Positive Bilanz zum Jahr der Biodiversität
Die Experten von Bund und Umweltorganisationen ziehen eine positive Bilanz zum Jahr der Biodiversität und deren Förderung im Jahr 2010. Auch in der Schweiz sind über ein Drittel der Pflanzen und Tiere vom Aussterben bedroht. Rund 70 Prozent der Amphibien und 80 Prozent der Reptilien stehen mittlerweile auf der Roten Liste.
Natur oder Biodiversität finde nicht nur draussen in den Bergen und auf den Feldern statt, sondern gerade auch in den Siedlungsräumen, betonte der Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Willy Geiger gegenüber Schweizer Radio DRS. 2010 sei ein wichtiges Jahr für die Biodiversität mit über 3000 Artikeln und mehreren hundert Anlässen gewesen.
Ein Quadratkilometer mit Wildpflanzen geschaffen
Als gutes Beispiel für eine gelungene Aktion nannte Geiger die Aktion «Blumenwiese», bei welcher Coop und Pro Natura eine Million Samenbriefchen mit Schweizer Wildpflanzen verteilt hatten. Jeder konnte so einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, indem er die Samen in der Blumenkiste auf dem Balkon oder auf dem Rasen im Garten säte. Mit den Blumen kämen Insekten und mit den Insekten die Vögel, stellte Geiger fest. Die Aktion habe ungefähr einen Quadratkilometer an Wildpflanzen gebracht.
Heikle Gebiete pflegen
Die Artenvielfalt leidet in der Schweiz unter der zerstückelten und intensiv genutzten Landwirtschaft. Die Schweiz brauche ein Netzwerk von Flächen, wo die Biodiversität in allen Lebensräumen Vorrang habe, präzisierte Daniela Pauli vom Forum Biodiversität. Dies gelte heute für erst 11 Prozent des Schweizer Bodens dank Naturschutzgebieten und ökologischen Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft. Künftig sollen es 17 Prozent sein, erinnerte sie an die Ziele der Biodiversitäts-Konferenz in Nagoya von 2010.
Laut Urs Tester von Pro Natura braucht es die bedrohten Lebensräume wie Auen, Trockenwiesen und Moore auch Pflege, damit sie nicht austrocknen oder verbuschen. Dank der Aktion «Blumwiese» seien 28 Hektaren Trockenwiesen und Weiden aufgewertet worden. Dies werde auch nach dem Jahr der Biodiversität Bestand haben. Tester zeigte sich zuversichtlich, dass das Jahr der Biodiversität ein Umdenken bewirkt hat.
Gute Grundlagen für weitere Fortschritte
Die Schweiz verfüge über ein gutes Natur- und Heimatschutzgsesetz, erklärte Pauli vom Forum Biodiversität. Viele Grundsteine seien gelegt, um die Artenvielfalt zu erhalten, aber sie reichten noch nicht.
Das Bafu will nun 2011 die Strategie für die Biodiversität ergänzen und konkretisieren, inklusive der Ziele von Nagoya. Nach den Worten von Stefan Inderbizin vom WWF muss das Bewusstsein aber noch stärker wachsen. Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität dürften nicht einfach delegiert werden. Alle müssten ihren Betrag leisten und jeder müsse bei sich selbst anfangen. (bru, wanc)
Mehr zu den Stichwörtern:
