Attentäter von Oslo spricht von Komplizen
Anders Behring Breivik nach der ersten Anhörung vor Gericht Ende Juli 2011. (Reuters)
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Der Attentäter von Oslo hat nach eigener Aussage mit anderen Rechtsextremen zusammengearbeitet. Anders Behring Breivik habe von einer Organisation gesprochen, in der es zwei weitere Zellen gebe, sagte Untersuchungsrichter Kim Heger nach der knapp einstündigen Anhörung am Montag.
Der 32-Jährige Breivik habe den Mord an mehr als 70 Menschen gestanden, sich aber für unschuldig erklärt, sagte Heger. Er ordnete für Behring Breivik acht Wochen Einzelhaft und zusätzlich einen Monat Kontaktsperre an. Breivik dürfe weder Zeitungen noch Briefe erhalten und auch keine Besucher empfangen, erklärte der Richter des Osloer Gerichtes. Von dem Attentäter gehe weiter ein grosses Risiko aus. Es sei hinreichend erwiesen, dass der Beschuldigte mit Terror-Vorsatz gehandelt habe.
Massenmord als «Signal an das Volk»
Zu seiner Verteidigung habe Breivik ausgesagt, er habe Westeuropa vor einer Übernahme durch Moslems schützen wollen. Ziel des Angriffes sei es gewesen, ein starkes Signal an das Volk zu senden.
Den regierenden Sozialdemokraten habe er vorgeworfen, das Land verraten zu haben. Sie hätten einen «Massenimport von Moslems» betrieben. Zu den Motiven meinter der Richter schliesslich, sie seien «nicht weiter erörterungswürdig.»
Keine öffentliche Anhörung
Die Anhörung Breiviks fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dies hatte der Richter zuvor verfügt, um dem rechtsextremen Mann nicht noch mehr Plattform zu bieten.
Eine Gerichtssprecherin begründete den Ausschluss der zahlreich erschienenen Medienverterter mit Sicherheitsproblemen und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine geschlossene Anhörung beantragt.
Öffentlichkeit vom Attentäter erwünscht
Breivik hatte in Verhören nach den beiden Anschlägen vom Freitag mit mindestens 93 Toten erklärt, dass er seine Motive vor dem Haftrichter darlegen wolle. Dafür wünsche er Öffentlichkeit. Gemäss seinem Anwalt Geir Lippestad wünschte der Mann, der sich selbst ein «Kreuzfahrer gegen eine Flut des Islam» nennt, für den Gerichtstermin eine Uniform tragen zu dürfen.
In seinem sogenannten Manifest im Internet hatte der Mann geschrieben, dass er die Zeit nach einer möglichen Festnahme als «Propagandaphase» nutzen wolle. Anwalt Lippestad hatte im Fernsehen erklärt, es falle ihm insgesamt schwer, die Äusserungen Breiviks bei den Polizeiverhören «in vernünftiger Form» wiederzugeben.
Debatte um Meinungsfreiheit
Das Problem hat in Norwegen eine Debatte über das Recht der freien Meinungsäusserung ausgelöst. Im Gegensatz steht die Ansicht, dass ein Mann, der die Psyche der Nation derart erschüttert hat, nicht die Möglichkeit erhalten soll, seine Ansichten darzulegen.
Dass Breivik sich der Polizei ergab, nachdem er auf der kleinen Insel Utøya 86 Jugendliche ermordet hatte, unterstreicht seinen Wunsch, eine öffentliche Plattform für seine radikalen Gedanken zu erhalten. In anderen Fällen von bewaffneten Amokläufen begingen die Täter im Moment, als die Polizei kam, Selbstmord.
Bombentaugliche Chemikalien stärker kontrollieren
Die EU-Kommission hat als Reaktion auf die Anschläge in Norwegen schärfere Kontrollen für den Verkauf von bombentauglichen Chemikalien gefordert.
Danach soll der Verkauf von Chemikalien, die für den Bau von Bomben genutzt werden können, in grösseren Mengen verboten oder streng kontrolliert werden. Düngemittel, Haltbarmacher von Lebensmitteln, Desinfektionsmittel, Insektenmittel und Aceton gehören zu den Produkten, aus denen Sprengsätze gebastelt werden können.
Norwegens Geheimdienst PST war bereits im März auf den Attentäter Anders Behring Breivik wegen eines Chemikalienkaufs aufmerksam geworden. Das bestätigte Geheimdienstchefin Janne Kristiansen im TV-Sender NRK.
Breivik habe bei einem polnischen Händler für Chemikalien eine Summe von 120 Kronen (18 Franken) eingezahlt und sei deshalb auf entsprechenden Listen aufgetaucht. Dies sei aber nicht ausreichend für eine aktive Überwachung gewesen.
Norweger gedenken der Attentatsopfer
Hunderttausende Norwegerinnn und Norwerger haben sich am frühen Montagabend in Oslo und anderen Städten im Gedenken an die 76 Opfer der Anschläge von Freitag zu «Blumenzügen» versammelt. In der Hauptstadt füllte die Menschenmenge weite Teile der Innenstadt am Rathaus. (brar, mz/sda/dpa/reuters/afp)
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