Warum Gesundheitsreformen es so schwer haben
Behandlung in einer Arztpraxis: Reformen im Gesundheitswesen haben es schwer in der Schweiz. (Keystone)
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Von Inlandredaktorin Katrin Hug
Wieder ging am Sonntag eine grosse Gesundheits-Vorlage bachab. Seit 1996, seit der Einführung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG), hatte keine Reform beim Volk eine Chance. Man müsse sich wohl von der Annahme verabschieden, es gebe eine grosse Lösung, stellt der Gesundheitsökonom Heinz Locher ernüchtert fest.
Ein Grund, so Locher, sei das viele Geld, um das es gehe. Zudem seien die Interessengruppen im Gesundheitswesen sehr stark. Zwar sei keine für sich mächtig genug, um die eigenen Interessen durchzubringen. «Aber jede ist stark genug, um die Anliegen der anderen zu torpedieren. Das führt zu einer Blockade.»
«Politik der kleinen Schritte»
Wie kann diese Blockade gelöst werden? Am ehesten mit einer Politik der kleinen Schritte, findet auch Gesundheitsökonom Willy Oggier. Zuviel sei in Managed Care hineingepackt worden. Nach Oggiers Ansicht muss nun der unbestrittene Teil der Vorlage - der verfeinerte Risikoausgleich, der die Jagd der Krankenkassen auf Junge unterbinden soll - angegangen werden.
Bei den kleinen Schritten müsse man sich bewusst sein, dass das Gesundheitswesen regional oder sogar lokal funktioniere, so Oggier weiter. Viele Dinge wünsche man sich vor Ort: das Spital, den Hausarzt, die Spitex. «Deswegen ist diese Willensnation mindestens im Gesundheitswesen ernsthaft in Frage zu stellen.».
Wie gross ist der Leidensdruck wirklich?
Der Leidensdruck sei zudem auch nicht so gross, wie immer gesagt werde. Bei Befragungen zum gesamten Gesundheitssystem zeige sich im internationalen Vergleich immer wieder, dass die Patientinnen und Patienten in der Schweiz überdurchschnittlich zufrieden seien, sagt Oggier.
Das betreffe auch die finanziellen Aspekte: Denn ein Drittel der Bevölkerung erhalte Prämienverbilligungen und einem zweiten Drittel, jenen mit hohen Einkommen, gehe es relativ gut mit dem jetzigen System. Vieles deute darauf hin, so Oggier, dass die Prämien- und Steuerlast zusammen im Vergleich zu anderen Ländern deutlich niedriger seien für die oberen Einkommensschichten. Das habe zur Folge, dass das verbleibende Drittel - der Mittelstand, der keine Prämienverbilligung bekomme - in Volksabstimmungen unterliege.
Oggier bilanziert, die Schweizer Bevölkerung sei auf einem relativ hohen Niveau zufrieden mit dem Gesundheitssystem. Die Managed Care-Abstimmung habe gezeigt, dass man bereit sei, einen Preis für eine gute medizinische Versorgung zu bezahlen, auch wenn die Bevölkerung unter der Prämienlast leide.
Grosse Herausforderungen
Dabei gebe es sehr grosse Herausforderungen: Das Gesundheitssystem müsse auf die alternde Bevölkerung umgebaut werden, sagt Gesundheitsökonom Heinz Locher. «Wir haben einen Umbau vorzunehmen», sagt Locher. «Das ist eine grosse Herausforderung, da Besitzstände gefährdet sind.»
Allerdings dürfte es auch dort nur mit kleinen Schritten weitergehen. Grosse Würfe, da sind sich alle einig, sind in der Schweiz im Gesundheitswesen nicht möglich. (ank)
