Basel III: Die internationalen Spielregeln
Mit strengeren Vorschriften für die Banken sollen Finanzkrisen wie jene von 2008 künftig verhindert werden. Die Regulierung von Banken ist aber auch heikel. Zu strenge Regeln könnten die Banken viel Geld kosten und dazu führen, dass die Realwirtschaft nicht mehr genügend mit Krediten versorgt wird. Zu lasche Regeln könnten andererseits dazu führen, dass der Staat im Notfall eingreifen muss.
Als Konsequenz aus der weltweiten Finanzkrise haben die massgeblichen Finanzwächter rund um den Globus am 12. September 2010 striktere Regeln vorgeschlagen, Basel III genannt. Mitte November stellten sich in Seoul die Staatschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) hinter die Beschlüsse.
Die Grundzüge des Reformwerks Basel III:
| Was ist Basel III? | |
| Basel III bezeichnet ein Regelwerk des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. In dem Gremium sitzen Zentralbanker und Bankenaufseher aus 27 Ländern. Basel III schliesst Lücken des älteren Regelwerks (Basel II) und verschärft die Spielregeln für die Banken. |
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| Wie wird das Eigenkapital definiert? | |
| Dazu verordnet Basel III den Banken erstens mehr und zweitens besseres Eigenkapital. Bisher rechneten Banken zum Beispiel Steuergutschriften für die nächsten Jahre zum Eigenkapital, was aber im Notfall unbrauchbar ist. Das ändert sich mit Basel III: Der grösste Teil des Kapitalpolsters muss in Krisen schnell verfügbar sein. Die neue Währung für die Kapitalausstattung der Banken weltweit wird das so genannt harte Kernkapital (Core Tier-1). Es soll nur aus Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen bestehen, weil eine Bank nur darauf jederzeit zurückgreifen kann, wenn sie Verluste ausgleichen muss. Von 2015 an soll das harte Kernkapital 7 Prozent der risikogewichteten Aktiva ausmachen, darin inbegriffen ist ein Krisenpuffer von 2,5 Prozent. Grafik: Alte und neue Eigenkapitalvorschriften für Banken Zusätzlich sollen Banken, deren Pleite das ganze System ins Wanken bringen würde («too big to fail»), höhere Kapitalanforderungen erfüllen als andere. In der Schweiz schlägt die Too-big-to-Fail-Expertenkommission für die systemkritischen Banken UBS und CS eine Gesamtkapitalquote von 19 Prozent vor. Basel III sieht dagegen nur eine Quote von 10,5 Prozent vor - 4,5 Prozent für das harte Eigenkapital (Core Tier-1) und 6 Prozent für so genanntes weiches Eigenkapital (Tier-1). Mehr zum Swiss Finish von Basel III |
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| Weshalb brauchen die Banken einen Krisenpuffer? | |
| Die Banken müssen den Krisenpuffer von 2,5 Prozent hartem Kernkapital bis zum Jahr 2019 aufgebaut haben. Er ist Teil der Mindestkapitalquote und darf nur in Krisenzeiten angetastet werden. Geschieht dies, so darf die Bank keine Dividenden mehr auszahlen und keine Aktienrückkäufe mehr vornehmen. Dazu kann ein weiterer so genannter antizyklischer Puffer von bis zu 2,5 Prozent kommen, der den Absturz nach einem exzessiven Kreditwachstum abfedern soll. Über seine Umsetzung entscheiden aber die Bankenaufseher für jedes Land individuell. |
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| Wie hoch darf sich eine Bank verschulden? | |
| Eine zweite Definition für das Eigenkapital geschieht ohne Berücksichtigung der eingegangenen Risiken. Die Leverage Ratio setzt das eng gefasste Eigenkapital ins Verhältnis zu den gesamten Anlagen einer Bank und ist damit die Eigenkapitaldefinition, die am wenigsten interpretationsbedürftig ist. Die Quote soll verhindern, dass die Banken zu viele riskante Kredite vergeben. Der Basler Ausschuss hat die Leverage Ratio auf 3 Prozent festgelegt und liegt damit unter den bereits heute gültigen Anforderungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht, die 4 bis 5 Prozent verlangt. Nach einer Testphase soll die Leverage Ratio 2018 verbindlich eingeführt werden. |
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| Ab wann gelten die neuen Bestimmungen? | |
| Die neuen Regeln treten nicht sofort, sondern ab 2013 in Kraft. Sie sollen stufenweise bis zum 1. Januar 2019 umgesetzt werden. Es gelten also mehrjährige Übergangsfristen. |
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| Weshalb gibt es Übergangsfristen? | |
| Die Übergangsfristen sind wichtig, damit sich die Banken auf das neue Regelwerk einstellen können und nicht sofort grosse Mengen an frischem Kapital besorgen müssen. Könnten sie das nicht, bliebe ihnen nur eine radikale Einschränkung der Kreditvergabe - was die Konjunktur abwürgen würde. Viele Finanzinstitute müssen neues Kapital beschaffen - entweder über eigene Gewinne oder über den Aktienmarkt. |
(acd/borr, reuters/dpa/sda)
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