Fehlende Begeisterung für neue Gaskraftwerke
Das stillgelegte Ölkraftwerk Chavalon. Hier soll nach dem Willen des Versorgers EOS das neue Gaskraftwerk entstehen. (Keystone)
Von Wirtschaftsredaktorin Priscilla Imboden
Nur ein geplantes Gaskraftwerk in der Schweiz wird wirklich vorangetrieben: Der Westschweizer Stromversorger EOS Holding will nach wie vor bauen - hoch oben über dem Rhonetal, wo auf einem Felsen das stillgelegte Ölkraftwerk Chavalon steht. «Wir gehen davon aus, dass es rentabel sein wird», sagt Direktor Alexis Fries zu den Plänen für das Gaskraftwerk, das 2017 ans Netz soll. «Sonst würden wir es bestimmt nicht bauen.»
Gaspreis entscheidend
Ob sich der Betrieb lohnt, hängt unter anderem vom Gaspreis ab. «Beim Gaskombikraftwerk ist der Gaspreis ein entscheidender Parameter», sagt Fries. «Wenn man den Transport dazurechnet, sind es ungefähr 70 Prozent der Gestehungskosten.» Hinzu kommen die Kosten, die anfallen, um den gewaltigen CO2-Ausstoss eines Gaskombikraftwerkes zu auszugleichen. Sie machen weitere etwa 20 Prozent der Gestehungskosten aus.
EOS treibt sein Kraftwerksprojekt voran, will aber über die Bücher, wenn die letzen Bewilligungen erteilt sind. Dann soll erneut abgeschätzt werden, ob sich das Werk rentieren könnte. «Niemand hat eine Kristallkugel, um die Zukunft über 25 Jahre vorherzusagen - das ist etwa die Betriebszeit für ein Kraftwerk wie Chavalon», sagt CEO Fries.
Die Grossen halten sich zurück
Die grossen Stromkonzerne bleiben vorerst zurückhaltend. Axpo, BKW und Alpiq haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Gaskraftwerke im Ausland gebaut. Diese schreiben nun oft rote Zahlen. Die vielen Windparks und Sonnenenergieanlagen in Deutschland konkurrenzieren sie. Ausserdem verharren die Strompreise seit der Finanzkrise europaweit auf tiefem Niveau. Es gibt mehr Strom, als benötigt wird.
Experten sind skeptisch, was die Aussichten für neue Kraftwerke betrifft. «In diesem europäischen Marktumfeld wird es für Schweizer Versorger wohl nicht rentabel sein, Gaskraftwerke im Inland zu bauen und zu betreiben - jedenfalls nicht auf absehbare Zeit», schliesst Urs Meister, Energieökonom der Wirtschaftsdenkfabrik Avenir Suisse. Den starken Fokus der Politik auf die Stromautarkie - also die Deckung des Stromverbrauchs in der Schweiz mit eigenen Kraftwerken - hält Meister für falsch. «Wenn Importe günstig sind, weil es im Ausland zu viele Kraftwerke gibt, dann macht es durchaus Sinn, den Anteil der Importe zu erhöhen», so der Energieexperte.
Ein Plädoyer für Wärmekraftkopplung
Eine andere Perspektive bringt der grösste Gasendversorger der Schweiz ein, die industriellen Werke IWB der Stadt Basel. Direktor David Thiel verlangt, dass zuerst dort, wo bereits Gaskraft genutzt werde - bei Heizungen - investiert werde. So könnte die Wärme gleichzeitig zur Stromerzeugung genutzt werden - mit Wärmekraftkopplung in den Häusern. Das sei aus energetischer Sicht viel effizienter, so Thiel. «Wenn wir ein Kraftwerk haben, aus dem wir 90 Prozent Effizienz herausholen, ist das viel wirtschaftlicher als eines, bei dem 40 Prozent der Energie als Wärme oder sonstige Abgase an die Umwelt abgibt.»
Der Chef des Stadtbasler Energiewerks hofft, dass der Bundesrat dies bei der Energiestrategie berücksichtigt. Und dass er der erneuerbaren Energie und der Effizienz Zeit lässt, bevor grosse Gaskraftwerke gebaut werden. (ank)
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