«Monsieur Parfait» ist am Ziel
Das Parlament habe gezeigt, dass es keine Spiele mehr wolle. Das sagte der neugewählte Bundesrat Alain Berset im Gespräch mit Schweizer Radio DRS. Bei der Wahl habe ihm sicher auch seine Kompromissfähigkeit geholfen. Mehr
Scheinbar mühelos gelang Berset der rasche Aufstieg von der Kommunalpolitik aufs Bundesparkett. 2003 wurde er mit 31 Jahren in den Ständerat gewählt, fünf Jahre später präsidierte er die kleine Kammer. Als Bundesrätin Micheline Calmy-Rey diesen Herbst ihren Rücktritt ankündigte, wurde Berset rasch als Kronfavorit gehandelt. Er selber liess sich aber Zeit und machte erst Anfang Oktober seine Bundesratsambitionen öffentlich.
Überhaupt gilt Berset als besonnen und überlegt. Seine Auftritte wirken reif, gelassen und staatsmännisch. Berset ist kein Revoluzzer, der mit dem Kopf durch die Wand will. Vielmehr gilt der Berufspolitiker und dreifache Familienvater als sachlicher Analytiker, unideologischer Brückenbauer und kluger Diplomat. Manchen ist «Monsieur Parfait», wie ihn die welsche Presse nennt, allerdings schon etwas zu geschliffen und angepasst.
Kaum Angriffsfläche
Angriffsfläche bietet Berset in der Tat wenig, es sei denn, seine mangelnde Exekutiverfahrung. Darauf angesprochen winkt er ab: «Es gibt keinen Fähigkeitsausweis für den Bundesrat», betonte Berset in den letzten Wochen jeweils.
Der Freiburger vertritt klar linke Positionen und hält den Kurs von Parteipräsident Christian Levrat, dem er seit Jahren freundschaftlich verbunden ist.
Berset zählt in der SP-Fraktion zu den Wortführern und ist eine gewichtige Stimme der Romandie. 2007 soll er zu den aktiven Strippenziehern bei der Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher gehört haben. Mit seinen 39 Jahren ist Berset der zweitjüngste Bundesrat der Nachkriegszeit - und der vierte Freiburger in diesem Amt.
Sporen im Kanton Freiburg abverdient
Als studierter Politologe und Wirtschaftswissenschaftler arbeitete Berset zunächst in der Forschung. Von 2002 bis 2004 war er Berater des Neuenburger Volkswirtschaftsdirektors Bernard Soguel. Seine politischen Sporen verdiente er sich im Freiburger Verfassungsrat ab, wo er von 2000 bis 2004 die SP-Fraktion anführte. Zuvor war er an seinem Wohnort Belfaux im Gemeinderat.
Als 31-Jähriger schaffte Berset 2003 den Sprung aufs Bundesparkett. Er jagte dem freisinnigen Ständerat Claude Cornu den Sitz ab und knüpfte wieder an die lange Tradition sozialdemokratischer Standesvertreter aus dem Kanton Freiburg an.
Unter der Bundeshauskuppel hat sich der studierte Politologe und Wirtschaftswissenschaftler rasch einen Namen als Wirtschafts- und Finanzpolitiker gemacht. Vier Jahre später schaffte er die Wiederwahl. Mit 36 Jahren wurde Berset einer der jüngsten Ständeratspräsidenten der Schweiz. Bei den Ständeratswahlen von Ende Oktober überflügelte er schliesslich sogar den bekannten CVP-Mann Urs Schwaller.
Berset präsidiert derzeit die Staatspolitische Kommission. Darüber hinaus hält er nur wenige Ämter, so etwa das Präsidium einer Freiburger Behindertenorganisation oder des Westschweizer Mieterverbandes.
Politvirus in der Familie
Das Politisieren wurde Berset quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter Solange Berset präsidierte mehrere Jahre lang die Freiburger SP. Schon sein Grossvater, François Angéloz, war politisch aktiv. Alain Berset ist verheiratet und hat drei Kinder. Zusammen mit seiner Familie wohnt er im elterlichen Haus in Belfaux. In seiner Freizeit spielt er gerne Klavier. (acct, sda)
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