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Donnerstag, 4.10.2012

Seine Kollegen wussten offenbar Bescheid

Der ehemalige Händler der UBS, der in London 2,3 Milliarden US-Dollar verspekuliert hat, sorgt erneut für Schlagzeilen. War Kweku Adoboli ein Einzeltäter oder nicht? Diese Frage stellt sich im Strafgerichtsverfahren, das derzeit in London läuft. Immer deutlicher zeigt sich, dass er Mitwisser hatte. 

Der ehemalige UBS-Angestellte, Kweku Adoboli, soll noch Mitwisser gehabt haben. (Keystone)

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Von Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler

Wie die enormen Verluste von 2,3 Milliarden US-Dollar wirklich entstanden sind, damals, in der Investmentbank-Abteilung der UBS, ist noch immer unklar. Und es ist auch nicht klar, wer wann wie was gewusst hat.

Die Zeugenaussagen der engsten Händlerkollegen von Kweku Adoboli lassen aber einige Schlüsse zu. Roger Rissi zum Beispiel, der früher selber Investment-Banker war und heute an der Hochschule Luzern doziert, vermutet: «Es ist so, dass er wahrscheinlich alleine begonnen hat und dass es dann Dimensionen angenommen hat, die den Gewinn und den Verlust des ganzen Teams zu beeinflussen begonnen hat.»

Solche Dimensionen, dass Adoboli gezwungen war, seine Teamkollegen einzuweihen, die nicht das entsprechende Rückgrat gehabt hätten, die Vorgesetzten auf die Missstände hinzuweisen.

Kollegen wussten vom versteckten Konto
Kweku Adoboli hatte Mitwisser: Händlerkollegen haben gewusst, dass Adoboli ein verstecktes Konto mit unerlaubten Finanzdeals geführt hat, und dass er damit eingefahrene Verluste verschleiert hat. Sie haben dennoch nicht Alarm geschlagen.

Das hätten sie aber tun müssen, auch wenn sie Kweku Adoboli hierarchisch nicht vorgesetzt gewesen seien, sagt Monika Roth, ebenfalls Dozentin an der Hochschule Luzern in diesem Bereich: «Ein Vorgesetzter hat mehr Überwachungsverpflichtungen als Kollegen.»

Nichtsdestotrotz müssen Kollegen das dem Vorgesetzten melden, wenn sie bei mitarbeitenden Kollegen möglich Verstösse feststellen.» Dass sie es nicht gemacht haben, lasse verschiedene Fragen aufkommen nach dem Verständnis von Kontrollen und nach der Unternehmensstruktur.

Aufsichtsrechtlich relevant
Die Frage, ob Kweku Adoboli bei seinen unerlaubten Spekulationsgeschäften Mitwisser oder gar Mittäter gehabt hat, sei nicht nur für das Strafmass des Angeklagten relevant: «Aufsichtsrechtlich ist das sehr wohl von Relevanz auch für die UBS in der Schweiz», sagt Roth. Die UBS sei eben gehalten, interne Kontrollen ihren Risiken entsprechend zu gestalten.

UBS unter der Lupe
Die UBS hat seit dem Auffliegen des Handelsskandals intern Konsequenzen gezogen: Verschiedene Manager, inklusive UBS-Chef Oswald Grübel, sind gegangen. Inwiefern die bankinternen Kontrollen damals versagt haben, und ob die gezogenen Lehren ausreichen – das prüfen derzeit die schweizerischen und die britischen Bankenaufsichtsbehörden. (basn;lin)

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