EZB-Chef beflügelt die Finanzmärkte
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. (Archiv Keystone)
Die Hoffnung auf eine aktivere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Euro-Krise hat dem japanischen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index gewann 1,4 Prozent. Der breiter gefasste Topix-Index legte 1,5 Prozent zu.
Bereits am Donnerstag reagierten die Finanzmärkte in Europa und den USA fast euphorisch auf die Äusserungen Draghis. Der Eurokurs schoss in der Folge um mehr als 1,5 Cent in die Höhe und übersprang die Marke von 1,23 US-Dollar.
Draghi: «Das wird ausreichen»
Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten», sagte Draghi auf einer Investorenkonferenz in London und schürte damit die Erwartungen auf ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Schuldenkrise. «Und glauben Sie mir, das wird ausreichen.» Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, «fällt das in unser Mandat».
Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.
Draghi erhielt für seinen Vorstoss umgehend Beifall vom französischen Finanzminister Pierre Moscovici, der die Äusserungen als «sehr positiv» bezeichnete.
Indirekte Staatsfinanzierung
Der EZB ist die direkte Staatsfinanzierung nach ihren Statuten verboten. Das tat sie aber bis Jahresanfang indirekt, indem sie Staatsanleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro am Markt erwarb und so die Kreditkosten der Krisenländer drückte.
Seit vielen Wochen ruht dieses Kaufprogramm. Da die Zinsen von Italien und Spanien inzwischen auf Rekordhöhen gestiegen sind, wächst aber der Druck auf die EZB, wieder aktiv zu werden. Draghi dürfte bei einer Wiederaufnahme auf Widerstand aus Deutschland und anderen Kernländern stossen.
Geldpolitik verpufft
Der EZB-Präsident dürfte die Kritiker mit dem Hinweis zu überzeugen versuchen, dass die Geldpolitik der EZB wegen der Schuldenkrise verpufft. Weder die Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,75 Prozent noch die riesigen Finanzspritzen für die Banken haben die Panik an den Märkten, die Gefahr einer Kreditklemme in den Krisenstaaten und den Konjunkturabschwung verhindern können.
Ein Grund dafür ist, dass die Kurse von Staatsanleihen von Krisenstaaten abgerutscht sind und die Bilanzen vieler Banken schwächen. Diese halten sich deshalb mit der Kreditvergabe zurück. Mit dem Kauf dieser Papiere könnte die EZB zumindest für eine Verschnaufpause sorgen.
Reaktionen der Börse
Am stärksten profitierten die angespannten Anleihemärkte der Krisenstaaten Spanien und Italien: Im längeren und richtungsweisenden Laufzeitbereich von zehn Jahren sank die Rendite für spanische Staatsanleihen erstmals seit einer Woche wieder unter die kritische Marke von 7 Prozent. Bei kurzlaufenden Titeln von zwei Jahren gaben die Renditen sowohl in Spanien als auch Italien noch kräftiger um mehr als einen halben Prozentpunkt nach.
Der deutsche Leitindex stieg nach den Aussagen Draghis deutlich. Mit einem Aufschlag von 2,75 Prozent auf 6582,96 Punkte ging der DAX über die Ziellinie. Der Swiss Market Index (SMI) notierte bei Börsenschluss bei 6277,74 Punkten und damit 1,57 Prozent im Plus. Der Dow Jones stieg zu Handelsbeginn ebenfalls deutlich um über 1,8 Prozent. (lin/bat; nab, rtd)
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