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Sonntag, 17.6.2012

Griechen entscheiden über die Zukunft des Euro

Wieder einmal blickt Europa nach Griechenland: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wird dort ein neues Parlament gewählt. Die rund zehn Millionen Wahlberechtigten entscheiden mit ihrer Stimme auch darüber, wie es mit dem Euro weitergeht. Letzte Umfragen deuteten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin.

Wahllokal in Athen: Bange Blicke in Richtung Griechenland. (Reuters)

In Griechenland haben die Parlamentswahlen begonnen - es sind die zweiten innerhalb von nur sechs Wochen. Weil sich die Parteien nach der Wahl am 6. Mai nicht auf eine Regierungskoalition einigen konnten, wurden wenig später Neuwahlen ausgerufen.

Um die rund 300 Mandate im Parlament bewerben sich 21 Parteien. Letzte Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Konservativen der Nea Dimokratia (ND) und dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) voraus. Die Konservativen setzen sich für die  Einhaltung des versprochenen Reform- und Sparkurses ein. Jedoch wollen sie eine erhebliche Lockerung der Sparmassnahmen aushandeln. Das Linksbündnis will die Sparauflagen der internationalen Geldgeber auf Eis legen.

Erste Prognose kurz nach Schliessung der Wahllokale
Mit einer ersten Prognose wird unmittelbar nach Schliessung der Wahllokale um 18.00 Uhr MESZ gerechnet, mit ersten Hochrechnungen gegen 19.30 MESZ. Wahlexperten erwarten jedoch eine lange Nacht, weil mit einem sehr engen Rennen zu rechnen ist.

Mit dem Ausgang der Parlamentswahl dürfte sich entscheiden, ob Griechenland Mitglied der Eurozone bleibt. Verabschiedet sich Athen vom Euro, drohen dramatische Folgen für andere Länder, möglicherweise für ganz Europa.

Es gilt als sicher, dass keine Partei die absolute Mehrheit erreichen wird. Auch diesmal muss dann eine Koalitionsregierung gebildet werden. Das neu gewählte Parlament muss über weitere Einsparungen in Höhe von knapp 11,5 Milliarden Euro entscheiden. Für die internationalen Geldgeber ist dies die Voraussetzung für weitere Unterstützung und den Verbleib Griechenlands in Euroland.

Entgegenkommen der Euroländer?
Zuletzt hatten hochrangige EU-Vertreter allerdings auch Entgegenkommen signalisiert. Den Griechen könne mehr Zeit gegeben werden, den im Gegenzug für die Milliardenhilfen vereinbarten harten Sparkurs umzusetzen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel machte allerdings deutlich, dass über die Inhalte nicht noch einmal diskutiert werden könne.

An den Finanzmärkten ist die Nervosität auch angesichts der Probleme in Spanien und Italien hoch. Im schlimmsten Fall - einem klaren Sieg der radikalen Linken - wird von Montag an mit erneuten Verwerfungen gerechnet. Es gilt daher als wahrscheinlich, dass sich die Euro-Spitzenpolitiker und Notenbanker noch am Sonntagabend über Gegenmassnahmen verständigen, die kurzfristig das Vertrauen an den Märkten sichern sollen.

Schlimmstes Szenario: Der Bank-Run
Spekuliert wird auch bereits darüber, ob - abhängig vom Wahlausgang - die griechischen Banken in der neuen Woche zunächst geschlossen bleiben. Gefürchtet wird ein sogenannter Bank-Run, bei dem die Griechen massenhaft ihre Sparguthaben abheben und damit auch in anderen Krisenländern Panik auslösen. Dieses Szenario gilt als besonders gefährlich. Auf EU-Ebene soll daher auch über sogenannte Kapitalverkehrskontrollen, die den Transfer oder auch das  Abheben von Geld einschränken, diskutiert worden sein. (ank, dpa)

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