Finnland: Vom Musterschüler zum Euro-Kritiker
Finnlands Wirtschaft hat lange Jahre von der EU-Mitgliedschaft profitiert. (Reuters Archiv)
Von Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann
Es war ein Tabubruch, den die sozialdemokratische finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen wagte: «Der Euro ist gut für Finnland, wir werden diese Währung allerdings nicht zu jedem Preis verteidigen, denn Finnland ist politisch nicht bereit für eine vertiefte Integration», erklärte Urpilainen und machte damit das wachsende Unbehagen der eigenen Partei, aber auch der nationalkonservativen Oppostion deutlich.
FIXIT als denkbare Möglichkeit
Zur Debatte steht somit Finnlands Rolle als Mitglied der Eurozone. Eine Debatte, die den amerikanischen Starökonomen Nouriel Roubini zur Vorhersage veranlasst hat, dass Finnland schon bald das erste Land sein werde, dass die Eurozone verlassen werde.
Für Roubini ist dieser Schlusssatz – medienwirksam als FIXIT umschrieben – naheliegend, stünden doch auch die anderen nordeuropäischen EU-Länder ausserhalb des Euro – und seien damit ganz gut gefahren.
In der EU will man bleiben
Finnland trat 1995 nach einer Volksabstimmung der Europäischen Union bei. Beim Übergang zum Euro verzichtete das nordische Land jedoch im Unterschied zu Schweden und Dänemark fünf Jahre später auf eine Abstimmung - denn nach der schweren Wirtschafts-Krise zu Beginn der 1990-er Jahre wurde die Gemeinschaftswährung von den meisten Finninnen und Finnen als eine Art Lebensversicherung für ein kleines Land am Rande Europas betrachtet – dessen längste Landgrenze diejenige zu Russland ist.
An dieser Grundhaltung hat sich bis heute wenig geändert und deshalb ist für Finnland einen Austritt aus der EU, die eine Rückkehr zur eigenen Währung auch bedeuten würde, keine Option.
Kritik am Ausstiegsszenario
Nicht zuletzt aus diesem Grund haben führende finnische Politiker scharf auf die Aussagen der Finanzministerin reagiert – so etwa der für Budget- und Währungsfragen zuständige finnische EU-Kommissar Olli Rehn, der davor warnte, dass aus Worten bald Handlungen werden könnten. «Wir müssen sehr darauf aufpassen, wie wir als führende Politiker sprechen», sagte Kommissar Rehn.
Finanzministerin Urpilainen, von der Heftigkeit der Reaktionen im In- und Ausland überrascht, hat nun deshalb zum rhetorischen Rückzug geblasen und verlas am Wochenende vor den internationalen Medien eine kurze Erklärung. «Wir stehen voll zum Euro und wollen dazu beitragen, dass diese Krise mit effizienten Massnahmen gelöst werden kann», erklärte Urpilainen in Helsinki.
Was unter diesen Massnahmen zu verstehen ist, möchte die finnische Regierung schon in dieser Woche auf den Tisch legen, wenn mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti ein Vertreter des kriselnden europäischen Südens zu einem offiziellen Besuch in der finnischen Hauptstadt erwartet wird. (wedj;bru)
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