Vom Provinzpolitiker zum Sieger
Mit bis zu 29,3 Prozent schaffte der Sozialist François Hollande es schon in der ersten Runde, Präsident Nicolas Sarkozy abzuhängen. Für die Stichwahl am 6. Mai wurde Hollande ohnehin ein klarer Sieg vorausgesagt. Er gewann das Rennen ums Präsidentschaftsamt mit 52 Prozent.
Im Wahlkampf hat sich François Hollande den Franzosen als «Monsieur Normal» präsentiert. Der will der 57-Jährige auch als Präsident und Herr über die Atomwaffen der Grande Nation bleiben.
Er werde weiter mit dem Zug fahren und für die Familie einkaufen - «wenn der Kühlschrank leer ist», wie der zweite Sozialist an der Spitze der Fünften Französischen Republik sagte.
Stetigkeit und Verlässlichkeit
Hollande setzte im Wahlkampf auf Stetigkeit und Verlässlichkeit - auch als Gegenentwurf zu dem oft als hyperaktiv und sprunghaft gescholtenen Sarkozy.
Die wichtigsten Vorhaben aus einem 60-Punkte-Programm für Arbeit, Bildung und Jugend will Hollande bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit umsetzen.
Kein internationales Profil
Der lange als blasser Regionalpolitiker verschriene Hollande, der in der Corrèze im südwestlichen Landesinneren verwurzelt ist, setzte sich 2011 bei den Vorwahlen der Sozialisten klar als Kandidat durch. Seine politischen Gegner werfen ihm vor, ihm fehle Regierungserfahrung und internationales Profil.
Tatsächlich war der langjährige Parteichef der Sozialisten nie Minister. Doch sein harmloses Auftreten täuscht darüber hinweg, was in ihm steckt: Der aus dem nordfranzösischen Rouen stammende Arztsohn absolvierte gleich drei Elite-Universitäten.
Schon als 20-Jähriger arbeitete Hollande im Wahlkampf für François Mitterrand, der ihn nach seinem Sieg 1981 in den Elyséepalast holte.
Bei den Sozialisten stand Hollande lange im Schatten seiner Lebensgefährtin Ségolène Royal, mit der er vier Kinder hat. Die beiden trennten sich, nachdem Royal 2007 bei der Präsidentschaftswahl gegen Sarkozy verloren hatte.
Als «Pudding» verspottet
Hollande hatte allerdings schon vorher die «Frau seines Lebens» gefunden: die 47-jährige Politik-Journalistin Valérie Trierweiler. Sie soll einen erheblichen Anteil daran haben, dass Hollande seit 2010 mehr als zehn Kilo abspeckte - wegen seiner Figur wurde er lange als «Pudding» verspottet.
Doch Hollande kann auch auf Konfrontationskurs gehen: Seine Forderung, den Fiskalpakt zur Haushaltsdisziplin in Europa um ein Wachstumsprogramm zu ergänzen, löste erheblichen Ärger aus. Als Präsident will er zuerst nach Berlin reisen und mit Angela Merkel darüber verhandeln. Die Kanzlerin liess er bereits wissen: «Man wird auf mich hören müssen.» (basn, sda/afp/reuters)
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