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  • Die Schuldenkrise in Europa:

Die beiden Hilfspakete für Griechenland

Im Mai 2010 nimmt Griechenland als erster Euro-Staat internationale Hilfe in Anspruch. Das hoch verschuldete Land erhält ein erstes Hilfspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds. Im Juli 2011 folgt ein zweites, an dem auch private Gläubiger beteiligt werden.
Hintergrund: Fragen und Antworten zum 2. Hilfspaket

Parallel zum zweiten Milliarden-Rettungspaket der Euro-Länder verzichten nun auch Banken und Privatanleger auf Geld, das sie Athen geliehen haben. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.  Mehr

1. Hilfspaket

Der erste Notfallplan besteht - im Gegensatz zum Rettungsschirm, unter den sich Portugal und Irland später stellen würden - aus bilateralen Krediten über 110 Milliarden Euro, die in mehreren Tranchen freigegeben werden sollen. 80 Milliarden Euro des Gesamtpakets steuern die Euro-Länder bei, 30 Milliarden kommen vom IWF.

Die Laufzeit der Kredite beträgt drei Jahre, wird später aber auf 7,5 Jahre ausgeweitet. Auch bei den Zinsen machen die Gläubiger Zugeständnisse: Die Hilfskredite werden nur noch mit 4,8 Prozent verzinst, ein Prozentpunkt tiefer als ursprünglich angesetzt.

2012 soll Griechenland - so die Hoffnung 2010 - wieder an die Finanzmärkte zurückkehren. Schon in der ersten Hälfte des Jahres 2011 zeigt sich aber, dass diese Vorgaben illusorisch sind und Griechenland ein zweites, noch umfangreicheres Hilfspaket benötigt.

2. Hilfspaket

Nach einer ausgedehnten Debatte über die maroden griechischen Finanzen, welche die Zukunft des Euro noch immer bedrohen, beschliessen die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder am 21. Juli 2011 ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland. Damals sollte es einen Umfang des öffentlichen Sektors von 109 Milliarden Euro haben. Zudem wurden die privaten Gläubiger ins Boot geholt, sie sollten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Erst im Februar 2012 jedoch gelingt die Einigung auf das 2. Hilfspaket für Athen - notabene nur wenige Wochen, bevor Griechenland erneut zahlungsunfähig geworden wäre. Auch umfasst es nun 130 Milliarden Euro der öffentlichen Hand sowie einen massiven Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger:

Letztere erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Dadurch soll sich die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro verringern. Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von 11 bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von 2 bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Griechenland dadurch bis 2020 150 Milliarden Euro ein.

Die internationalen Geldgeber «versüssen» den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.

Zusätzlich erhält Griechenland von den Euro-Ländern neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Auch geben die nationalen Notenbanken die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Griechenlands um 1,8 Prozentpunkte senken. Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.

Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

Ein Teil der neuen Kredite fliesst auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.

Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. (pet, sda/dpa/reuters)

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Dossier: Die Schuldenkrise in Europa
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