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Mittwoch, 17.10.2012

Bericht: Mord an Ghadhafi und Gefolgschaft

Für die neue libysche Regierung ist Ghadhafi während der Kämpfe in seiner Heimatstadt Sirte getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch widerspricht: Ghadhafi wurde von den Rebellen gestellt und danach mit 66 seiner Getreuen hingerichtet.

Leichenschau: Muammar Ghadhafi (Mitte), dessen Sohn Moutassem Ghadhafi (li.), und Verteidigungsminister Abu-Bakr Yunis Jabr. (Keystone)

Schwere Vorwürfe an libysche Rebellen

Beitrag aus Echo der Zeit vom Mittwoch, 17.10.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Straflosigkeit für Mord an Ghadhafi?

Beitrag aus Echo der Zeit vom Mittwoch, 17.10.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

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Von Auslandredaktorin Iren Meier

Die Rebellen hätten Muammar Ghadhafi lebend gefasst, sagt Human Rights Watch. Zwar am Kopf verletzt, aber lebend. Videoaufnahmen zeigten, wie Ghadhafi nach seiner Festnahme in seiner Heimatstadt Sirte von den Rebellen heftig geschlagen werde und wie sie ihn mit Bajonettenstichen weiter verletzten, heisst es im Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Damit widerspricht Human Rights Watch den libyschen Behörden eindeutig. Diese behaupten bis heute, Ghadhafi sei im allgemeinen Chaos und im Schusswechsel umgekommen. Die Leiche des Diktators wurde kurz darauf öffentlich zur Schau gestellt.

Fast gleichzeitig machte damals ein Team von Human Rights Watch im Mahari-Hotel in Sirte eine schreckliche Entdeckung, wie der Länderverantwortliche Peter Bukart schildert: «Wir fanden dort die Leichen von Ghadhafis Gefolgsleuten, die mit ihm im Konvoi geflüchtet waren.» Sie seien von den Rebellen lebend gefangen genommen, ins Mahari-Hotel gebracht und dort ermordet worden, sagt Bukart.

Viel Beweismaterial
Human Rights Watch habe sehr viel Beweismaterial untersucht und Eindeutiges gefunden. Etwa ein siebenminütiges, von den Rebellen selbst aufgenommenes Video: «Darin sehen wir dutzende Gefangene. Und diese Männer werden geschlagen und misshandelt von den aufständischen Milizionären», so Bukart.

Human Rights Watch habe das Video dieser Gefangenen mit seinen eigenen Bildern verglichen, die es von den Leichen im Mahari-Hotel gemacht habe. Mit der Erkenntnis, dass es sich um dieselben Personen handle. Mindestens 66 Leichen hätten sie am Ende identifiziert.

Organisierter Mord
«Das ist organisierter Mord, sagt der Menschenrechtler. Bewusst beschlossen und organisiert.» Dringend müsse da ermittelt werden, fordert Bukart. Und auch der Tod von Ghadhafis Sohn Moutassim müsse aufgeklärt werden. Moutassim sei – ähnlich wie sein Vater – erst nach seiner Festnahme und dem Transport nach Misrata getötet worden.

Human Rights Watch hat den libyschen Behörden die Beweise für das Massaker in Sirte übergeben, mit Namenslisten von Tätern und Opfern. Aber die Behörden sind nicht aktiv geworden. Und die bewaffneten Milizen sind noch immer nicht unter Kontrolle. Bukart stellt ernüchtert fest: «Libyens Weg ist noch lang: Der Weg vom Gesetz des Dschungels Richtung Rechtsstaat.» (basn;bru)

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Dossier, Letztes Update: Mittwoch, 31.10.2012

Libyens Aufbruch in eine ungewisse Zukunft

Ermutigt von den Protesten in der arabischen Welt gehen ab Februar 2011 auch in Libyen immer mehr Menschen auf die Strasse. Machthaber Ghadhafi setzt die Armee in Bewegung, die Nato schaltet sich ein. Nach monatelangen Kämpfen wird Ghadhafi am 20. Oktober 2011 in Sirte getötet. Doch die Lage im Land bleibt labil.


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