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Shabbiha - Assads Geister-Miliz ohne Skrupel

Für etliche Gräueltaten und insbesondere die Massaker von Hula und al-Kobeir werden von der syrischen Opposition die Shabbiha-Milizen verantwortlich gemacht. Diese gehören mehrheitlich zur Volksgruppe der Alawiten - wie Präsident Assad.
Karte: Syrien

Wie Todesschwadronen steigen tätowierte Jugendliche mit Sturmgewehren von den Bergen hinab in die Dörfer, brechen in Häuser ein, schlitzen Frauen und Kindern die Kehlen auf oder zerstückeln sie. Nach dem Morden schleppen sie die Leichen manchmal mit sich fort, um die Spuren ihrer Gräueltaten zu verdecken.

Shabbiha sollen Massaker verübt haben

Solche und ähnliche Berichte von Zeugen und Oppositionellen häufen sich in den Hochburgen der Revolution in Nord- und Zentralsyrien. Das oppositionelle Syrische Netzwerk für Menschenrechte macht die gefürchteten Shabbiha-Milizen, die «Geister»-Schwadronen, als grausamste Gegner des Aufstands auch für das Massaker in al-Kobeir am 6. Juni 2012 verantwortlich.    

Erst hätten Panzer die Häuser beschossen, dann seien die Telefonleitungen gekappt worden. Danach seien die Milizionäre in das winzige, von Sunniten bewohnte Dorf eingedrungen, hätten mindestens 78 Zivilisten ermordet und 37 Leichen mitgenommen, berichtete die Organisation.

Die Sicherheitskräfte hätten die Shabbiha mit Bussen aus den von Alawiten besiedelten Dörfern in der Nähe herangekarrt - das gleiche Muster wie beim Massaker in dem sunnitischen Städtchen Hula Ende Mai und in den Aussenbezirken der drittgrössten Stadt Homs. Die Behörden dagegen machen islamistische Terrorbanden für die Morde verantwortlich, die aus dem Ausland unterstützt würden.   

Ursprünglich Verwandte Assads aus Latakia
Gegründet wurden die Shabbiha von Verwandten des alawitischen Staatschefs Bashar al-Assad im schicken Badeort Latakia. Dort widmeten sie sich zunächst dem Schmuggel und der Schutzgeld-Erpressung ehe sie sich zu den gefürchteten Todesschwadronen entwickelten, die für die schlimmsten Gräueltaten im Bürgerkrieg verantwortlich gemacht werden.

Ihr Aufstieg fällt in die Periode nach dem Amtsantritt Assads im Jahr 2000, als er sich verstärkt seinen Verwandten zuwandte, um seine Macht in dem mehrheitlich sunnitischen Land zu festigen. Heute kämpfen im Aufstand Angehörige der sunnitischen Mehrheit gegen die Führungsclique, die sich vor allem aus Alawiten rekrutiert - einem Ableger des schiitischen Islam.   

Kriminelle Gangster wurden zur Miliz
Die Bezeichnung Schabiha leitet sich von den schwarzen S-Klasse-Mercedes ab, die den Spitznamen «Shabbah» oder Geister tragen. In solchen Luxuskarossen und bewaffnet mit Gewehren erzwangen sich Cousins von Assad aggressiv freie Fahrt durch den dichten Verkehr. Der Name blieb haften und wurde von den Gangstern übernommen, als sie ihre kriminellen Geschäfte ausbauten.

Nach dem Ausbruch des Aufstands wandelten sie sich rasch mit staatlicher Hilfe zu regelrechten Milizen. Angeleitet von den Sicherheitskräften oder der regierenden Baath-Partei schlugen sie Demonstrationen in Städten im ganzen Land nieder und erschossen dabei häufig auch Demonstranten.

«Auf ewig deine Shabbiha»
Auf regierungsfreundlichen Kundgebungen Anfang des Jahres in Damaskus und anderswo trugen sie Banner mit der Aufschrift «Assad: Wir sind auf ewig deine Shabbiha» oder «Assad: Dein Name ist in unsere Kalaschnikows geritzt». Zur Verstärkung der Miliz rekrutierten die Sicherheitskräfte gleich zu Beginn des Aufstands Tausende sunnitische Muslime, besonders nach der Generalamnestie, mit der Assad vergangenes Jahr Tausende Gefangene aus den Haftanstalten entliess.    

Terrorisierung der Bevölkerung als Ziel

Später, als der Konflikt in einen Bürgerkrieg umschlug und die Aufständischen mit Angriffen auf die Regierungstruppen begannen, wurden die Shabbiha nach Aussage von Diplomaten und Oppositionellen wieder abhängiger von der Rekrutierung in der alawitischen Gemeinschaft. Die Massaker und das zunehmende Risiko, von den Aufständischen getötet zu werden, schreckten inzwischen jedoch viele Sunniten ab - obwohl die Shabbiha-Milizionäre zu manchen Zeiten bis zu 100 Dollar Lohn am Tag erhielten. Die Summe ist ein Vermögen in einem Land, wo die Durchschnittslöhne bei 200 bis 300 Dollar im Monat liegen.

«Die Shabbiha sind vor allem in gemischten Gegenden zu einer lokalen Alawiten-Miliz geworden», sagt ein Diplomat. «Ihre Aufgabe ist es, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und ethnische Säuberungen zu betreiben.» (reuters)

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