Google streicht bei Motorola jede fünfte Stelle
Google will nun seinen Motorola-Geräten zu neuem Erfolg verhelfen. Dazu müssen 4000 Mitrabeiter den Hut nehmen. (Keystone)
Beim Handy-Pionier Motorola wird nach der Übernahme durch Google jeder fünfte Arbeitsplatz gestrichen. Rund 4000 Jobs werden wegfallen, wie Google mitteilt. Etwa zwei Drittel der Stellenstreichungen seien ausserhalb der USA geplant.
Zudem will Google den heute schwächelnden Handy-Konzern zu einem Anbieter lukrativer Oberklasse-Smartphones umbauen. Das würde den Internet-Konzern zum direkten Rivalen nicht nur von Apples iPhone machen, sondern auch von seinen Partnern bei der Android-Plattform wie etwa Samsung.
Abbau kostet 275 Millionen Dollar
Der Stellenabbau werde maximal 275 Millionen Dollar kosten, teilte Google mit. Dazu könnten weitere Kosten für den Konzernumbau kommen. Das Unternehmen werde die Mitarbeiter mit «grosszügigen» Abfindungsangeboten unterstützen.
Etwa ein Drittel der rund 90 weltweiten Standorte werde geschlossen oder zusammengelegt. Das Unternehmen werde sich aus unprofitablen Märkten und der Herstellung einfacher Geräte zurückziehen sowie die Modellpalette verkleinern, sagte der neue Motorola-Chef Dennis Woodside der «New York Times».
Scharf auf 17'000 Patente
Google hatte Motorola Mobility für rund 12,5 Milliarden Dollar gekauft. Nach offiziellen Angaben ging es dem Internet-Konzern vor allem um das riesige Portfolio aus 17'000 Patenten, das der Handy-Pionier besitzt.
Google braucht das Patent-Arsenal, weil sein mobiles Betriebssystem Android im Visier von Klagen der Konkurrenten Apple und Microsoft steht.
Erster Handy-Bauer
Motorola hatte 1973 das erste Handy gebaut und ab 2004 grosse Erfolge mit der neu eingeführten Modellreihe Razr erzielt. Seit der Vorstellung des ersten iPhones durch Apple 2007 war Motorola allerdings hinter die Wettbewerber zurückgefallen.
Mit dem Vormarsch der Smartphones dominieren heute vor allem Samsung mit seiner Galaxy-Baureihe und Apple mit dem iPhone die Branche. Motorola setzte zuletzt wie auch Samsung auf das Google-Betriebssystem Android, schreibt aber im Gegensatz zu den Südkoreanern hohe Verluste. Der Anteil am Mobilfunkmarkt hängt bei rund zwei Prozent fest.
Konkurrenten im Nacken
Die Konkurrenten dürften extrem allergisch reagieren, wenn die neue Google-Tochter früher Zugang zu neuen Android-Funktionen oder nächsten Versionen des Betriebssystems bekommen sollte. Ein bekanntes Problem der Plattform ist die langsame Markteinführung neuer Android-Versionen, was auch an der Vielfalt der Geräte liegt.
Google konnte die Motorola-Übernahme im Mai erst nach acht Monaten abschliessen, nachdem sich die Wettbewerbshüter Zeit mit ihren Prüfungen gelassen hatten. Der Internet-Konzern versicherte dabei wiederholt, dass Android weiterhin offen bleiben werde. Zugleich warnten die europäischen und amerikanischen Kartellwächter, dass sie den Markt im Auge behalten werden. (basn, dpa)
Mehr zu den Stichwörtern:
