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Freitag, 13.7.2012

Weltweites Entsetzen über neues Massaker in Syrien

Ein neues Blutbad in Syrien hat weltweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein internationales Eingreifen angeheizt. Mindestens 150 Menschen sollen in Tremseh getötet worden sein. Regierung und Opposition weisen sich gegenseitig die Schuld zu.

Ein offenbar alltägliches Bild im syrischen Bürgerkrieg: Ein Wohnquartier wird von Granaten beschossen. (Keystone)

Karte: Syrien

«Es passieren täglich Massaker in Syrien»

Was ist wirklich passiert in Tremseh? Und wie schlimm ist die Situation in Syrien wirklich? Die Journalistin und Syrien-Kennerin Kristin Helberg zeichnet im Gespräch mit Matthias Kündig ein erschreckendes Bild der Lage.

DRS 4 aktuell vom Freitag, 13.7.2012, 11.04 Uhr, DRS 4 News

Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan hat «schockiert und entsetzt» auf die «Gräueltaten» in der zentralsyrischen Kleinstadt Tremseh reagiert. Er verurteilte das Massaker scharf.

Die Uno hat die Kämpfe als eine Verschärfung des Vorgehens gegen Zivilisten gewertet. Das syrische Militär gehe in der Region von Tremseh weiter gegen Regierungsgegner vor. Uno-Beobachter hätten dort am Donnerstag mehr als 100 Explosionen registriert. Trotz des wachsenden internationalen Drucks gehe die syrische Luftwaffe weiter gegen Zivilisten vor. Nördlich der Stadt Hama seien Wohngegenden ins Visier genommen worden.

Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt
Zur Anzahl der Toten gab es verschiedene Angaben. Gemäss Oppositionsgruppen wurden am Donnerstag in Tremseh möglicherweise sogar bis zu 250 Menschen getötet, darunter viele Aufständische. Sollte sich diese Zahl bestätigen, wäre das Massaker das schlimmste seit Beginn des Aufstands gegen Syriens Staatschef Bashar al-Assad im März 2011.

Während die syrische Opposition die Regierung in Damaskus verantwortlich machte, gab diese «Terroristen» und «blutrünstigen Medien» die Schuld. Sie hätten das Verbrechen verübt, um die Öffentlichkeit gegen Syrien aufzubringen und eine internationale Intervention zu provozieren, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Panzer und Raketenwerfer im Einsatz
Auch Menschenrechtsaktivisten machten die Armee und regierungstreue Milizen für das Massaker verantwortlich. Regierungstruppen hätten die Ortschaft Tremseh am Donnerstagmorgen zunächst umstellt und dann das Feuer mit Granaten und Artillerie eröffnet.

Dabei seien Helikopter, Panzer und Raketenwerfer zum Einsatz gekommen. Die Angriffe auf die Stadt mit rund 7000 Einwohnern dauerten gemäss den Aktivisten gut zehn Stunden.

Anschliessend seien die Soldaten mit leichten Waffen nach Tremseh vorgedrungen, gefolgt von «mit Messern bewaffneten» Mitgliedern der regierungstreuen Schabiha-Miliz. Diese habe - wie schon beim letzten Massaker in Hula mit über 100 bestätigten Toten - wahllos Menschen getötet, darunter Frauen und Kinder.

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich. Die seit Mitte April in Syrien stationierte Uno-Beobachtertruppe (UNSMIS) erklärte sich zwar zu einer umgehenden Untersuchung vor Ort bereit, machte dafür aber einen Waffenstillstand zur Bedingung.

Der Westen wartet auf Russland
Die Gewalt und «diese Brutalität» müssten aufhören, erklärte der Syrien-Sondergesandte Annan. Mit Anspielung auf die festgefahrenen Haltungen im Uno-Sicherheitsrat betonte er, es sei wichtiger als jemals zuvor, dass die Regierungen mit Einfluss diesen unverzüglich auch ausübten, um die Gewalt zu stoppen. Am Montag will Annan in Moskau mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow sprechen.

Russland gilt als Verbündeter von Syriens Präsident Assad und verhinderte im Uno-Sicherheitsrat bereits zweimal eine Resolution gegen die Führung in Damaskus. Auch den jüngsten Vorstoss des Westens lehnt Moskau ab.

Der von Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und den USA eingebrachte Resolutionsentwurf setzt Damaskus eine zehntägige Frist zum Rückzug der Truppen und droht andernfalls mit Wirtschaftssanktionen.

Syrischer Nationalrat will militärische Intervention
Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) forderte nach dem Blutbad von Tremseh erneut eine militärische Intervention. Der SNC-Vorsitzende Abdelbaset Seida appellierte am Freitag in Istanbul an den Uno-Sicherheitsrat, ein Eingreifen nach Kapitel VII der Uno-Charta zu beschliessen, um die Zivilisten in Syrien zu schützen.

Sollte eine Uno-Resolution erneut am Veto Russlands scheitern, müsse die Kontaktgruppe der Freunde Syriens alleine handeln. (nab, sda/reuters)

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Neues Massaker in Syrien. (Martin Durrer, 13.7.2012)
Hören (2:53)

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