Norwegen: «Das Volk hat gewonnen»
Toleranz statt Hass: «Der Attentäter scheiterte, das Volk hat gewonnen», sagte Ministerpräsident Stoltenberg. (Keystone)
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Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte während einer Kranzniederlegung in Oslo, der Attentäter habe viele Menschen umgebracht und unfassbares Leid ausgelöst. Sein eigentliches Ziel aber habe er verfehlt.
«Seine Bombe und die Schüsse sollten Norwegen verändern. Das norwegische Volk antwortete, indem es sich zu den eigenen Werten bekannte. Der Attentäter scheiterte, das Volk hat gewonnen», sagte Stoltenberg.
Plädoyer für Toleranz
Er forderte seine Landsleute auf, weiter Toleranz und gegenseitige Wärme zu zeigen und auf Hass zu verzichten. Er sagte: «Heute wollen wir einander daran erinnern, dass die Liebe ewig währt. Das Gute und die Freude lassen sich nicht auslöschen.»
Stoltenberg sprach gemeinsam mit König Harald V. vor dem schwerbeschädigten Hochhaus, in dem bis zum Bombenanschlag auch sein Arbeitsplatz war. An der Zeremonie nahmen auch Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit teil, deren Stiefbruder bei dem Anschlag auf Utøya getötet worden war.
Vor einem Jahr hatte Breivik vor diesem Hochhaus eine Autobombe platziert, durch die acht Menschen starben. Danach beging er als Polizist verkleidet ein Massaker beim traditionellen Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation (AUF) auf Utøya und tötete 69 Teilnehmer.
Mehr Einsatz gegen Hass-Stimmen
Bei der anschliessenden Gedenkfeier auf Utøya verlangte Stoltenberg mehr Einsatz gegen Hass-Stimmen im Internet. «Das Internet wird von schikanösen Angriffen überschwemmt. Wir haben diese hasserfüllten Äusserungen zu lange übersehen. Wir können und wollen die Augen nicht länger schliessen», sagte er.
Als Gastrednerin auf Utøya sagte die sozialdemokratische Ministerpräsidentin aus dem Nachbarland Dänemark, Helle Thorning-Schmidt: «Die ganze Welt schaut auf Norwegen und bewundert euch. Ihr habt mit eurer Reaktion auf den Terror Sinn gestiftet und eine Richtung gewiesen.»
Auf der kleinen Fjordinsel hatten sich am Sonntag Überlebende und Hinterbliebene des Massakers vom 22. Juli 2011 zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit versammelt.
Urteil im August
Am 24. August verkündet das Osloer Gericht sein Urteil gegen den in der Haftanstalt Ila einsitzenden Breivik. Der Attentäter begründet sein Verbrechen als «Teil des Kampfes» gegen Zuwanderung aus islamischen Ländern und die sozialdemokratischen Befürworter eine multikulturellen Gesellschaft. (bat, dpa/sda/reuters)
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