Bahrain: Gericht heisst Berufungsbeschwerde gut
Trotz eines Verbots demontrieren immer wieder Tausende gegen die Herrscherfamilie. Die Aufnahme stammt vom vergangnen Freitag, den 27. April 2012. (Reuters Archiv)
Mit einem Hungerstreik kämpft Abdelhadi al-Chawaja seit Februar für mehr Bürgerrechte und einen fairen Prozess. Er war nach Protesten im Frühjahr 2011 von einem Sondergericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Nach Angaben seiner Frau wird Chawaja zwangsernährt. Die Behörden setzten Magensonden und andere lebenserhaltende Massnahmen ein, um ihn gegen seinen Willen zu ernähren. Sie hatte Chawaja am Sonntag zu ersten Mal seit zwei Wochen besuchen dürfen.
Berufung gutgeheissen
Laut Anwalt des Aktivisten haben die Behörden eingewilligt, den Prozess neu aufzurollen. Bei einer kurzen Anhörung am Montag habe Bahrains oberstes Berufungsgericht die Anträge von Chawaja und 13 weiteren Demokratieaktivisten angenommen und einen neuen Prozess vor einem zivilen Berufungsgericht angesetzt.
Die 14 Männer gehören zu einer Gruppe von insgesamt 21 Oppositionellen, die letztes Jahr in erster Instanz wegen des Vorwurfs eines Umsturzversuchs zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Ein Termin für den Berufungsprozess wurde nach Angaben des Anwalts, der auf eine Aufhebung des Urteils hofft, noch nicht festgelegt.
Proteste dauern an
Obwohl die Bevölkerung Bahrains mehrheitlich schiitisch ist, wird der Inselstaat im Persischen Golf seit Jahrhunderten von einem sunnitischen Königshaus beherrscht. Die Schiiten klagen über Benachteiligungen im Alltag.
Erste Proteste gegen die Herrscherfamilie und für die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie gab es Mitte Februar 2011. Als sie einen Monat später mit Hilfe saudiarabischer Truppen blutig niedergeschlagen wurden, sollen 30 Zivilisten und fünf Sicherheitskräfte getötet worden sein. (bat, sda/afp)
Mehr zum Stichwort:
