Präsidentschaftskandidat Romney in Erklärungsnot
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist auf Wahlkampf-Tour. (Keystone Archiv)
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Von USA-Korrespondent Beat Soltermann
Die Angriffe fokussieren auf die Investmentfirma Bain Capital. Mitt Romney hatte die Investmentfirma Bain Capital mitbegründet und war auch ihr CEO bis 1999 - oder war es doch 2002?
Gestern Sonntag hatte Ed Gillepsie, ein Chefberater von Mitt-Romney, eine knifflige Aufgabe zu lösen: dem amerikanischen TV-Publikum erklären, weshalb Mitt Romney die Beteiligungsgesellschaft Bain Capital tatsächlich 1999 verlassen hatte, obschon in den Börsenunterlagen Romney bis 2002 als Bain-Chef aufgeführt ist.
Unbezahlter Urlaub?
Auf CNN erklärt er, Romney habe 1999 einen unbezahlten Urlaub genommen, um die olympischen Spiele in Salt Lake City zu retten. Auf CBS sagte er, Romney sei weiterhin als Chef aufgeführt, weil er später wieder zur Firma zurückkehren wollte. Das sei dann aber nicht der Fall gewesen, deshalb sei er 2002 rückwirkend auf 1999 zurückgetreten.
Zwischen 1999 und 2002 habe er für Bain keine Managemententscheidungen getroffen. Erklärungen, die Zweifel zurücklassen. War Romney, bevor er rückwirkend zurücktrat, noch aktiv an Geschäftsleitungs-Sitzungen beteiligt?
Zweifel, die Romney empfindlich schaden können. Denn in der wirtschaftlich schwierigen Zeit zwischen 1999 und 2002 platzte die Dot-Com-Blase, und Bain Capital unternahm diverse umstrittene Sanierungsprojekte. Stellen in den USA wurden gestrichen oder in Billig-Lohnländer ausgelagert.
Romneys Image in Gefahr
Wäre Romney dafür verantwortlich, bekäme sein sorgfältig konstruiertes Image als sozialer Financier arge Kratzer. Schliesslich positioniert sich Romney als erfahrenen Geschäftsmann, der die USA aus der hohen Arbeitslosigkeit hinaus navigieren könnte - ganz im Gegensatz zu einem zögerlichen Obama.
Keine Entschuldigung von Obama
Seit Wochen schon planen die Geldgeber und Wahlkampfstrategen Obamas diesen Angriff, der auf Romneys Achilles-Ferse zielt: seine Rolle als Finanzinvestor und sein persönlicher üppiger Lebensstil.
Kein Wunder reagiert das Romney-Lager aggressiv auf den Angriff: Romney forderte von Obama eine Entschuldigung für die Unwahrheiten, die sein Wahlkampf-Team verbreitet habe.
Obama lehnte ab und sein ehemaliger Stabchef Rahm Emmanuel, heute Bürgermeister von Chicago, meinte, Romney solle aufhören zu flennen. Er solle seinen Leistungsausweis bei Bain verteidigen und für die gestrichenen Jobs geradestehen.
Romney in der Defensive
Romney ist im Moment in der Defensive. Wenig hilfreich ist die Kritik aus der eigenen Partei. Er sei viel zu weich, monierte der Medien-Mogul Rupert Murdoch kürzlich, so werde er Obama nie schlagen. Der einflussreiche, konservative Kolumnist George Will fordert, Romney solle schnell reinen Tisch machen.
Stellen-Outsourcing, Offshore-Konti, vielleicht sogar Steuerhinterziehung - im Wahlkampf könne man nichts verheimlichen. Beim Thema Steuern befürchten mehrere Republikaner weiteres Ungemach. Bis jetzt hat Romney bloss die Steuererklärung 2010 offengelegt. Ältere Erklärungen hält er unter Verschluss. Eine Geheimniskrämerei, die Romney früher bei anderen Kandidaten kritisiert hat.
Ein bis zwei Tage Schläge
Der neokonservative Kolumnist Bill Krystol sagte deshalb auf dem Sender Fox, Romney müsse mehr Steuererklärungen veröffentlichen. Romney solle ein bis zwei Tage Schläge kassieren und dann den Wahlkampf wieder aufs eigentliche Thema zurückführen: Kapitalismus, Wirtschaft, Stellen. Obama und sein Team werden alles unternehmen, damit dies so schnell nicht geschieht.
Die Erfahrung aus früheren Präsidentschaftswahlkämpfen lehrt, dass manchmal ein einziger Angriff tödlich sein kann: 1988 bei Michael Dukakis der Hafturlaub eines Mörders, der in einem Raubüberfall und einer Vergewaltigung endete oder 2004 bei John Kerry die umstrittenen Heldentaten in Vietnam. Oft braucht es keine harten Beweise, sondern bloss glaubhafte Zweifel am Charakter eines Gegners. (basn)
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