Heftige Kämpfe in den Strassen Aleppos
Aufständische in Aleppo rüsten sich zum Kampf gegen die syrische Armee. (Keystone)
Mit einem Grossaufgebot an Panzern und Kampfhelikoptern hat die syrische Armee ihre Offensive zur Rückeroberung der Millionenstadt Aleppo begonnen. Regierungssoldaten umzingelten das von Aufständischen gehaltene Viertel Salaheddin und attackierten es mit schwerer Artillerie.
Schwere Kämpfe am Boden
Die Regierungstruppen begannen am Samstagmorgen, Salaheddin und andere von den Rebellen gehaltene Stadtteile Aleppos anzugreifen. Schwere Artillerie ging auf die Viertel nieder, während die Soldaten am Boden vorrückten. An den Zugängen nach Salaheddin kam es zu schweren Kämpfen.
Die Aufständischen hätten zehn Panzer der Angreifer zerstört, sagte ein Rebellen-Kommandant. Am Nachmittag hätten dann Helikopter Luftlandetruppen in Salaheddin abgesetzt. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil die Medien in Syrien nur sehr eingeschränkt arbeiten können.
Zwei Tage lang hatte die syrische Armee Soldaten, Panzer und schwere Waffen rund um die zweitgrösste Stadt Syriens zusammengezogen, während sich die Aufständischen mit leichten Waffen und einigen Panzerabwehrraketen wappneten.
Kämpfe fordern viele Todesopfer
Nach Angaben der in London ansässigen oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Kämpfen im ganzen Land am Samstag mindestens 90 Menschen getötet, die meisten von ihnen in Aleppo. Gefechte habe es auch in den Provinzen Homs, Hama, Daraa und Damaskus-Land gegeben.
Tausende Menschen auf der Flucht
In der Weltkulturerbe-Stadt Aleppo droht ein Häuserkampf. «Die Rebellen haben sich in den engen Gassen positioniert, was die Kämpfe erschwert», sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur AFP.
Nach Angaben eines Aktivisten fliehen Tausende Menschen in der Millionenstadt vor dem Bombardement durch die Strassen. «Sie werden von Helikoptern terrorisiert, die in niedriger Höhe fliegen», berichtete der Mann weiter. Die meisten der in der Stadt verbliebenen Zivilisten suchten Schutz in Kellerräumen. Die Lebensmittel würden knapp.
«Mutter aller Schlachten»
Der Kampf um das wirtschaftliche Zentrum des Landes könnte zu einer der entscheidenden Schlachten in dem seit 16 Monaten andauernden Konflikt werden. Regierungstreue Medien sprachen von der «Mutter aller Schlachten». Die Zeitung al-Watan schrieb: «Aleppo wird die letzte Schlacht der syrischen Armee sein, um die Terroristen zu schlagen.»
Wegen der strategischen Bedeutung der Grossstadt - sie liegt in der Nähe der türkischen Grenze und könnte den Rebellen die Bildung einer «befreiten Zone» ermöglichen - liegt dem Regime in Damaskus viel daran, die Rebellen aus Aleppo zu vertreiben.
Weltweite Besorgnis
Weltweit forderten Politiker ein sofortiges Ende der Offensive, weil sie grosse Verluste unter Zivilisten befürchten. «Ich bin tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Aleppo», erklärte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er forderte von beiden Seiten eine Einstellung der Kämpfe.
Auch die russische Regierung, die sich im Uno-Sicherheitsrat bislang einer Sanktionsdrohung gegen die Regierung von Bashar al-Assad verweigerte, warnte vor einer «Tragödie». Aussenminister Sergej Lawrow sagte, die russische Regierung versuche, die syrische Führung davon zu überzeugen, den Aufständischen ein Entgegenkommen zu signalisieren.
Kurden übernehmen Kontrolle über einige Städte
Die in Syrien seit Jahrzehnten unterdrückten Kurden erlangen derweil ungeahnte Freiheiten: Unter dem Druck des Aufstands zieht Präsident Assad Truppen aus dem Kurdengebiet in die Kampfzonen ab. Nach Medienberichten fallen die syrischen Kurden nun teilweise unter den Einfluss der in der benachbarten Türkei aktiven Guerillatruppe der PKK, die von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird.
In Teilen Nordsyriens hat die PKK nach Angaben der syrischen Partei Kurdische Zukunftsbewegung bereits die Kontrolle übernommen. Er befürchte daher Spannungen im syrisch-türkischen Grenzgebiet, sagte Siamend Hajo, Europasprecher der Zukunftsbewegung im Deutschlandradio Kultur.
Kurdische Milizen hätten in einigen Städten die Aufgaben der Sicherheitskräfte übernommen, sagte der in Deutschland lebende Politologe. Die nun in den syrischen Kurdengebieten auftretende PYD-Miliz sei «die syrische Zweigstelle der PKK», sagte er. (pet, dpa/sda/afp)
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