Sicher oder doch nicht sicher?
Befürworter sagen, es gebe keine Risiken beim Anpflanzen von gentechnisch veränderten Pflanzen. Gegner allerdings bleiben skeptisch, auch nach der NFP-Studie. (Keystone Archiv)
Von Wissenschaftsredaktorin Odette Frey
Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope ist einer der vielen der Forscher, die am NFP 59 mitgearbeitet haben. Er untersuchte u.a. ob gentechnisch veränderter Weizen, so genannter transgener Weizen, nützliche Insekten schädigt: «Wir haben keinerlei Auswirkungen der transgenen Pflanzen auf Nicht-Schädlinge gesehen.»
Andere Forscher kommen für andere Organismen und für die Umwelt zum gleichen Schluss: Kein Risiko.
Keine Sicherheit
Sind Gentech-Pflanzen also komplett sicher? Nein, sagt Jochachim Frey, NFP-Forscher und Mitglied der eidgenössischen Fachkommission für Biologische Sicherheit: « Es heisst aber, dass das Risiko der gentechnisch veränderten Pflanzen ähnlich dem Risiko mit natürlich gezüchteten Pflanzen ist.»
Das heisst: Die Crux ist die Anwendung: Gentech-Pflanzen sind auf die hochindustrialisierte Landwirtschaft ausgerichtet. Eine Landwirtschaft, die für ihre Schäden an der Umwelt bekannt ist. So leidet unter ihr etwa die Artenvielfalt und resistente, schwer kontrollierbare Unkräuter und Schädlinge können sich ausbreiten.
Problem Monokulturen
Schuld daran sind etwa die ausgeprägten Monokulturen, wie es sie in den USA - dem Mutterland der Gentechnik - zu Hauf gibt: «Wenn man Pflanzen grossflächig anbaut, unabhängig ob gentechnisch verändert oder nicht, kann man der Natur einen Schaden zufügen.»
Im Bezug auf mögliche Gesundheitsrisiken für den Menschen durch Gentech-Pflanzen hat das NFP vorhandene Studien ausgewertet und gibt auch hier Entwarnung.
Keine Risiken: Das bedeutet rein wissenschaftlich gesehen, dass man Lebensmittel aus Gentech-Pflanzen im Prinzip weder speziell deklarieren muss, noch dass es spezielle Zulassungsverfahren braucht.
Keine Deklaration nötig
Eigentlich könnte man gentechnisch herstellte Pflanzen genau gleich behandeln wie normal gezüchtete Pflanzen, sagt Joachim Frey: «Eine Deklaration macht aus naturwissenschaftlicher Sicht keinen Sinn. Als Information für Konsumenten und fürs Marketing kann es aber durchaus erwünscht sein.»
Nicht einverstanden mit der Risiko-Einschätzung des NFPs sind gentech-kritische Organisationen wie die Schweizer Arbeitsgruppe Gentechnik.
Und auch Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstitutes für Biologischen Landbau FIBL, sagt, der NFP-Bericht verharmlose die Risiken der Gentechnik: «Kritische Studien werden zu wenig gewürdigt, oft sogar als nicht relevant bezeichnet. Sie sind aber genau so relevant: Denn wir müssen in unserem Wirken in der Landwirtschaft auf die Umwelt auch Worst-Case-Szenarien in Betracht ziehen.»
Rasanter Fortschritt
Über die Interpretation einzelner Studien wird in der Wissenschaft wohl noch lange debattiert. Klar ist aber auch für Kritiker Niggli: Die Forschung im Bereich der Gentech-Pflanzen schreitet rasant voran.
Die nächste Generation von Gentech-Pflanzen könnte dann durchaus auch von heutigen Kritikern das Prädikat «risikofrei» erhalten. «Ich schliesse es nicht aus, dass moderne gentechnische Sorten auch im nachhaltigen Landbau-System eine Rolle spielen könnten.»
Wer weiss, vielleicht essen die Schweizer und Schweizerinnen in 50 Jahren Bio-Brot aus Gentech-Weizen. (basn)
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