Verwirrung um Verbleib von Ghadhafis Sohn
Der libysche Regierungssprecher Nasser al-Manaa dementierte, dass die Regierung offiziell etwas zum Tod von Ghadhafis jüngstem Sohn gesagt habe. (Archiv Reuters)
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- Sonntag, 21.10.2012: Jüngster Sohn Ghadhafis getötet
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Ein Jahr nach dem Tod von Libyens Ex-Diktator Muammar al-Ghadhafi haben Berichte über den Tod seines jüngsten Sohnes und von Ghadhafis Sprecher Mussa Ibrahim für Verwirrung gesorgt. Beide Meldungen lösten Widersprüche und Dementis aus.
Der 1980 geborene Chamis al-Ghadhafi sei bei einem Gefecht zwischen Milizionären in der Stadt Bani Walid getötet worden, berichtete der Fernsehsender Libya TV. Regierungsvertreter bestätigten zunächst den vermeintlichen Tod des Diktatorensohns.
Dies wurde später widerrufen. Bereits in der Vergangenheit hatte es irrtümliche Berichte über den Tod von Chamis al-Ghadhafi gegeben.
Die Regierung selbst dementierte wenig später ihre Aussagen: Sie habe nichts Offizielles über die Festnahme irgendeines Mitglieds des früheren Regimes verlauten lassen, sagte Regierungssprecher Nasser al-Manaa im privaten Fernsehsender Libya al-Ahrar.
Widersprüche
Am Sonntag meldete sich der stellvertretende Ministerpräsident Mustafa Abu Schagur erneut über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. Er entschuldigte sich dafür, dass er sowohl den Tod von Chamis als auch die Festnahme des Ex-Sprechers Mussa Ibrahim verkündet hatte, ohne dass dies bestätigt worden sei. Was letztlich hinter den Gerüchten steckte, blieb unklar.
Mussa Ibrahim war Sprecher des Ghadhafi-Regimes während der Zeit des Bürgerkriegs. Er war nach dem Sturz des langjährigen Diktators im August 2011 untergetaucht. Ein Reporter des Senders al-Jasira berichtete am Samstag, dass er gefasst wurde, als er aus Bani Walid fliehen wollte.
Am Abend wurde auf einer ihm zugeordneten Seite im sozialen Netzwerk Facebook eine Tonbandaufnahme veröffentlicht, in der er seine Festnahme dementiert. Allerdings konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob dies tatsächlich die Stimme Ibrahims war.
Heftige Kämpfe
Den Gerüchten vorausgegangen waren heftige Kämpfe in Bani Walid. Die Wüstenstadt hatte 2011 zu den letzten Hochburgen der Truppen des Ghadhafi-Regimes gehört.
Dabei gab es am Wochenende mindestens 26 Tote, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Regierungstreue Milizen versuchten am Samstag das Zentrum der Wüstenstadt unter ihre Kontrolle zu bringen, wie ein Militärsprecher sagte.
Die 180 Kilometer südöstlich von Tripolis gelegene Stadt wird seit zwei Wochen von Milizen belagert, die Befehle aus der Stadt Misrata erhalten. Bani Walid war eine der letzten Hochburgen Ghadhafis während des achtmonatigen Konfliktes und war erst am 17. Oktober 2011 von Rebellen eingenommen worden. In den vergangenen Monaten gewannen die Anhänger Ghadhafis dort aber wieder die Oberhand.
Entführung als Auslöser der Kämpfe
Grund für den aktuellen Konflikt war die Entführung eines jungen Mannes aus Misrata, der das Versteck Ghadhafis in Sirte entdeckt hatte. Omran Schaaban war vor einigen Wochen angeschossen, nach Bani Walid verschleppt und dort gefoltert worden. Er starb nach seiner Freilassung im Spital an den Folgen der schweren Misshandlungen.
Ghadhafi war am 20. Oktober 2011 in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen gefangen genommen und getötet worden. Milizen aus der Küstenstadt Misrata, die formell dem Verteidigungsministerium unterstehen, waren mit Gewalt nach Bani Walid vorgedrungen, um - wie sie selbst sagten - mutmassliche Verbrecher festzunehmen. (lin, sda)
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