Syrische Rebellen fühlen sich im Stich gelassen
Ruinen hinterlassen: Syrische Regierungstruppen verlassen das Schlachtfeld in Aleppo nach Kämpfen mit der Freien Syrischen Armee. (Reuters)
Nach Angaben der Uno hat es im August die meisten Todesopfer binnen eines Monats im Bürgerkrieg in Syrien gegeben. Obwohl der Uno-Beauftragte für den Nahen Osten, Robert Serry, keine genauen Zahlen für den Monat nannte, dürften rund 20'000 Menschen getötet worden sein, seit die Aufruhen in 2011 ausbrachen.
Die Lage in Syrien spitzt sich gemäss Uno weiter zu. Beide Kriegsparteien würden vermehrt zu Waffengewalt und Kriegsverbrechen greifen, um im seit rund eineinhalb Jahren andauernden Konflikt die Oberhand zu gewinnen.
Zerstörung allgegenwärtig
Der Journalist Kurt Pelda hat sich einen Überblick über die Lage in Aleppo verschafft. «Die Situation hat sich deutlich verschlechtert. Die Regierung lässt die unter der Kontrolle der Rebellen stehenden Stadtteile immer stärker bombardieren», sagt Pelda. Die Zerstörung sei allgegenwärtig – vor allem in den von den Rebellen kontrollierten Quartieren. Die Gebiete, die unter Regierungsmacht stehen, seien weniger beschädigt, weil die Rebellen nur über sehr wenige schwere Waffen verfügen würden.
Pelda hat kein Visum für die unter Regierungskontrolle stehenden Stadtteile erhalten. Er stützt sich auf Aussagen von Zivilisten. Die Menschen könnten sich in Aleppo relativ frei bewegen, weil die Stadt nicht belagert sei. Dies sei auch der Grund, warum es genügend Lebensmittel gebe. Das Problem seien steigende Nahrungsmittelpreise und dass Hersteller von Grundnahrungsmitteln – wie Bäckereien –vermehrt aus der Luft angegriffen würden.
Vor allem arme Menschen seien noch in Aleppo. Aber auch Wohlhabende, die ihre Geschäfte nicht aufgeben wollen. «Ich habe einen griechischen Geschäftsmann getroffen, der seine Familie in einem von der Regierung kontrollierten Teil der Stadt untergebracht hat. Sein Geschäft liegt in einer von Rebellen kontrollierten Region. Er pendelt hin und her. Er sagte, dass die Geschäfte schlecht laufen, weil die Menschen kein Geld mehr hätten», berichtet Pelda.
Kriegsverbrechen auf beiden Seiten
In dem Bericht stellten die Vereinten Nationen fest, dass die Gewalt in Syrien auf beiden Seiten stark zugenommen hat. Eine Erkenntnis, die Pelda ebenfalls gewonnen hat: «Die Regierung setzt ungelenkte Bomben ein, wahrscheinlich weil der Nachschub an konventionellen Bomben schwindet. Es werden auch Fässer mit Sprengstoff abgeworfen.» Diese sehr unpräzisen Waffen können grosse Schäden an der Zivilbevölkerung anrichten.
Für Pelda ist es offensichtlich, dass auch die Rebellen Kriegsverbrechen begehen. «Doch das steht in keinem Verhältnis zu der Zahl derer, die von der Regierung begangen werden.»
Die Moral der Rebellen leide unter dem Mohammed-Schmähvideo. Die Menschen in muslimischen Ländern würden auf die Strassen gehen und dabei wird die Situation in Syrien vergessen. «Das hat auch zu grossem Zorn gegenüber der muslimischen Welt geführt.» (prus,pet)
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