«Der Bundesrat hält das für die beste Lösung»
Bundesrätin Doris Leuthard. (Keystone)
SRDRS: Vor zehn Jahren noch war der Bundesrat gegen eine zweite Röhre. Warum nun der Gesinnungswandel?
Bundesrätin Leuthard: Die Annahmen sind entscheidend: Wir sind für eine zweite Röhre, wenn es dadurch nicht mehr Verkehr durch den Gotthard gibt. Darum wird die Bedingung im Gesetz festgeschrieben: Beide Röhren werden nur einspurig geführt.
SRDRS: Die Erfahrung zeigt aber: Wo es mehr Strassenkapazität gibt, gibt es auch mehr Verkehr.
BR Leuthard: Heute schon ist der Gotthard-Strassentunnel einspurig. Die Kapazitäten sind seit 10 Jahren konstant bei jährlich 1 Million Lastwagen. Bei maximaler Auslastung ausgeschöpft würde es für 1,5 Millionen Lastwagen reichen. Und diese Grenze wird auch nicht aufgeweicht – weil wir es im Gesetz festschreiben.
SRDRS: Der zweite Tunnel kostet 1 Milliarde Franken zusätzlich: Woher kommt das Geld?
BR Leuthard: Das Geld ist noch nicht gesichert, das stimmt. Das gilt aber auch für diverse andere Strassenbauprojekte bis 2016. Der Bundesrat wird in den nächsten zwei bis drei Jahren Lösungen für die Finanzierung präsentieren.
Ausserdem ist ein zweiter Tunnel eine gute Investition: Bei weiteren Sanierungen in 30 oder 40 Jahren hätte man zwei funktionierende Röhren, die auch die Sicherheit gewährleisteten. Und: Eine Sanierung des Strassentunnels ohne zweite Röhre würde etwa ebenso viel mehr kosten. Und man hätte nicht schon eine Investition für die Zukunft getätigt.
SRDRS: Etwa 2015 wird wohl das Volk über die zweite Röhre abstimmen. Der Widerstand besonders im Kanton Uri ist immens. Wie soll das gehen?
BR Leuthard: Ohne zweiten Gotthard-Strassentunnel müsste Uri konsequenterweise die Verladestation bei Erstfeld als flankierende Massnahme bei sich aufnehmen. Hier würden dann rund 600'000 Lastwagen jährlich verladen. Dagegen gibt es im Kanton Uri ebenfalls grossen Widerstand.
Die Frage ist, was ist die grössere Zumutung. Der Bundesrat wollte regionalwirtschaftliche und regionalpolitische Aspekte berücksichtigen. Das Tessin etwa pocht darauf, dass sowohl Strassen- wie auch Bahnverbindung aufrecht erhalten werden während der Sanierung. Der Bundesrat ist der Meinung, die jetzige Lösung ist die ausgewogenste. (smus, krap)
