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Mittwoch, 22.8.2012

Schweizer Anwälte sehen Rechtsstaat bedroht

Der Schweizerische Anwaltsverband gilt als politisch diskret. Doch im Steuerstreit mit den USA meldet er sich nun zu Wort. Ungewöhnlich scharf kritisiert er die Lieferung der Daten von Bankmitarbeitern an die USA.

Banken haben mit dem Segen des Bundesrats Daten ihrer Mitarbeiter an die USA geliefert. (Keystone)

Datentransfers an die USA bergen innenpolitischen Sprengstoff

Der Bundesrat wollte den Rechtsstreit eigentlich im Rahmen einer Globallösung regeln, die USA wollen aber bei den elf Schweizer Bankhäusern keinen Kompromiss. Ist der Bundesrat zu weit gegangen?

Beitrag aus Rendez-vous vom Mittwoch, 22.8.2012, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

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Von Inland-Redaktor Oliver Washington

Der Schweizerische Anwaltsverband sieht durch die Lieferung der Daten von Bankangestellten an die USA Grundpfeiler des Rechtsstaates bedroht. Konkret schreibt der Anwaltsverband in einer Stellungnahme, die in den nächsten Tagen in der «Anwaltsrevue» veröffentlicht wird: «Das Interesse eines privaten Unternehmens - in diesem Fall von Banken - rechtfertigt es in einem Rechtsstaat nie, die Persönlichkeitsrechte Dritter zu verletzen, selbst wenn dies mit dem Einverständnis des Bundesrates passiert.» Die Daten von Bankangestellten hätten nie an die USA geliefert werden dürfen, so der Verband weiter. Es gehe um den Respekt und das Vertrauen in die Institutionen der Schweiz, und dies sei unbezahlbar.

Zusätzlich kritisiert der Anwaltsverband, dass der Bundesrat seine Einwilligung zur Datenlieferung auf Artikel 271 des Strafgesetzbuches stützt. Dieser Artikel biete rechtlich keine genügende Grundlage dazu. Der Bundesrat hätte Notrecht anwenden und dies auch so kommunizieren müssen.

Zurückhaltender Verband
Dass sich der Schweizerische Anwaltsverband so klar und deutlich in eine politische Debatte einmischt, hat Seltenheitswert. Das bestätigt auch Verbandsvorstand Michael Hüppi: «Der Schweizerische Anwaltsverband hält sich als neutrale Organisation von der politischen Diskussion fern. Er behält sich jedoch das Recht vor und erachtet es auch als Pflicht, seine Stimme mahnend zu erheben, wenn er Grundsätze und Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates in Gefahr sieht - zumal es ja meistens die Anwälte sind, die sich an vorderster Front für die Rechte der Betroffenen einsetzen.»

Der Verband mische sich jetzt in die politische Debatte ein, weil er die Lieferung von Bankmitarbeiter-Daten an die USA für nicht vereinbar mit dem Schweizer Rechtsstaat halte, so Hüppi weiter. «Es soll sich nicht wiederholen.» Erst müsse die Frage geklärt werden, ob die Schweiz Daten von Mitarbeitenden an ausländische Behörden «so locker» herausgeben möchte.

Man darf gespannt sein, wie der Bundesrat und die Banken auf diese Kritik reagieren. Am Freitag trifft sich Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf mit betroffenen Bankmitarbeitern. (nab;bru)

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Dossier, Letztes Update: Samstag, 8.12.2012

Steuerstreit und Bankgeheimnis

Unter wachsendem Druck aus dem Ausland hob der Bundesrat 2009 die umstrittene Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf - zumindest gegenüber anderen Staaten. In zähen Verhandlungen geht es seither darum, welche Daten Schweizer Banken ausländischen Behörden offenlegen müssen.  Mehr


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