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Donnerstag, 4.11.2010

Serbische Entschuldigung in Kroatien

Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Beginn des Jugoslawienkriegs hat sich der serbische Präsident Tadic für Gräueltaten seiner Landsleute in Kroatien entschuldigt. Tadic besuchte ein Massengrab in Vukovar.

Serbiens Präsident Boris Tadic entzündet an der Gedenkstätte bei Vukovar eine Kerze. (Reuters)

Der serbische Präsident Boris Tadic hat an einem Massengrab von im Jugoslawien-Krieg ermordeten Kroaten einen Kranz niedergelegt. Er «verneige sich vor den Opfern», sagte Tadic am Ort des Massakers, einer ehemaligen Schweinefarm in der Nähe der Stadt Vukovar.

Er wolle sein Bedauern ausdrücken und entschuldige sich für die von Serben verübten Gräueltaten. Der Besuch wird als symbolischer Schritt zur Versöhnung zwischen Kroatien und Serbien gewertet.

Neues Kapitel der Beziehungen aufschlagen
Tadic, der bei dem Besuch von seinem kroatischen Amtskollegen Ivo Josipovic begleitet wurde, sagte, er wolle es Serben und Kroaten ermöglichen, «eine neue Seite der Geschichte aufzuschlagen».

Obwohl sich die zwischenstaatlichen Beziehungen bereits wesentlich verbessert haben, sehen sich beide Länder noch immer als Opfer des Balkankriegs. So haben sie sich gegenseitig vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wegen Völkermordes verklagt.

Nicht alle, aber die meisten begrüssen Tadics Besuch
In Kroatien gab es auch Widerstand gegen den Besuch Tadics. So wurde die Forderung laut, Tadic müsse zunächst die Kriegsschuld der Serben anerkennen. Anhänger der kleinen Partei des Rechts protestierten in Vukovar gegen den Besuch des serbischen Präsidenten und zeigten Transparente mit der Aufschrift «Sie sind nicht willkommen».

Auch für 18 von Kroaten ermordete Serben wollten Tadic und Josipovic einen Kranz niederlegen. Josipovic nannte die kroatischen Kriegsverbrechen eine «Schande, die sich nicht abwaschen lässt.»

In der Mehrheit stünden aber sowohl die Serben wie auch die Kroaten hinter den Bemühungen ihrer Präsidenten, die Beziehungen zu normalisieren, sagt der Korrespondent von Schweizer Radio DRS, Walter Müller. «Die Bevölkerung in beiden Staaten will endlich die Bürden der Vergangenheit loswerden», so Müller.

Massaker an 200 Kroaten
Zu Beginn des Kroatienkrieges (1991-1995) hatten Truppen der serbisch dominierten jugoslawischen Armee und paramilitärische serbische Einheiten Vukovar im November 1991 eingenommen und 200 Zivilisten und Kriegsgefangene getötet. Die Kroaten hatten in einem Spital der Stadt Zuflucht gesucht.

Das Massaker gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Der Kroatienkrieg begann 1991, als Kroatien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärte. Im Verlauf des Konflikts kamen 20'000 Menschen ums Leben.

Die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien haben sich seit dem Ende des Krieges schrittweise verbessert, vor allem unter Tadic und Josipovic. Beide wollen ihr Land in die Europäische Union führen und appellieren an eine Aussöhnung auf dem Balkan. (pet, sda/reuters/dapd)

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Korrespondent Walter Müller: «Die Bevölkerung in beiden Staaten steht hinter dem Treffen von Tadic und Josipovic.» (Ivana Pribakovic, 4.11.2010)
Hören (3:24)

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