Presseschau: Kein klarer Sieger im TV-Duell
Präsident Nicolas Sarkozy und Herausforderer François Holland beenden TV-Duell nach zweieinhalb Stunden. (Reuters)
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Frankreichs Medien sehen in ersten Bilanzen mehrheitlich keinen klaren Sieger im zweieinhalbstündigen Schlagabtausch zwischen Präsident Nicolas Sarkozy und seinem Gegner François Hollande. Der Tenor nach der TV-Debatte lautete wie folgt: «Es war eine sehr angespannte und sehr technische Debatte» («Le Parisien»). Mit Blick auf die Schärfe des Tons der beiden Kandidaten ist von einem «gnadenlosen Duell» die Rede. Vor der Stichwahl am Sonntag liegt der sozialistische Herausforderer Hollande in Umfragen relativ deutlich vor Amtsinhaber Sarkozy.
«NZZ»: Sarkozy wirkte kompetenter
Nach Einschätzung der «Neuen Zürcher Zeitung» hat das TV-Duell hohe Erwartungen erfüllt. Ausrutscher und klare Fehler seien ausgeblieben. «Aber Sarkozy wirkte kompetenter, erfahrener und verteidigte seine Amtszeit brillant», konstatiert die «NZZ». Und weiter: «Man sah einen anfänglich sehr gefasst und selbstsicher wirkenden Hollande, der sich - falls am Sonntag gewählt - als Präsident der Gerechtigkeit und des Aufschwungs positionierte.»
«La Stampa»: Unentschieden
Laut der liberalen Turiner Tageszeitung «La Stampa» hat Hollande den Angriff von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy abgewehrt: «Es ist das übliche Ergebnis bei einem solchen mit zu grossen Erwartungen verfolgten Finale: «Unentschieden. Und dennoch war diese TV-Diskussion zwischen Hollande und Sarkozy keine farblose Sache. Der Präsident greift an und gestikuliert, der Herausforderer stellt eine unerwartete Entschlossenheit zur Schau. Es fehlte nur am Ende ein K.o.-Schlag. Und dieses Unterschieden passt Hollande alles in allem gut. Für Sarkozy, der je nach Umfrage acht bis zehn Prozentpunkte zurückliegt, ist das nicht in Ordnung.»
«Die Presse»: Referendum über Sarkozy
Die konservative Tageszeitung «Die Presse» aus Wien schreibt: «Die Wahl am Sonntag ist ein Referendum über Sarkozy. Und das ist dessen grösstes Handicap. Denn es spricht vieles gegen ihn, aber nur wenig für seinen Herausforderer. Hollande hat kaum etwas anzubieten ausser eine verkorkste Karriere voller Niederlagen und einen eklatanten Mangel an Regierungserfahrung. Sein grösstes Verdienst ist es, nicht Sarkozy zu sein. Auch der anderen Seite seien Sarkozys Narzissmus, seine Bling-Bling-Attitüden und seine hohle Prinzipienlosigkeit sind schwer auszuhalten.» Und weiter: «Die ausländerfeindliche Pose, mit der er im Wahlkampffinish im rechtsextremen Lager der Frustrierten punkten wollte, war einfach nur widerlich. Und doch wäre der Gaullist die bessere Wahl für Frankreich. Denn er verdrängt, anders als sein Konkurrent, zumindest die wirtschaftliche Realität seines Landes nicht.» (bru, dpa)
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