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Mittwoch, 9.5.2012

Mexikanischer Milliardär expandiert nach Europa

Der wahrscheinlich reichste Mann der Welt heisst Carlos Slim. Sein Vermögen hat der Mexikaner in der lateinamerikanischen Telekom-Branche gemacht. Nun will er beim niederländischen Mobilfunk-Anbieter KPN einsteigen.

Mexikanischer Milliardär Carlos Slim. (Archiv Keystone)

Von Auslandredaktor Franco Battel

Carlos Slim ist der Profiteur der mexikanischen Privatisierung. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre verscherbelte Mexiko staatliche Unternehmen. Der Prozess war intransparent. Die besonders lukrative Telekommunikation riss sich Carlos Slim unter den Nagel. Das ehemals staatliche Monopol wurde zu einem privaten. Seither diktiert Slim die Preise.

Fast immer, wenn es in Mexiko klingelt, verdient er mit. Mexikos Telefongebühren gehören zu den höchsten weltweit. Jene mexikanischen Politiker, die den Staatsbesitz damals verhökerten, profitieren seither mit.

Strippenzieher
Es entstand der für Mexiko so typische Filz aus Wirtschaft und Politik, zu dem schwarze  Kassen, Ineffizienz, Korruption oder Vetternwirtschaft gehören. Slim zieht die Strippen diskret. Wegen krummer Geschäfte wurde er nie verurteilt. Und würde es je soweit kommen: Er hätte wohl in allen Chargen seine Freunde.

Slims unangefochtene Stellung erlaubte es ihm, sein Imperium zu erweitern. Vor allem in Südamerika, vor allem in Brasilien, verdient er kräftig mit. Und vor drei Jahren retteten Slims Millionen die serbelnde «New York Times». Kein Ruhmesblatt für die renommierte Zeitung.

Beim Autostall Sauber drin
Auch in der Schweiz hat Slims Familie investiert: In Hinwil, in den Autorennstall Sauber. Und nun also Holland. Der Einstieg beim niederländischen Mobilfunkkonzern KPN ist Slims erstes grosses Europa-Engagement. Weitere werden folgen.

In Schwellenländern wie Brasilien, Indien oder eben in Mexiko liegen enorme Vermögen. Und in Europa, angeschlagen und schwach, wittern viele gute Geschäfte. Ein solches hat Slim, der Mexikaner mit libanesischen Wurzeln, noch nie verschmäht.

Und sonst? Slim zeigt sich gern als Philanthrop, als nobler Spender und Gönner. Millionen in soziale oder kulturelle Projekte zu stecken, das kostet ihn, den Multimilliardär, nur wenig. Nach einem Steuerparadies muss sich Slim übrigens nicht umsehen: Er lebt bereits in einem. Denn geschröpft werden Reiche anderswo, aber sicher nicht in Mexiko. (fors;ank)

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