Präsident Obama punktet in zweiter TV-Debatte
Lebhafte Rederunde: Amtsinhaber Obama geht laut der Analyse von USA-Korrespondent Beat Soltermann leicht gestärkt aus der Debatte mit Mitt Romney hervor (Audiobeitrag unten). (Keystone)
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Im Rennen um das Weisse Haus haben sich Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney das zweite TV-Duell geliefert. Zu Beginn der Debatte wurden beide Kandidaten vom Publikum mit tosendem Applaus empfangen. Gleich danach aber bekämpften sich der Präsident und sein Herausforderer mit harten Wortgefechten. Obama warf Romney unter anderem vor, eine Politik für die Reichen zu betreiben.
Romney verfolge das Ziel, «dass für die Leute an der Spitze andere Regeln gelten», sagte Obama an der Hofstra Universität in Hempstead im Bundesstaat New York. Der Republikaner attackierte den Präsidenten dagegen wegen der Staatsverschuldung.
Mit Blick auf die Schuldenkrise in der Eurozone sagte er, Obama führe die USA «auf die Strasse nach Griechenland». Romney machte Obama erneut auch für die schwache Wirtschaft verantwortlich. Die Mittelschicht habe unter der Politik des Präsidenten in den vergangenen vier Jahren gelitten, sagte er.
Der Präsident erwiderte, dass sich das Land nach der schweren Rezession erhole. Unternehmen hätten in den vergangenen 30 Monaten fünf Millionen neue Jobs geschaffen. Romney habe die US-Autoindustrie in die Pleite schicken wollen. «Ich sage, wir setzen auf die amerikanischen Arbeiter», sagte Obama.
«Keine Steuergeschenke»
In der Steuerpolitik wehrte sich Romney gegen Vorwürfe, die Abgabenlast für die höchsten Einkommen auf Kosten der Mittelschicht zu senken. «Ich strebe keine Steuersenkungen für reiche Leute an», sagte er.
Obama bekräftigte, dass die Reichen «etwas mehr tun» müssten zur Sanierung des Staatshaushalts. Dagegen würden 97 Prozent der Haushalte und kleinen Unternehmen in den USA unter seiner Regierung nicht stärker belastet. Dem Republikaner warf er vor, die Wähler im Unklaren darüber zu lassen, welche Vergünstigungen er für die Finanzierung seiner Steuerpläne abschaffen wolle.
Obama zeigte sich angriffig: «Romney hat gar keinen 5-Punkte-Plan, er hat nur einen Plan: Dass die Oberschicht sich Vorteile verschaffen kann». Romney wehrte sich und sagte, er habe einen 5-Punkte-Plan aufgestellt um 12 Millionen Jobs zu schaffen.
Welche Energiepolitik?
Die beiden Kandidaten stritten sich auch über die Energiepolitik. Romney kritisierte die sinkende Ölproduktion der USA und die deutlich gestiegenen Benzinpreise unter Obama. Ob eine Energiepolitik funktioniere oder nicht, zeige sich an den Preisen an der Zapfsäule, sagte er.
Der Präsident widersprach Romney: Die Ölproduktion sei auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren. Ausserdem warf Obama seinem Herausforderer vor, sich seine Politik von der Ölindustrie diktieren zu lassen und Erneuerbare Energien zu vernachlässigen. Dabei müssten die USA wie China und Deutschland in diesem Bereich «in unsere wirtschaftliche Zukunft» investieren, sagte er.
Fragen aus dem Publikum
Die zweite Debatte fand in Form eines «Townhall-Meetings» statt, bei dem unentschlossene Wähler Fragen an den Präsidenten und seinen Herausforderer stellen. Das Meinungsforschunginstitut Gallup hatte die 80 Teilnehmer vor der Debatte ausgewählt.
Bei jedem Thema durften Obama und Romney eine zweiminütige Antwort geben, dann diskutierten sie unter Leitung der CNN- Moderatorin Candy Crowley. Der Präsident stand nach einem schwachen Auftritt in der ersten Debatte Anfang Oktober unter Druck. In Umfragen konnte Romney zuletzt zulegen. Die Präsidentschaftswahl findet am 6. November statt.
Diesmal handelt es sich um eine «Town Hall Debate», eine Art Bürgerversammlung. Die Fragen stellen die Zuschauer. Themen sind sowohl Innen- als auch Aussenpolitik. Die beiden Kandidaten treffen am 22. Oktober noch einmal in einer dritten Debatte aufeinander – dann in Florida. (prus, sf)
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