA
Beim Machtwechsel stand Tantawi in engem Kontakt zu den Verbündeten USA, welche dem Militär in Ägytpen in den vergangenen Jahren jeweils mit 1,3 Milliarden Dollar unter die Arme griff. Pentagonchef Robert Gates hatte nach eigener Aussage zuletzt mehrfach mit seinem Amtskollegen in Kairo telefoniert.

Als Soldat war Tantawi an allen wichtigen Kriegen seines Landes in den vergangenen Jahrzehnten beteiligt. Er kämpfte 1956 im Suez-Krieg gegen die Briten und deren Verbündete, 1967 im Sechs-Tage-Krieg sowie 1973 im Jom-Kippur-Krieg gegen Israel.

Einziger Feldmarschall Ägyptens
Unter seiner Führung als Verteidigungsminister zog Ägypten 1991 an der Seite der USA in den zweiten Golfkrieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein.   

Mubarak hatte schon immer deutlich gemacht, wie aussergewöhnlich gross sein Vertrauen in den General war. Als erster Ägypter überhaupt durfte sich Tantawi mit dem Titel des Feldmarschalls schmücken.

Kaum zu Veränderungen fähig
In den fast anderthalb Jahren seines Wirkens an der ägyptishen Staatsspitze wurde Tantawi den Hoffnungen des Volkes nach dem Rücktritt Mubaraks kaum gerecht. So fanden die Parlamentswahlen erst Ende 2011 und nicht wie zunächst versprochen schon im Sommer statt.

Ausserdem gibt es Anzeichen, dass die Militärs einen schönen Teil ihrer Macht und Privilegien weiterhin behalten werden: Im Juni 2012 erklärte ein Gericht in Kairo die Parlamentswahlen für ungültig, daraufhin übertrug der Militärrat diverse Befugnisse, die bislang beim Präsidenten lagen, auf sich selber. Beobachter sprachen von einem schleichenden Putsch, den der Militärrat unter Tantawi gegen die Revolution being.

Militärs behalten alle sie betreffende Macht in ihren Händen
Laut den neuen Verfassungszusätzen ist der Präsident nicht mehr, wie zuvor vorgesehen, der Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte. Den Krieg erklären oder die Streitkräfte im Landesinneren einsetzen kann er nur mit vorheriger Zustimmung des Militärrates. Dem Präsidenten wurde ausserdem die Kompetenz entzogen, Ernennungen und Beförderungen im Militär vorzunehmen. Auch auf den Umgang mit den Finanzen in den Streitkräften hat er keinen Einfluss. Die Generäle regeln all dies künftig unter sich.

Zwar kann der Präsident den Ministerpräsidenten und die Minister ernennen. Ausgenommen davon ist das Verteidigungsressort -  es wird vom Vorsitzenden des Militärrates, Feldmarschall Tantawi, geleitet. (pet, dpa/sda/afp)

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