Banken trauen sich nicht mehr über den Weg
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Die Banken leihen sich ihr «überflüssiges» Geld über Nacht nicht mehr untereinander aus, sondern deponieren es bei der EZB. Hintergrund ist die Euro-Schuldenkrise.
In der Nacht auf Dienstag «parkten» die Banken die Rekordsumme von 501,93 Milliarden Euro bei der Notenbank, nach 493,27 Milliarden Euro zu Wochenbeginn. Sie nutzen die EZB als eine Art Tresor für ihre überschüssige Liquidität.
1000 Mal so viel Geld wie vor 2007
Damit sind die Ein-Tages-Einlagen der Banken fast 1000 Mal so hoch wie im Durchschnitt des Jahres 2007 - also vor Ausbruch der ersten Finanzkrise im Zuge der Lehman-Pleite.
Zum Vergleich: Im Jahr 2007 galt es schon als ungewöhnlich, wenn die eintägigen Einlagen im einstelligen Milliardenbereich lagen. Der Höchststand hatte in dem Jahr lediglich 9,1 Milliarden Euro betragen. Im Durchschnitt lag der Wert jedoch deutlich niedriger bei 540 Millionen Euro. In letzter Zeit hatte der Höchststand lange bei 485 Milliarden Euro gelegen, er wurde im Sommer 2010 erreicht. Diesen Rekord hatten die Einlagen dann Anfang 2012 überschritten.
Keine Bank traut mehr der anderen
Die eintägigen Einlagen der Banken bei der EZB gelten als Zeichen für das Misstrauen der Institute untereinander. Normalerweise greifen Banken kaum auf dieses sehr kurzfristige Geschäft zurück, da die Konditionen ungünstig sind.
Der direkte Geldhandel zwischen den Banken funktioniert zurzeit aber nicht wie gewohnt. Grund ist das starke Engagement der Institute in Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder - man weiss nicht, welche Risiken noch in den Bilanzen der Anderen schlummern, und geht daher lieber auf Nummer sicher und parkt das Geld bei der EZB. Zur Zeit der Lehman-Krise waren es die Engagements der Banken in Wertpapiere mit faulen Immobilienkrediten, die für eine ähnliche Verunsicherung sorgten.
EZB pumpte 500 Milliarden in die Märkte
Darüber hinaus ist die Liquidität im Bankensektor derzeit aussergewöhnlich hoch: Ende 2011 hat die EZB mit einem Dreijahreskredit fast 500 Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt. Ein Teil dieses Geldes scheinen die Banken nun über Nacht bei der EZB zu halten.
Dass die Krisenstimmung unter den Instituten massgeblich deren Vorsichtskasse bei der EZB beeinflusst, zeigt ein Vergleich der letzten Jahre: Ausgehend vom Jahr 2007 stieg die durchschnittliche Kassenhaltung von 540 Millionen auf knapp 50 Milliarden Euro ein Jahr später.
Im Jahr 2009 lag der Wert schon bei knapp 110 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 stiegen die eintägigen Einlagen im Durchschnitt dann auf 145 Milliarden Euro, bevor sie im vergangenen Jahr auf 102 Milliarden Euro zurückgingen. In diesem Jahr haben die Banken im Schnitt 467 Milliarden Euro bei der Notenbank geparkt. (pet, dpa)
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