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Donnerstag, 28.6.2012

Affäre Hildebrand: Presserat rügt «Weltwoche»

Die «Weltwoche» und andere Medien haben zu Recht über die Devisentransaktionen von Philipp Hildebrand, des einstigen Präsidenten der Nationalbank, berichtet. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Presserat. Allerdings seien insbesondere der «Weltwoche» Fehler unterlaufen.

Presserat hielt Beschwerde der Bank Sarasin gegen die «Die Weltwoche» teilweise gut.

Fall Hildebrand: Leichtes Lob für Medienberichterstattung

Über den Jahreswechsel stand die Öffentlichkeit während Tagen im Bann der Affäre Hildebrand. Täglich gab es neue Enthüllungen. Der Schweizer Presserat hat nun die Rolle der Medien untersucht.

Beitrag aus Rendez-vous vom Donnerstag, 28.6.2012, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

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Der Presserat steht im Grossen und Ganzen hinter der Berichterstattung zum Fall Hildebrand. Die Medien hätten im Fall Hildebrand ihre Rolle als «Wachhunde der Demokratie» erfüllt. Dies gelte auch für die «Weltwoche», deren Enthüllungen letztlich zum Rücktritt des Nationalbankpräsidenten am 9. Januar 2012 führten.

Für den Presserat ist es aber verfehlt, die «Schuld» am Rücktritt bei der «Weltwoche» und ihrer umstrittenen Berichterstattung zu orten. Denn: Ungeachtet der Tragweite der Devisentransaktionen der Familie Hildebrand sei dieser Vorgang von öffentlichem Interesse gewesen, heisst es in einer Stellungnahme des Presserates.

Beschwerde teilweise gutgeheissen
Der Presserat befasste sich einerseits allgemein mit der Rolle der Medien in der Affäre Hildebrand. Anderseits musste der Rat eine Beschwerde der Bank Sarasin gegen die «Weltwoche» beurteilen. Diese Beschwerde hiess der Presserat teilweise gut.

So hat die «Weltwoche» in der Beurteilung des Presserates die Wahrheitspflicht verletzt, weil sie die Hauptquelle ihrer Informationen - den Thurgauer Anwalt Herman Lei - nicht genannt hat. Hinzu kommt, das die indirekte Quelle falsch bezeichnet wurde - als Kundenberater Hildebrands statt IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin. Diese falsche Information hätte die «Weltwoche» später berichtigen sollen.

Fehlende Distanz
Weiter rügt der Presserat, dass die skandalisierende Wortwahl der «Weltwoche» (»geschniegelter Gauner», «Spekulant Hildebrand») kaum mit Fakten unterlegt war. Auch deute die Wortwahl an, dass zwischen der Weltwoche und der Quelle der Informationen die erforderliche Distanz gefehlt habe.

Fehlende Distanz vermutet der Pressrat allerdings auch bei anderen Medien. Wegen ihrer einseitigen Positionierung zugunsten Hildebrands wirft der Presserat die Frage auf, ob sich die Sonntagspresse durch PR-Berater oder durch der Nationalbank nahe stehende Kreise habe beeinflussen lassen.

Eine weitere Rüge muss sich die «Weltwoche» gefallen lassen, weil sie die publizierten Bankkontoauszüge von Hildebrand nicht als «Montage» gekennzeichnet hat - dies zumal die Illustration den Kern der Kritik an Philipp Hildebrand belegt. (fors, sda)

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Chronologie der Affäre

Porträt: Wer ist Philipp Hildebrand?

Porträt: Thomas Jordan


Weiterführende Links zum Thema:

  • snb.ch: Internes Reglement der SNB und Prüfungsbericht im Fall Hildebrand.
  • news.admin.ch: Revisionsbericht von Grüter und Huissoud


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