Dramatische Zuspitzung in Syriens Metropolen
Die Gefechte in Aleppo schlugen zahlreiche Menschen in die Flucht. (Keystone)
Die blutigen Auseinandersetzungen in Syrien gehen weiter. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Während in der nordsyrischen Stadt Aleppo offenbar die Aufständischen an etlichen Stellen ihre Flaggen hissten, eroberte das Militär in Damaskus zwei Stadtviertel zurück.
Die bewaffnete Opposition hatte am Sonntag den Sturm auf Aleppo, die zweitgrösste Stadt des Landes, ausgerufen. Aleppo sei allerdings voller Flüchtlinge aus den Städten Homs und Hama, berichtete ein Augenzeuge. Die Versorgungslage werde immer schwieriger, die Preise seien in den Himmel geschossen.
In Damaskus soll das Militär nach Angaben von Aktivisten mit massivem Einsatz von Soldaten und Panzern die Kontrolle über die beiden Viertel Al-Messe und Barse zurückerobert haben. Die Aufständischen hätten den «taktischen Rückzug» angetreten, hiess es.
Rund 30 Menschen sollen bei den Gefechten in den Morgenstunden getötet worden sein, unter ihnen auch Zivilisten.
Drohung mit Chemiewaffen-Einsatz
Im Falle eines «ausländischen Angriffs» hat die syrische Führung angekündigt, auch Chemiewaffen einzusetzen. Explizit sollen damit nicht die Aufständischen bekämpft werden. Die Kampfstoffe seien nur dazu entwickelt worden, um das Land im Falle eines Angriffs von aussen verteidigen zu können, sagte ein Aussenamtssprecher.
Zugleich lehnte der Sprecher den Vorschlag der Arabischen Liga für einen Rücktritt von Staatschef Bashar al-Assad im Gegenzug für freies Geleit ins Ausland ab. «Die Syrer werden selbst über das Schicksal ihres Landes entscheiden», sagte er.
Europa erwartet Flüchtlingswelle
Die Europäische Union bereitet sich auf eine zunehmende Zahl syrischer Flüchtlinge vor. Wenn die Menschen in den Nachbarländern Syriens nicht ausreichend Hilfe fänden, würden sie weiterziehen, sagte die zyprische Innenministerin Eleni Mavrou bei einem Treffen der EU-Innenminister. Ihr Land hat zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.
Zypern wäre dabei wahrscheinlich eine der ersten Anlaufstellen. Der kleine Inselstaat liegt im Mittelmeer vor der Haustür Syriens. Die Hafenstadt Famagusta ist nur etwa 170 Kilometer von Syrien entfernt. Flüchtlinge könnten aber auch über die Türkei und den türkischen Nordteil Zyperns über die lange grüne Grenze in den Süden gelangen.
Ausländer in Sicherheit bringen
Zypern plant auch rund 200 000 Europäer, Amerikaner und Bürger anderer Drittstaaten im Notfall auszufliegen. So viele Menschen müssten Syrien und auch Teile Libanons bei einer weiteren Verschärfung der Lage wohl verlassen.
Dann könnten die in Sicherheit gebrachten Menschen auf Zypern für mindestens 48 Stunden ein Dach über dem Kopf und Versorgung finden. «Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen», sagte Ministerin Mavrou. Mehrere EU-Regierungen hätten inzwischen Experten in die zyprische Hauptstadt Nikosia geschickt, um die Betreuung ihrer Landsleute zu organisieren.
Mehr Druck auf Syrien
In Brüssel wurden unterdessen schärfere EU-Sanktionen beschlossen, um das Regime von Präsident Bashar-Assad zum Nachgeben zu zwingen. Die EU-Aussenminister setzten Diplomaten zufolge 26 weitere Personen und drei Unternehmen auf die Strafliste.
Auf der schwarzen Liste der EU stehen mit dem jüngsten Beschluss 155 Personen und 52 Organisationen oder Unternehmen. Die jüngste Erweiterung betreffe Mitglieder des Militärs oder der syrischen Geheimdienste. Für die Betroffenen bedeutet dies Reisesperren oder eingefrorene Konten.
Die europäischen Sanktionen sind indes nur zweite Wahl. «Besser wäre, wenn die UNO endlich mal eine Resolution beschliesst und das alles verurteilt», kommentierte der österreichische Aussenminister Spindelegger. Wegen Widerstand aus China und Russland sind bisher alle Versuche gescheitert, im UN-Sicherheitsrat weltweit gültige Strafmassnahmen zu beschliessen. (wedj;bru, dpa/sda/afp/reuters)
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