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Dienstag, 18.9.2012

Mitt Romney lästert über Obamas Wähler

So haben die Wähler Mitt Romney noch nicht gehört: Der Kandidat der US-Republikaner schmäht die Obama-Wähler: Sie erhöben Anspruch auf staatliche Leistungen und würden keine Einkommenssteuern bezahlen. Das dürfte Romney weitere Wählerstimmen kosten.

Nicht immer ist dem Präsidentschaftskandidaten bewusst, dass er gefilmt wird. (Keystone)

Mitt Romney demontiert sich selbst

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 18.9.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

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Es ist ein Traum-Wahlgeschenk für die Demokraten. Der republikanische Spitzenkandidat Mitt Romney schiesst sich mit unbedachten Wählerschmähungen so gewaltig selbst ins Knie, dass manche Experten sagen: Dies ist der «Game Changer», der entscheidende Moment, in dem der Ex-Gouverneur die Präsidentenwahl verloren hat.

Ein verdeckt aufgenommenes Video zeigt, wie Romney die potenziellen Wähler von Präsident Barack Obama und damit die Hälfte der Bevölkerung praktisch als Schmarotzer abtut. Das spielt seinen Gegnern geradezu ideal in die Hände. Es wirft Romney erneut in die Ecke, aus der er unbedingt herauskommen muss, wenn er die Wahl gewinnen will: die des herzlosen Multimillionärs, der nichts von den Nöten der Mittelklasse und Armen versteht.

«Mein Job ist, mir kein Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen», sagt Romney über jene «47 Prozent, die keine Einkommensteuer zahlen» - und ohnehin Obama wählten. «Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen sollten.»

Romney im Umfragetief
Das Video kommt zu einem Zeitpunkt in die Öffentlichkeit, zu dem Romney im Wahlkampf bereits stark ins Stolpern gekommen ist. Der Ex-Gouverneur profitierte überhaupt nicht vom jüngsten Parteitag der Republikaner, während Obama laut Umfragen einen Vorsprung von fünf Prozent für sich herausarbeiten konnte.

Medien wie «Politico» berichten über Chaos in seinem Wahlkampfteam - just, wo es in den Wahl-Endspurt geht. Demnach wurde vor dem Republikaner-Treffen in Tampa so viel an Romneys Nominierungsrede herumgedoktert, dass am Ende wichtige Passagen fehlten. So sagte Romney nichts zu Afghanistan und zollte kein Tribut ans US-Militär, was bei den Republikanern schon fast einer Todsünde gleichkommt.

Patzer über Patzer
Dann konnte er es sich nicht verkneifen, nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Kairo in der vergangenen Woche eiligst über Obama herzufallen, ihn als Sympathisant der Gewalttäter abzustempeln - ebenfalls ein Schuss, der nach hinten los ging. Und das alles sind nur jüngste Tritte ins Fettnäpfchen.

Dies alles seien «unnötige Fehler», das heisst, Romney stelle sich ohne Zutun seiner Gegner selbst ein Bein, befand die «Washington Post» am Dienstag. Immer grösser werde auch der Unmut darüber, dass es Romney einfach nicht schaffe, die Sorge der Amerikaner über Wirtschaft und Jobs in Prozentpunkte für sich umzuwandeln. Ihm fehle eine klare Botschaft, was und wie er es besser machen wolle.

So verlautete denn auch just am Montag, im Camp Romney sei ein Strategiewechsel in der Mache. Mehr Details, mehr Nähe zu den Wählern - so werde es weitergehen. Und nun das.

Mehr als nur tollpatschig
Dabei sind sich Experten darin einig: Was Romney über jene 47 Prozent sagte, die sich als «Opfer» fühlten und keine Verantwortung für sich selbst übernähmen - das ist politisch ein schwereres Kaliber als ein Versprecher wie bei der Vorstellung seines Vizekandidaten Paul Ryan als «nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten».

Romneys Wahlkampf krankt hauptsächlich daran, dass er sein Image als gefühlloser Reicher bisher nicht loswerden konnte. Obama dagegen kommt als Kämpfer der Mittelklasse über. «Das wird sich nun unweigerlich manifestieren», sagte ein CNN-Kommentator voraus.

Dabei spielt es keine Rolle, dass Romney in einem Punkt Recht hat. Statistiken zeigen, dass ein grosser Teil der US-Bevölkerung tatsächlich keine Steuern zahlt - nicht alle deshalb, weil sie zu wenig verdienen. Das Problem liegt darin, dass die abfälligen Äusserungen von einem Superreichen kommen, der gerade mal 14 Prozent Steuern zahlt, weil das System es ihm erlaubt.

Zum Schaden kommt noch der Spott: Denn Romneys unvorsichtige Worte fielen ausgerechnet während einer Spendensammel-Veranstaltung mit stinkreichen Geldgebern. Kein Wunder, dass im Internet Witze kursieren wie der, dass es nun eine neue Wahlkampfstrategie geben werde: Romney lasse sich seinen Mund zunähen - bis zur Wahl am 6. November. (wedj, dpa)

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Mitt Romney über Obamas Wähler



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