Norwegen unter Schock
Zerstörtes Gebäude im Osloer Regierungsviertel. (Reuters)
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Bei zwei schweren Anschlägen in Norwegen sind nach offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen getötet worden. Sieben von ihnen starben durch die Explosion einer Bombe, möglicherweise auch mehrerer Bomben vor dem Amtssitz des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg. Wenige Stunden danach griff ein Mann ein Jugendlager der regierenden Sozialdemokraten an, schoss um sich und tötete nach Angaben der Polizei mindestens zehn Menschen.
Die Polizei hält einen Zusammenhang zwischen beiden Taten für wahrscheinlich. Nach der Schiesserei wurde ein tatverdächtiger Norweger festgenommen. Nach Angaben der Polizei verweigert der Mann die Aussage.
Premier Stoltenberg trat am späten Abend vor die Presse und beschwor den Zusammenhalt im Land. Die Bevölkerung solle auf die Polizei hören. Er habe eine Botschaft an die Täter: «Ihr werdet unsere Demokratie und unser Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören.» Niemand könne Norwegen «zum Schweigen schiessen», das Land werde nicht aufhören, zu seinen Werten zu stehen.
Explosion am Regierungssitz von Premier Stoltenberg
Am Nachmittag hatte zunächst eine schwere Explosion das Regierungsviertel der Hauptstadt erschüttert. Die Bombe - sie war möglicherweise in einem Auto deponiert - war vor Stoltenbergs Amtssitz im Zentrum der norwegischen Hauptstadt explodiert und beschädigte mehrere umliegende Gebäude. Auf Bildern vom Anschlagsort war grosse Zerstörung auszumachen: Fensterscheiben zerbarsten, auf den Strassen lagen Trümmer.
Stoltenberg hielt sich zur Tatzeit nicht in seinem Büro auf. Er hielt seinen Aufenthaltsort auf Anraten der Polizei zunächst geheim. In einem Radiointerview sagte er, alle Minister seines Kabinetts seien unversehrt.
Die Polizei rief die Bevölkerung zum Verlassen der Innenstadt auf und riet, grössere Menschenansammlungen zu meiden. Rund um die Innenstadt bezogen am Abend Soldaten Stellung.
Schiesserei in Jugendlager
Mehrere Stunden nach dem Angriff auf das Regierungsviertel kam es dann zu dem Angriff auf ein Jugendlager von Stoltenbergs Partei auf der Insel Utoeye vor der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, ein als Polizist gekleideter grosser, blonder Mann habe das Feuer auf die Anwesenden eröffnet - die meisten sollen Teenager gewesen sein.
Später kreisten Hubschrauber über dem Lager. Medienberichten zufolge sollte Stoltenberg am
Samstag vor den Teilnehmern des Sommerlagers sprechen, am Freitag war die frühere Regierungschefin Gro Harlem Brundtlandt erwartet worden.
Hintergründe unklar
Die Hintergründe der Taten sind bislang noch völlig unklar. Politische Gewalt ist in Norwegen praktisch unbekannt. Das Land hatte wegen seines militärischen Engagements in Afghanistans und Libyens in der Vergangenheit zwar Drohungen erhalten, diese blieben aber folgenlos. (ank, sda/dapd/dpa/reuters)
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