Unmenschliche Straflager in Nordkorea
Von Ostasienkorrespondent Urs Morf
Schon die Anzahl politischer Gefangener schockiert: 150'000 bis 200'000 Nordkoreaner sind in Lagern eingesperrt und werden zu Tode geschunden. Der Bericht der amerikanischen Nichtregierungsorganisation «Human Rights in North Korea» teilt das Gulag-System in drei Stufen ein.
Sogenannt «umerziehbare Insassen» von Straflagern werden so gehalten, dass sie überleben, wenigstens im Normalfall. Doch beim kleinsten Vergehen, zum Beispiel wenn sie Nahrungsmittel stehlen, droht ihnen die Hinrichtung, meist per Gewehrschuss. Manchmal werden sie auch von Aufsehern totgeknüppelt, um die Bleikugel zu sparen. Anschliessend müssen die anderen Insassen an den Leichen vorbei paradieren, sie bespucken und mit Steinen bewerfen.
Unmenschliche Arbeit ohne Essen und Schlaf
Die zwei anderen Stufen des Gulag sind reguläre Strafanstalten für gerichtlich Verurteilte und Lager für sogenannte «administrativ Eingewiesene». Ihre Gesinnung gilt als «nicht korrigierbar». Diese Insassen müssen unmenschliche Arbeiten verrichten. Mit Spitzhacken in Bergwerken schuften. Mit Handsägen Bäume fällen. Frauen und Männer werden systematisch zu Tode geschuftet. Man lässt sie hungern und entzieht ihnen nach Schwerstarbeit den Schlaf. Wenn die Insassen nicht schnell genug wegsterben und Platzmangel droht, helfen die Aufseher mit zusätzlichen Misshandlungen und Foltern nach.
Um im Gulag zu landen, braucht es nicht viel. Unvorsichtige Kritik an den Zuständen im Land oder Schwarzhandel. Unautorisierter Kontakt zu Ausländern. Das Anschauen von DVDs aus Südkorea. Immer mehr Delinquenten aber landen wegen Fluchtversuchen aus der Republik im Gulag. Und auf Aussagen dieser Gruppe beruht auch der neue Bericht.
Nur wenige konnten flüchten
Der Autor, der amerikanische Rechtsanwalt David Hawk, hat mit mehreren hundert Nordkoreanern gesprochen, denen nach Lagerhaft die Flucht via China nach Südkorea doch noch gelungen ist. Mehrere Dutzend Fälle dokumentiert er im Bericht. Dass die beschriebenen Lager nicht erfunden sind, beweisen Satellitenaufnahmen von Google Earth. Bereits über 24'000 Nordkoreaner leben mittlerweile in Südkorea.
Einer noch grösseren Zahl aber misslingt die Flucht regelmässig. Sie werden von der chinesischen Polizei aufgegriffen und direkt in die Hände der Gulag-Schergen zurückgeschafft.
Der Gulag-Bericht ist nichts für Zartbesaitete, denn er beschreibt ein albtraumhaft brutales System. Die schockierendsten Passagen sind die Augenzeugenberichte von Zwangsabtreibungen, denen aus China zurückgeschaffte Nordkoreanerinnen unterworfen werden.
Dass «Human Rights in North Korea» den Bericht genau auf die Jubelfeier in Pjöngjang hin veröffentlicht hat, ist sicher nicht Zufall sondern Absicht. Nach dem Fehlstart beim Raketentest vom letzten Freitag noch ein zweites unwillkommenes Geburtstagsgeschenk für das Regime. (basn)
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