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Donnerstag, 11.10.2012

Lagarde fordert zwei Jahre Aufschub für Athen

Der IWF fordert die reichen Mitgliedsländer zu mehr Entschlossenheit bei der Bekämpfung ihrer Schuldenprobleme auf. Was Griechenland betrifft, verlangt IWF-Chefin Lagarde einen Aufschub von zwei Jahren. Deutschland geht auf Konfrontationskurs mit dem IWF.

Viele Fragen an IWF-Chefin Christine Lagarde an der Medienkonferenz zum Auftakt der Herbsttagung in Tokio. (Reuters)

Lagardes Verständnis für Griecheland passt Schäuble nicht

Wenn morgen in Tokio das Jahretreffen von IWF und Weltbank offiziell beginnt, wird die Eurokrise wieder das dominierende Thema sein. Es knistert bereits im Vorfeld: Zwischen dem IWF und Deutschland bahnt sich ein Streit um Griechenland an.

Beitrag aus Rendez-vous vom Donnerstag, 11.10.2012, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

Die Chefin des Internationale Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde hat die Europäische Union zur raschen Lösung der Schuldenkrise aufgefordert. «Wir erwarten Taten und wir erwarten mutiges und kooperatives Handeln von Seiten unserer Mitglieder», sagte sie zum Auftakt der Herbsttagung in Tokio.

Ob man nun nach Europa, in die USA oder auch andere Regionen blicke, vielerorts herrsche Unsicherheit, was Investoren von der Schaffung neuer Arbeitsplätze abhalte. «Wir brauchen Taten, um den Schleier der Unsicherheit zu verdrängen», fügte Lagarde hinzu.

Kritik von Japan
Gastgeber Japan kritisierte vor allem die Länder der Euro-Zone. Finanzminister Koriki Jojima bezeichnet die Schuldenkrise in Europa als grösstes Risiko für die Weltwirtschaft. «Wir hoffen, dass die europäischen Staaten ihre Meinungsverschiedenheiten überwinden und ihre Bemühungen für Geschlossenheit verstärken, um eine wirkliche Währungsunion zu schaffen», erklärte er.

Allerdings musste Japan auch selbst Kritik vom IWF einstecken, weil die Regierung in Tokio bislang keine konkreten Pläne vorgestellt hat, wie sie ihre eigenen Schuldenprobleme mittelfristig in den Griff bekommen will.

Mehr Zeit für Griechenland
Für Griechenland forderte Lagarde mehr Zeit. «Es ist manchmal besser, etwas mehr Zeit zu haben», sagte die Französin. «Ein Aufschub von zwei Jahren ist (für Griechenland) notwendig, um das Konsolidierungsprogramm zu bewältigen.»

Lagarde hatte sich zuvor schon mehrmals aufgeschlossen gegenüber einem zeitlichen Aufschub für Athen gezeigt. So deutlich für zwei Jahre mehr Zeit trat sie bisher aber noch nicht ein.

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras wirbt bei seinen Geldgebern seit längerem um einen zweijährigen Aufschub für die Erfüllung der drastischen Sparauflagen. Die internationale Gläubiger-Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) prüft derzeit die Spar- und Reformfortschritte der Regierung in Athen.

Deutschland gegen neuen Schuldenschnitt
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wollte die Äusserungen von IWF-Chefin Lagarde zum Aufschub der griechischen Konsolidierungsziele nicht kommentieren. Er ging aber insgesamt vor Beginn der IWF-Tagung in Tokio auf Konfrontation zum Internationalen Währungsfonds.

Er lehnte beispielsweise den Vorschlag ab, dass Griechenland durch einen Forderungsverzicht der staatlichen Gläubiger geholfen werden sollte. «Das ist einer der Vorschläge, die nicht zielführend ist», merkte er zur Debatte über einen weiteren Schuldenschnitt an.

Was Griechenland angehe, so Schäuble weiter, gelte, dass das Land immer wieder betont habe, dass es im Euro bleiben wolle. «Wenn Griechenland das will und die Massnahmen umsetzt, gibt es niemanden, der Griechenland aus der Euro-Zone drängen will.» In erster Linie liege es an Griechenland selbst.

Wenn der Troika-Bericht von IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission zu den Reformschritten positiv ausfalle, könne die nächste Hilfetranche ausgezahlt werden - und wenn nicht, dann nicht. Griechenland müsse erheblich wettbewerbsfähiger werden. Das Land sei zu teuer.

Ohne Zahlungen droht erneut Staatspleite
Ohne einen positiven Bericht der Troika muss das krisengeschüttelte Land um die Überweisung einer weiteren Hilfszahlung von 31,5 Milliarden Euro bangen. Stellen die internationalen Geldgeber jedoch die Unterstützung ein, steht das Land vor der Staatspleite.

Die nach Athen entsandten IWF-Mitarbeiter versuchten unermüdlich, die Differenzen zwischen den internationalen Geldgebern und dem verschuldeten Euroland aufzulösen, sagte Lagarde weiter. Die Diskussionspunkte seien der Defizitabbau, Strukturreformen, der Finanzsektor und die Verschuldung. Der IWF wolle dem Land helfen, wieder auf die Beine zu kommen. (bru;prus, sda/Reuters/dapd/afp/dpa)

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Dossier, Letztes Update: Dienstag, 11.12.2012

Die Schuldenkrise in Europa

Wegen der immensen Staatsschulden einiger europäischer Länder steht die Gemeinschaftswährung Euro massiv unter Druck. Trotz eines Billionen-Rettungsschirms für Defizitsünder ist der Euro noch immer nicht über den Berg.  Mehr


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