Adoboli weist Betrugsvorwürfe zurück
Kweku Adoboli trifft beim Southwark Crown Court in London ein. Die erste Aussage des mutmasslichen Milliardenbetrügers steht an. (Reuters)
- Montag, 26.11.2012: Nicht alles lag in Adobolis Verantwortung
- Montag, 26.11.2012: Investmentbank der UBS kommt unter Aufsicht
- Montag, 26.11.2012: UBS mit Millionenbetrag gebüsst
- Dienstag, 20.11.2012: Sieben Jahre Gefängnis für Adoboli wegen Betrugs
- Donnerstag, 4.10.2012: Seine Kollegen wussten offenbar Bescheid
Der im Zusammenhang mit einem Milliardenverlust der Grossbank UBS wegen Betrugs angeklagte frühere Wertpapierhändler Kweku Adoboli beurteilt sein eigenes Verhalten nicht als betrügerisch. Es sei unfair, ihn zu verdächtigen, seine frühere Tätigkeit in einer Abwicklungsabteilung der UBS-Investmentbank habe ihm das Computerwissen und die Fähigkeit zum Betrug vermittelt, sagte der 32-Jährige am Freitag vor dem Geschworenengericht des Londoner Southwark Crown Court.
Er sei ausdrücklich aufgefordert worden, seine Kenntnisse von der «Interaktion verschiedener Systeme» in seine Arbeit einzubringen, erklärte er auf eine Frage seines Verteidigers.
Fiktive Konten
Adoboli hatte bei UBS zuletzt mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) gehandelt. Er wurde im September des vergangenen Jahres festgenommen. Nach Ansicht der Anklage verzockte er zulasten der Bank 2,3 Milliarden Dollar. Unerlaubte Transaktionen soll er mit Hilfe fiktiver Konten im Computersystem der Bank verschleiert haben. Er plädiert auf nicht schuldig.
Der Sohn eines ehemaligen Uno-Diplomaten aus Ghana sagte zum ersten Mal aus. In den sechs Wochen seit Prozessbeginn waren ehemalige Kollegen und solche UBS-Mitarbeitern als Zeugen gehört worden, die für die interne Überwachung und Kontrolle zuständig waren.
Geduldete Praxis oder eigenmächtige Zockerei?
Die Verteidigung war bestrebt nachzuweisen, dass Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten handelte. Zudem seien die internen Kontrollen zu lasch gewesen und die Systeme hätten nicht immer richtig funktioniert.
Die Staatsanwälte wollen die Geschworenen dagegen davon überzeugen, dass Adoboli ein Zocker war, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine «Betrugspyramide» aufbaute.
Fall Kerviel lässt grüssen
Adobolis Fall weist Parallelen zu dem früheren Händler Jerome Kerviel bei Societe Generale auf. Kerviel hatte bei der französischen Grossbank 2008 durch missglückte Spekulationen einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro verursacht. Er wurde in zwei Instanzen zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe und Schadenersatz verurteilt. Kerviel bestreitet nicht, mit verdeckten Konten gearbeitet zu haben. Er beharrt aber darauf, dass seine Vorgesetzten immer wussten, was er tat. Das wiederum weist Société Générale zurück. Das Urteil gegen Kerviel ist noch nicht rechtskräftig. (bru, reuters)
