SNB-Präsident: Entspannung – keine Entwarnung
SNB-Präsident Jordan wacht über den Euro-Franken-Mindestkurs, der seit einem Jahr gilt. (Keystone Archiv)
Nationalbankpräsident Jordan ist überzeugt: Das Ja des deutschen Bundesverfassungsgerichts zur Beteiligung Deutschlands am Euro-Rettungsfonds ESM hat das Vertrauen in den Euro gestärkt. Nun habe man die Instrumente in der Hand, um die Krise zu bewältigen, sagt Jordan.
Kursanbindung hat viel gebracht
Vor einem Jahr, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs zum Euro festlegte, sah alles ganz anders aus: Damals bestand die akute Gefahr, dass die Exportunternehmen massiv geschädigt würden. SNB-Präsident Jordan spricht gar von einer Deflation, die gedroht habe, also ein stetiges Sinken der Preise auf breiter Front: «Die negativen Folgen wären riesig gewesen.»
Seither interveniert die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt. Konkret: Wenn zu viele Anleger Franken kaufen wollen und damit die Gefahr besteht, dass der Frankenkurs steigt, dann kauft die SNB ihrerseits Devisen – bis jetzt im Umfang von 400 Milliarden Franken.
Devisenberg wirft Fragen auf
Dass dieser Eingriff Fragen aufwirft, findet Thomas Jordan verständlich. Aber die meisten Leute wüssten auch um die Gefahren eines zu starken Frankens und seien imstande, zwischen den beiden Problemen zu unterscheiden.
Jordan betont: «Die SNB ist sich der Risiken bewusst – genau darum verfolgen wir die Wechselkurspolitik mit aller Konsequenz».
Risiko einer Immobilienblase
Zwei Gefahren bestehen durch die Wechselkurspolitik der Nationalbank: Dass das viele Geld zu Inflation führt, und dass wegen der tiefen Zinsen leichtfertig Hypotheken vergeben werden.
Eine akute Gefahr von Inflation sieht SNB-Präsident Jordan zur Zeit nicht. Und dies, obwohl die Geldmenge immer mehr ausgeweitet wird. Grund sei, dass der Franken trotz Intervention immer noch sehr stark sei, und das viele Geld sich bis jetzt nicht auf die Preise ausgewirkt habe. Bis 2014 dürfte das so bleiben, erwartet Jordan.
Grössere Sorgen bereiten dem SNB-Präsidenten die vielen Hypotheken: Tiefe Zinssätze heizen den Immobilienmarkt an, treiben das Hypothekarvolumen in die Höhe. Mittelfristig bestehe das Risiko einer Blase, warnt Jordan.
Aber die SNB kennt Gegenmittel: Jordan nennt den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer. Damit werde es für Banken weniger attraktiv, Hypotheken zu vergeben. Noch sei es nicht so weit, sagt SNB-Präsident, aber die Nationalbank bleibe wachsam. (smus;basn;prus)
