«Smart Defence» - Auch die Nato muss sparen
Die Vertreter der Nato-Staaten wollen besser zusammenarbeiten und damit sparen. (Keystone)
Von Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent Schweizer Radio DRS
Soll es für die Nato nicht schon bald Zeit zum Zapfenstreich sein, dann muss sie sich reformieren. Den Ton setzte gleich zum Gipfelbeginn US-Präsident Barack Obama. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, müsse man die Kräfte bündeln.
Bisher trugen die USA mit Abstand die Hauptlast in der Allianz. Doch nun kürzen auch sie - nach Jahren des Wachstums - ihren Rüstungsetat um unzählige Milliarden.
Abbauen, verschlanken, verkleinern
Ausserdem wollen sich die USA stärker in Asien und weniger in Europa engagieren. Verteidigungsminister Leon Panetta fordert daher, dass die europäischen Partner ihre Verteidigungsausgaben erhöhen. Doch das ist unwahrscheinlich.
Auch die Europäer sind klamm. Also muss gespart werden. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagt: «Es werden Nato-Kommandozentren abgebaut, Strukturen verschlankt, der Brüsseler Hauptsitz verkleinert und so tausende von Stellen eingespart werden.»
Doch Kampfkraft und Einsatzbereitschaft soll das Bündnis nicht einbüssen. Zumal man bereits im sehr begrenzten Krieg in Libyen feststellte, wie rasch vor allem die europäischen Nato-Streitkräfte an Grenzen stossen.
Rasmussen fordert deshalb, die Allianz müsse trotz der wirtschaftlichen Zwänge von heute die Sicherheit von morgen gewährleisten, und zwar dank der jetzt in Chicago beschlossenen Nato-Strategie 2020. Mehr Zusammenarbeit, mehr Aufgabenteilung, mehr Spezialisierung unter den 28 Mitgliedsländern. Oder kurz «Smart Defence».
Neue Kultur der Zusammenarbeit
Ein Beispiel dafür ist die ab sofort zumindest teilweise funktionsfähige Nato-Raketenabwehr, die in Chicago präsentiert wurde. Allein könnte sich kein Land ein derart teures Vorhaben jemals leisten. Schon die neue Kommandoinfrastruktur kostet über eine Milliarde Dollar; von der Hardware, den Waffen ganz zu schweigen.
Rasmussen sieht den Raketenabwehrschirm als Beispiel für die neue Kultur der Zusammenarbeit. Ein weiteres Beispiel: Statt dass sich die baltischen Staaten eigene Luftwaffen zulegen, wird ihr Luftraum in einem Rotationssystem von andern Armeen geschützt - dafür stellen die Balten Einsatztruppen am Boden, etwa in Afghanistan.
Oder: Die Nato will sich jetzt gemeinsam fünf unbewaffnete Drohnen für die Bodenüberwachung zulegen. Ausserdem gemeinsame Luftbetankungsflugzeuge bauen und ferngesteuerte Roboter entwickeln, die Sprengfallen aufspüren.
All das wird unter «Smart Defence» verstanden oder, wie die Amerikaner auch sagen: «More Bang for the Buck», mehr Effekt für jeden Dollar. Nato-Chef Rasmussen deutet aber bereits an: Sinnvollerweise müsse man noch weiter gehen.
Souveränität kostet
Ein Bündnis sei das beste Sparprogramm. Bloss müsste man das Sparpotenzial weiter ausnützen. Noch immer haben viel zu viele Länder alles: Bodentruppen, Luftwaffe, Marine, Spezialkräfte. Noch immer entwickelt die Nato vier verschiedene Kampfflugzeuge, mehrere U-Boottypen, diverse Panzer. Mit militärischer Effizienz hat das wenig zu tun, jedoch viel mit dem Beharren auf nationaler Souveränität oder dem Schutz der heimischen Rüstungsindustrie.
Sicherheitsexperte Jean-Pierre Maulny von der französischen Denkfabrik Iris sagt, kleine Länder seien zu mehr Kooperation bereit, grössere wie Frankreich oder Grossbritannien zögerten zu sehr. Fragt sich einfach, wie lange man sich Doppelspurigkeiten noch leisten kann. Auch Souveränität ist letztlich eine Frage des Preises. (basn)
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