Grossangriff auf Aleppo hat offenbar begonnen
Im Stadtteil Bustan al-Qasar ist die Zerstörung durch die Kämpfe gross. (reuters)
«Die Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen», berichtete der Aufständischen-Kommandant Abu Omar al-Halebi der Nachrichtenagentur DPA am Telefon. Auch Rami Abdel Rahman von der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sagte, dass die Bodenoffensive begonnen habe. «Das Regime attackiert den Bezirk Salaheddin aus vier Richtungen.» Mindestens zwölf Menschen starben binnen weniger Stunden bei den Kämpfen.
Tausende Soldaten bereit für den Sturm Aleppos
Die Regimetruppen hatten in den vergangenen Tagen Tausende Soldaten vor Aleppo zusammengezogen, zusätzliche Artilleriewaffen in Stellung gebracht, Angriffe mit Kampfflugzeugen und -helikoptern geflogen und waren mit Dutzenden Panzern vorgerückt.
Der Stadtteil ist das südwestliche Eingangstor zu den von den Rebellen kontrollierten Gebieten. Die Kämpfe um Aleppo, Syriens Geschäfts- und Handelsmetropole, dauern bereits seit fast drei Wochen an. Bislang konnten eher die Aufständischen Gebietsgewinne verbuchen.
Granaten-Schauer auf Millionenstadt
Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe den Angriff begonnen, um die «Terroristen» zu vernichten, die die Einwohner von Aleppo einschüchterten. Nach Angaben von Aktivisten in Aleppo prasselten Granaten wie Regen auf Gebiete unter der Kontrolle der Aufständischen. «Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt», sagte ein syrischer Aktivist der DPA.
Amnesty sammelt Beweise
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz schwerer Waffen in den Wohngebieten der Millionenstadt Aleppo. Die Organisation veröffentlichte in ihrem jüngsten Bericht Satellitenbilder der nordsyrischen Stadt, die 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen.
Amnesty werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, hiess es von der Organisation. So könnten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Entführte Iraner zum Teil Revolutionsgarden
Derweil räumte der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi ein, dass einige der vor Tagen in Syrien entführten Iraner pensionierte Revolutionsgarden seien. «Auf der Liste der Pilger waren auch pensionierte Beamte aus verschiedenen Ministerien, darunter auch der Revolutionsgarden und der Armee», sagte Salehi der iranischen Nachrichtenagentur ISNA.
Iran hatte zunächst vehement dementiert, dass die Pilger Revolutionsgarden seien. Salehi appellierte an die Entführer, ihre Gefangenen, die Muslime seien wie sie, mit Blick auf den heiligen Fastenmonat Ramadan freizulassen.
Eine islamistische Rebellen-Brigade hatte die 48-köpfige Gruppe am vergangenen Wochenende in Damaskus entführt. Die Aufständischen unterstellen ihren Geiseln, Agenten der iranischen Revolutionsgarden zu sein, die sich zu einer «Kundschaftermission» in Syrien aufgehalten hätten. Teheran - engster Verbündeter des bedrängten Assad-Regimes - bestreitet dies vehement.
Weltsicherheitsrat will erneut tagen
Der Uno-Sicherheitsrat soll sich Ende des Monats erneut in einer Sondersitzung mit der Eskalation der Lage in Syrien befassen. Als Termin für das Treffen auf Ebene der Aussenminister nannte die französische Regierung den 30. August. (pet, dpa)
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