Experten sehen erste Zeichen der Hoffnung
Von Wirtschaftsredaktor Thomas Oberer
Das schwer verschuldete Spanien steigerte in der ersten Jahreshälfte 2012 die Exporte um 3,4 Prozent. Nach Portugal kommen im Moment so viele Touristen wie noch nie. In Irland sind die Arbeitskosten massiv gesunken, was das Land wettbewerbsfähiger macht. In Griechenland hat die Industrieproduktion erstmals seit drei Jahren wieder ganz leicht zugenommen. Das seien «ersten Hoffnungsschimmer» für eine konjunkturelle Wende in einzelnen Krisenländern, sagt Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. Es zeige aber auch, dass strukturelle Veränderungen Fuss fassten und die notwenigen Anpassungen vorgenommen würden, und «das ist vielleicht noch viel wichtiger», betont er gegenüber Schweizer Radio DRS.
Verbesserung auf tiefem Niveau
Die Lage bleibt jedoch prekär. Die Verbesserungen finden auf tiefem Niveau statt. Trotzdem findet Holger Schmieding, Chefökonom der deutschen Privatbank Berenberg, man müsse anerkennen, was die Politik geschafft habe. Unter dem Druck der Krise gelinge es Ländern Wirtschaftsreformen umzusetzen, die in «konjunkturellen Normalzeiten» nicht durchsetzbar gewesen wären.
Schmieding nennt etwa Spanien, wo eine umfassende Arbeitsmarktreform durchgedrückt wurde. Oder Irland, das die Mindestlöhne senkte, um wieder ausländische Investoren anzuziehen. Und Portugal, das die Arbeitszeiten verlängerte und Feiertage sowie Ferien kürzte. Auch Griechenland setzte erste Reformschritte um. In der Folge wuchs dort das Bruttoinlandprodukt erstmals wieder leicht.
Keine Alternative zu Sparkurs
Den Preis für die Reformen bezahle zwar die Bevölkerung, die Reformen trügen aber dazu bei, einen grösseren Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern, stellt Schmieding fest. Leider sei es so, dass in den Ländern, in denen die Menschen über ihre Verhältnisse gelebt haben, jetzt eine lange Durststrecke beginne. Boysen-Hogrefe sieht es ähnlich. Allerdings gebe es wohl gerade für Griechenland kaum Alternativen zu einem harten Sparkurs. Es sei ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess, um die das schwer verschuldete Land wieder neu aufzustellen und gegebenenfalls die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern sowie ein nachhaltigeres Wachstumskonzept durchzusetzen.
Zinse für Staatsanleihen leicht gefallen
Die positiven Wirtschaftsmeldungen waren nur ein Grund dafür, dass die Zinsen für Staatsanleihen der Krisenstaaten in den letzten Tagen leicht gefallen sind. Das nimmt ein wenig Druck von den dortigen Regierungen. Gestärkt hat diese Entwicklung aber auch das Gerücht, die Europäische Zentralbank (EZB) werde notfalls wieder unbegrenzt Staatsanleihen kaufen, wenn diese zu teuer sind.
Die Andeutungen aus dem Umfeld der EZB, sie lasse kein Land fallen, seien zwar heikel mit Blick auf die Unabhängigkeit der Zentralbank, sagt Holger Schmieding. Aber in der aktuellen Krise sei das wohl der richtige Weg. Er verweist dabei auf die Schweiz. «Seit die Schweizer Nationalbank erklärt hatte, sie werde eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro nicht mehr zulassen, beruhigte sich zumindest am Wechselkurs des Frankens einiges».
Eine Beruhigung sei in der Eurozone aber noch nicht zu beobachten. Eine Zinsbelastung von immer noch rund sechs Prozent belastet die Haushalte der Krisenstaaten schwer und ist langfristig kaum zu tragen, wie Schmieding feststellt. Damit ist klar: Die letzten Entwicklungen in den Euro-Krisenstaaten gehen in die richtige Richtung, ausgestanden sind die Probleme aber noch lange nicht. (nab)
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