Ägyptens Armee jagt gewalttätige Jihadisten
Tausende Ägypter nahmen am Dienstag an der Trauerfeier für die 16 am Sonntag getöteten Grenzwächter in Kairo teil. (Keystone)
Ägyptens Militär hat den bewaffneten Extremisten auf der Halbinsel Sinai den Krieg erklärt. Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch die Verstecke der Militanten und töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens 30 von ihnen.
Mehrere Grenzwächter verletzt
Den Luftangriffen waren in der Nacht auf Mittwoch neue bewaffnete Attacken der Extremisten auf Militär- und Polizeikontrollpunkte nahe der Grenze zu Israel und zum palästinensischen Gazastreifen vorausgegangen. Dabei wurden mehrere Sicherheitsbeamte verletzt.
Die Angriffe der ägyptischen Luftwaffe seien in der Ortschaft Sheik Suwaid in der Nähe der Provinzhauptstadt Al-Arish geflogen worden, berichteten örtliche Medien. Starke Bodentruppen hätten zudem die Angreifer in einer gebirgigen Region südlich der Stadt verfolgt. Drei gepanzerte Fahrzeuge der Extremisten seien zerstört worden.
USA sagen Unterstützung zu
Unter anderem aufgrund der unsicheren Lage auf der Sinai-Halbinsel haben die USA eine engere Zusammenarbeit mit Kairo bei der Terrorabwehr angekündigt. US-Aussenministerin Hillary Clinton sicherte dem neuen ägyptischen Ministerpräsidenten Kandil Unterstützung zu für «die Bemühungen der ägyptischen Regierung, die Sicherheitslage in der Region zu verbessern».
Gewaltsamer Extremismus stelle eine Gefahr für Ägypten, die Nachbarn Ägyptens und auch für Amerikaner dar, sagte dazu der US-Aussenamtssprecher Patrick Ventrell. Die USA seien zudem der Sicherheit Israels verpflichtet.
Radikal-islamistische Jihadisten am Werk
Derweil wird in Ägypten über Herkunft und Zugehörigkeit der Militanten spekuliert. Das Militär äusserte sich dazu bislang nur in Andeutungen. Demnach soll ein Teil von ihnen durch Schmugglertunnels aus dem Gazastreifen gekommen sein.
Ägyptische Experten sehen aber vor allem neue einheimische, radikal-islamistische Strömungen am Werk. Im Inneren und im Norden des Sinai herrscht ein Sicherheitsvakuum, das sich seit dem Mubarak-Sturz noch verstärkte.
Kriegsgerät möglicherweise aus Libyen
In dem gesetzlosen Umfeld hätten sich demnach Gruppen von Jihadisten etabliert, die sich an der extremistischen Ideologie und an den terroristischen Methoden der al-Qaida orientieren. Der Zugang zu Waffen sei wiederum durch den Umsturz im Nachbarland Libyen erleichtert worden. Die zahlreichen Milizen, die während des Aufstands gegen das Ghadhafi-Regime entstanden waren, hätten einen Teil ihres Kriegsgeräts an überregional operierende Waffenhändler verkauft.
Touristen-Gebiete angeblich nicht in Gefahr
Der Sinai ist auch ein beliebtes Urlaubsziel für Ausländer. Die Hotel- und Strandressorts liegen im Süden der Halbinsel am Roten Meer. Sie seien durch den bewaffneten Konflikt in keiner Weise betroffen, erklärte der ägyptische Fremdenverkehrsminister. Die Urlauber könnten sich dort unverändert in Sicherheit fühlen.
Bereits am Sonntag hatten Bewaffnete bei einem Überfall auf einen ägyptischen Grenzposten am Gazastreifen 16 Soldaten getötet. Danach drangen einige von ihnen mit einem erbeuteten Panzerfahrzeug nach Israel ein, wo sie von israelischen Kampfflugzeugen unter Feuer genommen wurden und starben. Der Vorfall war der bisher schwerwiegendste seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak im Februar 2011. (pet, dpa)
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