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Dienstag, 25.9.2012

Drohnen «terrorisieren» Menschen in Pakistan

Tod, Verletzungen und eine traumatisierte Gesellschaft, das seien die Folgen der Drohnen-Angriffe der CIA in den pakistanischen Stammesgebieten. Das sagt eine Studie, die von den Universitäten Stanford und New York veröffentlicht wurde. Sie zeichnet ein ganz anderes Bild vom Drohnenkrieg als die Regierung Obama.

Die USA setzen ungeachtet der Proteste Pakistans im Kampf gegen Islamisten weiter regelmässig Drohnen ein. (Keystone Archiv)

Karte: Pakistan, Nordwesten

Drohnen - die Legende vom sauberen Krieg

Nur wenige der durch Drohnenangriffe Getöteten sollen hochrangige Terroristen sein, heisst es in der Studie zu den US-Drohneneinsätzen. Wie wird der Bericht in den USA aufgenommen?

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 25.9.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

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Von Südasien-Korrespondentin Karin Wenger

«In unserem Gebiet fliegen sehr viele Drohnen. Wir wissen nie, wann sie die Raketen abschiessen», sagt ein Bewohner eines pakistanischen Stammesgebiets in einem Internet-Video. Dieses wurde zusammen mit dem Bericht «Leben mit Drohnen» von amerikanischen Wissenschaftlern veröffentlicht.

Es war Ramadan. Ein Überlebender erinnert sich: «Wir waren eben an einem Abend dabei mit den Kindern das Fasten zu unterbrechen.» Sie sprachen ihr Gebet, dann schlug die Rakete ein. «Meine zwei Söhne und ich überlebten. Mein Bruder, sein Sohn und mein Schwager kamen um.»

Seit 2004 setzt die CIA Drohnen in den pakistanischen Stammesgebieten, den Grenzgebieten zu Afghanistan, ein. Die Gebiete gelten als Rückzugsort für al-Qaida-Kämpfer, Taliban und das Haqqani-Netzwerk.

Mehr Drohnen-Angriffe
Obama hat die Drohnen-Angriffe massiv verschärft. Laut der Studie liess er in seiner Amtszeit mehr als 340 Drohnen-Angriffe fliegen. Zwischen 2500 und 3300 Personen wurden getötet. Alles Militante, sagt die amerikanische Regierung. Die Studie sagt etwas anderes.

«Wir haben dokumentiert, dass die Drohnen nicht nur Terroristen töten, sondern auch Zivilisten, Frauen und Kinder», sagt James Cavallo im Internetvideo. Er ist Professor an der juristischen Fakultät in Stanford und Mitautor der Studie.

Viele Zivilisten getötet
Bis zu 884 der Getöteten seien Zivilisten gewesen. Beinahe 180 Kinder seien in den vergangenen acht Jahren von den Drohnen getötet worden, heisst es in der Studie. Für diese wurden 130 Opfer, Angehörige und Ärzte aus den Stammesgebieten interviewt.

Die Drohnen beträfen weit mehr Menschen, als bloss die Opfer und deren Familien, sagt Sarah Knuckey, Rechtsprofessorin und Mitautorin der Studie.

Denn meist bleibe es nicht bei einem einzigen Angriff, sondern auf einen ersten folge ein zweiter oder dritter: «Zwischen dem ersten und zweiten Angriff kamen jeweils Familienangehörige, Nachbarn oder Ärzte, um den Verletzten zu helfen. Sie wurden dann von einem zweiten Angriff getroffen.»

Heute würden Nachbarn oder Ärzte in den Stammesgebieten kaum mehr helfen. Sie fürchteten sich vor weiteren Angriffen. Viele Kinder gingen aus Angst vor Drohnen-Angriffen nicht mehr in die Schule.

Trauma und Angstzustände
«Die Folgen der Drohnen-Angriffe sind Trauma und schwere Angstzustände und die Menschen verlassen ihre Häuser nicht mehr», kritisiert James Cavallo. Das Drohnen-Programm der CIA sei schlicht kontraproduktiv.

Die Leute der Stammesgebiete wussten bisher nichts über Amerika. Was sie jetzt von Amerika kennen sind Drohnen, Tod und Terror.

Das würde Amerika nicht zu einem sichereren Ort machen, wie die Regierung behauptet. Es treibe Zivilisten viel mehr in die Arme der Aufständischen. (basn;mz)

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Radiobeitrag von Karin Wenger
Hören (3:52)

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