Kaum jemand will Gaskraftwerke
Das ehemalige Öl-Kraftwerk von Chavalon (VS) wird als mögliches zukunftiges Gaskraftwerk gehandelt. (Keystone Archiv)
Von Inlandredaktor Rafael von Matt
Bis ins Jahr 2035 sollen alle fünf Schweizer Atomkraftwerke abgeschaltet werden - so haben es Bundesrat und Parlament beschlossen. Den dann fehlenden Atomstrom ersetzen sollen einerseits erneuerbare Energien wie Wind und Sonne und andererseits Gaskombikraftwerke.
Niemand will Gaskombikraftwerke
Laut dem neusten Bericht aus dem Departement für Umwelt, Verkehr und Energie (Uvek) sollen bis zu sechs solcher Gaskombirafwerke nötig sein. Doch der Bundesrat scheint mit seiner Strategie in eine Richtung zu gehen, in die ihm niemand folgen will. So sind aus der nationalrätlichen Energiekommission (Urek) kritische Töne zu den Vorschlägen zu hören.
«Persönlich glaube ich, es ist eine falsche Schwerpunktsetzung», sagt etwa Urek-Präsident Eric Nussbaumer (SP) gegenüber Schweizer Radio DRS. Mit Energieeffizienz und dezentralen Produktionslagen könnten viel intelligentere und zukunftsfähigere Lösungen gestaltet werden, so Nussbaumer weiter.
Hoher CO2-Ausstoss und Auslandsabhängigkeit
Zukunftsfähig, das heisst auch klimaneutral. Gaskombikraftwerke stossen aber viel CO2 aus. Das ist auch für die politische Gegenseite ein Argument, das gegen Gaskraftwerke spricht. Ausserdem kritisiert SVP-Nationalrat Hans Killer, Vize-Präsident der Urek, dass mit dem Gas-Import die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten steigt.
Klars ist, dass die Schweiz mit dem Bau neuer Gaskraftwerke klare Rückschritte in der Klimapolitik machen würde. Patrick Hofstetter vom WWF spricht von einer «klimapolitischen Katastrophe». Für ihn kommt der Bau von Gaskombikraftwerken aber auch nicht in Frage, weil er «weder ökonomisch nötig noch für die Versorgung relevant ist».
Subventionen erhöhen oder vermindern?
Nicht nur die schlechte Kohlendioxid-Bilanz fällt negativ ins Gewicht. Bei den heutigen Strompreisen sind Gaskombikraftwerke schlicht nicht rentabel. Nur wenn der Bund Wind- und Sonnenenergie weniger fördern würde, würde sich der Bau von Gaskraftwerken lohnen, sagt Kurt Rohrbach, Chef der Bernischen Kraftwerke. Er plädiert dafür, die Subventionen in die neuen erneuerbaren Energien langsam zurückzufahren. Dies werde zu einer Korrektur der Preise führen.
Laut den Uvek-Plänen soll aber genau das Gegenteil passieren: Doris Leuthard will mehr Subventionen für erneuerbare Energien sprechen. Am Mittwoch will der Bundesrat diese Pläne diskutieren. Doch schon jetzt ist klar, dass Gaskombikraftwerke in der Schweiz wenig Rückhalt geniessen. (pet;bat)
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