(Keystone)
Energiestrategie 2050: Umsetzung des Ausstiegs
Durch die Energiestrategie 2050 dürften die Haushalte 20 bis 30 Prozent mehr für Energie bezahlen. Das schätzt der Bundesrat. Bis 2050 müssten rund 30 Milliarden Franken in den Bau neuer Anlagen investiert werden, sagte Energieministerin Doris Leuthard.
Der Bundesrat legte fest, den durchschnittlichen Energieverbrauch pro Person und Jahr bis 2035 um 35 Prozent zu reduzieren. Als Basis dient der Verbrauch des Jahres 2000. Ab 2020 soll der Stromverbrauch dann stabilisiert werden.
Vorschriften bei Gebäuden
Was die Gebäude betrifft, sollen die Bundesgelder an die Förderprogramme ab 2015 auf 600 Millionen Franken im Jahr aufgestockt werden. Neu sollen beispielsweise auch für energieeffiziente Ersatzbauten statt nur für Sanierungen Gelder fliessen. Dafür gelten strengere Vorschriften beim Bau von neuen Gebäuden. Um private Immobilienbesitzer zu mehr Gesamtsanierungen zu überzeugen, will der Bundesrat die Steuerabzüge verbessern.
Energieverbrauch drosseln
Grossverbraucher aus den Bereichen Industrie und Dienstleistungen sollen mit verbindlichen Stromeffizienz- und CO2-Zielen an der Leine gehalten werden. Im Gegenzug müssen sie aber weder eine CO2-Abgabe noch einen Netzzuschlag bezahlen. Zudem will der Bundesrat die Grossverbraucher mit Millionenbeträgen zum Energiesparen ködern.
Hohe Einsparpotenziale bietet der Verkehr und diese will der Bundesrat vor allem durch Anreize ausschöpfen. Um ein Abwürgen der Wirtschaft zu verhindern, soll der Verkehr aber nicht per verpflichtende Massnahmen reduzier werden.
Mit sogenannten Weissen Zertifikaten will der Bundesrat Stromkonzerne zur Energieeffizienz animieren. Steigert ein Versorger die Effizienz nachweislich, erhält er ein Weisses Zertifikat, das er einem anderen Stromkonzern verkaufen kann.
Erneuerbare Energien fördern
Auch die neuen erneuerbaren Energien wie Sonnenkraft, Wind und Bioenergie sollen ausgebaut werden. Gegenüber heute soll die Stromproduktion aus diesen Quellen bis 2050 auf einen Drittel der Gesamtproduktion erhöht werden. Heute machen diese Energien in der Schweiz nur gerade zwei Prozent aus.
Dafür soll die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von heute 0,35 Rappen pro Kilowattstunde auf höchstens 1,4 Rappen im Jahr 2040 erhöht werden.
Woher die fehlende Energie holen?
Um vor allem in den Wintermonaten die Versorgungssicherheit der Schweiz zu garantieren, setzt der Bundesrat zusätzlich auf Wärmekraftkoppelungsanlagen (WKK). Wie viele WKK gebaut werden, ist allerdings noch unklar. Den Bedarf beziffert der Bundesrat im Jahr 2025 auf rund 2 und 2050 auf rund 3,4 Terawattstunden.
Zudem soll bis 2020 ein Gaskombikraftwerk gebaut werden muss, um den fehlenden Atomstrom zu ersetzen. Dabei wird an den Klimazielen festgehalten. Demnach müssen Gaskraftwerke die CO2-Emissionen gemäss dem geltenden Gesetz vollständig kompensieren, und zwar mindestens zur Hälfte im Inland.
Um den gesamten Bedarf decken zu können, seien weiterhin Importe von Energie und Strom nötig, bekräftigte der Bundesrat.
Kosten von insgesamt 30 Milliarden
Die Mehrkosten der Energiestrategie 2050 – also des Atomausstiegs mit Beibehaltung der Klimaziele – beziffert der Bundesrat bis 2050 auf rund 30 Milliarden Franken. Dadurch steigen die Kosten für Haushalte zwischen 20 und 30 Prozent. Darin nicht enthalten sind die Kosten für den dringend notwendigen Ausbau des Strom-Übertragungsnetzes.
Die Vernehmlassung für das erste Massnahmenpaket dauert bis zum 31. Januar 2013. Im Sommer 2013 könnte das Parlament darüber beraten. In Kraft treten wird das Paket frühestens im Jahr 2015. (prus, sda)
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