Euro-Krise spitzt sich wieder zu
Sorgen vor Zerfall der Eurozone lassen den Dax tauchen. (Keystone)
Den Gläubigern Griechenlands reisst offenbar der Geduldsfaden: Trotz aller bisherigen Hilfen droht der Staatsbankrott. Auch für Spanien wird angesichts weiter steigender Schuldzinsen die Lage zunehmend gefährlicher. Die internationalen Finanzmärkte haben mit massiven Einbrüchen reagiert. Der Euro fiel unter die Marke von 1,21 Dollar und damit so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Athen im Rückstand
Griechenland forderte mehr Zeit, um die Sparauflagen der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu erfüllen. Die Troika muss bis im September bewerten, ob Griechenland vorwärts macht, Bedingungen erfüllt, damit im Herbst eine weitere Tranche Hilfsgelder nach Athen überwiesen werden kann.
Seit drei Monaten sind kaum Fortschritte zu erkennen beim Abbau der Pendenzen. Das umfangreiche Privatisierungsprogramm steht still. Die neue Regierung tut sich schwer, die diktierten Sparziele zu erfüllen. Daran ändert auch das eben beschlossene Sparpaket über 11,5 Milliarden Euro nichts.
Die griechische Wirtschaft schrumpft zudem noch stärker und schneller als befürchtet; nicht minus 4,5 Prozent, sondern minus 7 Prozent in diesem Jahr. Dem griechischen Staat fliessen noch weniger Steuereinnahmen zu als einmal kalkuliert. Weitere Milliarden Euro gälte es einzusparen. Darum dreht die Spirale weiter nach unten; denn weitere Sparprogramme des Staates lassen die griechische Wirtschaft weiter schrumpfen.
Griechenland fordert mehr Zeit
Etwas mehr Zeit, zum Beispiel zwei Jahre, könnte Griechenland helfen, das Spar- und Reformprogramm zu etappieren. Das würde aber bedeuten, dass ein drittes Rettungspaket nötig wäre - bis 50 Milliarden Euro zusätzlich für Griechenland. Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro reichten somit nicht mehr aus.
Niemand rechnet damit, dass die Troika dazu Hand bieten könnte. Darum wird jetzt Druck gemacht auf Griechenland. Regierungsvertreter aus dem Norden Europas lassen sich zitieren: Jetzt müssen endlich Taten folgen in Griechenland.
EU dementiert Ausschluss Griechenlands
Viele Regierungen der Euro-Zone - allen voran Deutschland - scheinen nicht mehr bereit, neue Lasten zu schultern. Auch der IWF steht Berichten zufolge zusätzlichen Hilfen skeptisch gegenüber. Die Organisation verwies in einer Stellungnahme dazu lediglich auf die Prüfungen der Troika, die am Dienstag in Athen beginnen sollen.
Auch die EU-Kommission dementierte Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. «Griechenland muss und wird in der Euro-Zone bleiben», sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.
Doch die Anleger liessen sich davon nicht beeindrucken. «Der Markt hat offenbar jedes Vertrauen in das Krisenmanagement verloren», hiess es von Devisenexperten. Immer deutlicher zeichne sich ab, dass Griechenland aus dem Euroraum hinausgeworfen werden solle.
Sorgen um Finanzlage Spaniens
Schlechte Nachrichten kommen auch vom anderen Sorgenkind der Eurozone. Für Spanien spitzt sich die Lage an den Finanzmärkten dramatisch zu. Die Renditen für Staatsanleihen erreichten in vielen Laufzeiten neue Rekordstände. Mittlerweile liegt die Rendite nicht nur im Zehnjahresbereich über der kritischen Marke von sieben Prozent. Dieses hohe Niveau gilt auf Dauer als nicht finanzierbar.
Händler begründeten die Eskalation vor allem mit finanziellen Problemen der spanischen Regionen. Nachdem bereits am Freitag die Region Valencia die Zentralregierung in Madrid um Hilfe gebeten hatte, könnten sich dem Hilfsersuchen weitere Regionen anschliessen. Eine Beruhigung der Märkte brachte zuvor weder das neue, drastische Sparpaket in Höhe von bis zu 65 Milliarden noch die Bewilligung von Finanzspritzen von bis zu 100 Milliarden Euro für die maroden spanischen Banken durch die Euro-Finanzminister.
Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos zeigte sich ungeachtet der kritischen Lage Spaniens zuversichtlich, dass das Land nicht unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. (chli,nab, dpa/sda/reuters)
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