Jemen: Land voller Konflikte
Vor der Vereinigung von Nord- und Südjemen hatten sich die beiden Regionen politisch und wirtschaftlich sehr unterschiedlich entwickelt. Die heutige Lage des Landes wird noch immer durch die geteilten historischen Erfahrungen geprägt.
Der Süden: Aufgeschlossen
Die Demokratische Volksrepublik Jemen im Süden war eine britische Kolonie und wurde erst 1967 unabhängig. Bis zum Abzug der Briten war die Küstenstadt Aden bedeutungsvoll. Nach dem Abzug wurde der Süden ein Verbündeter der kommunistischen Staaten, von denen es umfassende politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung erhielt.
Der Norden: Konservativ
Die jemenitische Arabische Republik im Norden hat den Weg aus fast tausendjähriger Herrschaft der Imame in die Neuzeit erst zu Beginn der 1970er Jahre beschritten. Der konservativ-religiöse Norden stand unter dem Einfluss Saudi-Arabiens und verfolgte eine marktwirtschaftlich orientierte Entwicklung.
Im Laufe der 1970er und 1980er Jahre kam es immer wieder zu Grenzzwischenfällen zwischen dem Norden und dem Süden. Daneben fanden auch Verhandlungen statt, die die Union der beiden Staaten zum Ziel hatten. Erst nach dem Zusammenbruch des Ostblocks schlossen sich die beiden Staaten 1990 zur Republik Jemen zusammen.
Allerdings ist diese Einheit seither nicht nur brüchig, sondern auch immer wieder grossen Belastungen ausgesetzt. 1994 eskalierte der Konflikt zum Bürgerkrieg der rund 7000 Todesopfer forderte. Der Süden spaltete sich kurzzeitig sogar ab.
Konflikt zwischen Nord und Süd besteht weiter
Trotz verstärkter Anstrengungen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Südens bestehen die Unterschiede zwischen dem ehemaligen Nord- und Südjemen nach wie vor. Diese belasten das politische und gesellschaftliche Klima des Landes. Immer wieder kommt es zu teils auch gewalttätigen Demonstrationen in Aden und anderen Städten des Südens, der sich vom dominierenden Norden weiterhin benachteiligt fühlt.
Der konservative Norden mit dem Machtzentrum Sanaa dominiere den moderneren Süden, beklagen auch Intelektuelle. Hinzu kommt, dass die Zentralregierung in Sanaa den Süden auch wirtschaftlich vernachlässigt. Es entstehen kaum Arbeitsplätze und die Arbeitslosigkeit liegt bei über 35 Prozent.
Zehntausende von Flüchtlingen im Land
Ein weiteres Problem im Süden sind die Hunderttausenden Flüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Eritrea. Rund 80'000 haben sich allein 2009 übers Meer nach Jemen abgesetzt. Flüchtlinge aus Somalia erhalten zumeist den Flüchtlingsstatus und sind in Lagern in verschiedenen Regionen des Landes untergebracht.
Krieg im Norden
Zu einem ernsthaften Problem ist der Konflikt in der Provinz Saada im Nordwesten des Landes geworden. Religiös orientierte schiitische Kräfte unter Führung des al-Houthi-Clans kämpfen seit einigen Jahren gegen die Regierung in Sanaa.
Der Aufstand begann im Sommer 2004 und vollzog sich in mehreren Phasen bewaffneter Kampfhandlungen mit zahlreichen Opfern auf Seiten der Aufständischen und der Zivilbevölkerung. Zehntausende Menschen wurden bislang durch diesen Krieg vertrieben.
Motive unklar
Die Motive für den Konflikt sind diffus. Es wird vermutet, dass auch Iran die Finger im Spiel hat. Und Saudi-Arabien, das sich durch Übergriffe der Houthi-Rebellen auf saudisches Territorium bedroht fühlt, führte bereits mehrere Militärschläge gegen die Rebellen durch und unterstützt die jemenitische Regierung bei deren Bekämpfung.
Die Weltöffentlichkeit nimmt von diesem Krieg kaum Kenntnis. Das liegt daran, dass es ein Krieg ohne Bilder ist, denn die jemenitische Regierung verbietet Journalisten den Zugang zu den umkämpften Nordprovinzen. (luek/gstf)
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