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Donnerstag, 15.11.2012

Lage in Nahost spitzt sich zu – Luftalarm in Tel Aviv

Der blutige Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen eskaliert. Erstmals seit 1991 wird Luftalarm in Tel Aviv ausgelöst. Bewohner berichten von einer Explosion.

Todesangst: Die Sirenen heulten, hier im Süden Israels in Kiryat Malachi – Luftalarm. (Keystone)

Eskalation in Gaza nach dem Tod Ahmed Jabaris

Mahmud Abbas werde alles daran setzen, die Situation im Gazastreifen zu entspannen, sagt der palästinensische Chefunterhändler zur überstürzten Rückkehr des Palästinenserpräsidenten nach Ramallah. Doch was kann Abbas erreichen?

Beitrag aus Echo der Zeit vom Donnerstag, 15.11.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

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Karte: Gazastreifen

Luftalarm in Tel Aviv, Racheschwüre in Gaza: International wächst die Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg. Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in der israelischen Metropole. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören.

Die israelischen Streitkräfte dementierten am Donnerstagabend Berichte über den Einschlag einer Rakete aus Gaza im Grossraum Tel Aviv. Gleichzeitig kündigte das Militär Luftangriffe «in den nächsten Stunden» an. Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30'000 Mann einberufen werden.

Am Morgen starben In Israel drei Menschen, als ihr Wohnhaus in dem Ort Kiriat Malachi von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Mehrere Bewohner wurden schwer verletzt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer weiteren Verschärfung der Lage.

Hamas bekennt sich zum Angriff
Im Gazastreifen bekannte sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden Hamas, die Kassam-Brigaden, zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hiess es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandant am Vortag von Israel getötet worden war.

In Tel Aviv brach zeitweise das Telefonnetz zusammen. Im Fernsehen war zu sehen, wie der Verkehr teilweise zum Stillstand kam und Menschen sich schutzsuchend flach auf den Boden legten.

Die Bewohner wähnten sich bisher in sicherem Abstand zum Schauplatz des jahrelangen Schlagabtauschs zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern im Gazastreifen. Die Raketen flogen nie weiter als etwa 30 Kilometer. Tel Aviv liegt etwa 60 Kilometer entfernt.

Tote und Verletzte
Nach neuen Angaben der israelischen Streitkräfte wurden seit Beginn der Offensive «Säule der Verteidigung» am Vortag 250 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei starben mindestens 15 Menschen, mehr als 150 wurden verletzt. Im gleichen Zeitraum seien aus dem Gazastreifen 274 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Dabei starben dort drei Menschen und mindestens zwölf wurden verletzt.

Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs durch Israel versammelten sich in Gaza Tausende Palästinenser, um Ahmed al-Jabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung durch die israelische Luftwaffe als «Kriegserklärung» und kündigte blutige Rache an.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sehr besorgt. Er verurteilte die palästinensischen Raketenangriffe und forderte Israel zur Zurückhaltung auf. Der Uno-Sicherheitsrat hatte zuvor vor «möglicherweise katastrophalen Folgen» einer Eskalation gewarnt.

USA: «feige Taten»
Die USA bezeichneten die Raketenangriffe auf Israel in den vergangenen Tagen als «feige Taten» der Hamas. US-Präsident Barack Obama verurteile die Angriffe, für die es keine Rechtfertigung gebe, sagte sein Sprecher Jay Carney. Bereits am Vortag hatte Obama Netanyahu in einem Telefonat seine Unterstützung zugesichert.

Solidaritätsbesuch von Ägyptens Regierungschef
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi bat seinen Regierungschef Hischam Kandil, an diesem Freitag zu einem Solidaritätsbesuch in den Gazastreifen zu fahren. Am Mittwoch hatte Mursi seinen Botschafter aus Israel abgezogen. «Israel muss begreifen, dass wir keine Aggression akzeptieren, die sich negativ auf die Sicherheit und Stabilität in der Region auswirkt», sagte Mursi.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden. (basn, dpa)

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Hintergrund: Wer steht wo im Nahost-Konflikt?

Krieg im Gazastreifen

Kontrahenten: Hamas und Fatah


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